Wirtschaft : Auch Mercedes-Chef denkt an Rücktritt

Eckhard Cordes soll den Aufsichtsrat um Vertragsauflösung gebeten haben – Konzern beschließt Ethik-Programm

Henrik Mortsiefer,Ursula Weidenfeld

Berlin/Stuttgart - Nach dem angekündigten Rücktritt von Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp wird nun auch über ein Ausscheiden von Mercedes-Chef Eckhard Cordes spekuliert. Nach der Bestimmung von Dieter Zetsche zum Nachfolger Schrempps habe Cordes am Vortag den Aufsichtsrat um die Auflösung seines Vertrags gebeten, hieß es am Freitag in informierten Kreisen. Von Cordes selbst und vom Konzern war keine Stellungnahme zu erhalten.

Beobachter schließen seinen Rücktritt aber nicht aus: „Zetsche und Cordes waren beide heiße Anwärter auf den Posten von Schrempp“, sagte Thomas Meier, Fondsmanager bei Union Investment. „Hier können Emotionen und Enttäuschung durchaus eine Rolle spielen.“ Sollte Cordes den Konzern verlassen, favorisiere der Aufsichtsrat einen internen Nachfolger, hieß es in Stuttgart. Es gebe mehrere „interessante Kandidaten“. Derzeit werde mit Cordes gesprochen, „die Entscheidung liegt ganz allein bei ihm“.

Der stellvertretende Aufsichtsratschef von Daimler-Chrysler, Erich Klemm, der auch Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates ist, kommentierte die Spekulationen um Cordes nicht. Er erwähnte aber, dass der Mercedes-Chef zusammen mit Personalvorstand Günther Fleig am Freitag an Gesprächen über die Personalplanung bei Mercedes teilgenommen habe.

Die näheren Umstände des Rücktritts von Jürgen Schrempp blieben auch am Freitag im Dunkeln. Klemm sagte, es sei seit Jahren Schrempps Wunsch gewesen, dass der nun zum Jahresende anstehende Wechsel im Vorstandsvorsitz in einem „geordneten Prozess“ ablaufe. Dies sei mit der einstimmigen Berufung von Chrysler-Chef Zetsche zum Nachfolger für Schrempp gelungen. Von einer Führungskrise könne beim Autokonzern keine Rede sein. Unterschiedlich dargestellt wurde, ob Schrempp selbst seinen Rücktritt angeboten hat oder vom Aufsichtsrat gedrängt wurde. „Es hat keine Kampfabstimmung gegeben“, sagte ein IG Metall-Sprecher in Stuttgart. „Schrempp hat den Vorschlag gemacht und der Aufsichtsrat konnte ihn nur annehmen.“ Die Freundschaft zwischen Aufsichtsratschef Hilmar Kopper und Schrempp war von Beobachtern kritisiert worden und als ein Grund für die Probleme des Autokonzerns genannt worden. Axel von Werder, Wirtschaftswissenschaftler an der TU Berlin und Mitglied der Regierungskommission Corporate Governance sagte dazu dem Tagesspiegel: „Bei Daimler-Chrysler hat offenbar der Aufsichtsratsvorsitzende das Geschehen wesentlich geprägt – und den Vorstandsvorsitzenden stabilisiert.“ Von Werder wies auch auf die Bedeutung der Mitbestimmung in diesem Fall hin: „Auch die Arbeitnehmerseite hat Herrn Schrempp bis zum Schluss den Rücken gestärkt.“ Betriebsratschef Klemm sagte am Freitag, Schrempp könne „in allen Ehren in den Ruhestand“ gehen.

Die jüngst im Vertrieb des Autokonzerns aufgetauchten Korruptionsfälle zwingen unterdessen den Vorstand zum Handeln. Nach Informationen des Tagesspiegels hat der Vorstand vor etwa drei Wochen beschlossen, ein Unternehmens-Ethik- Programm aufzulegen. Personalvorstand Günther Fleig und Mercedes-Chef Cordes hätten ein solches Programm gewollt, Schrempp hingegen habe die Sache persönlich genommen. Erst nachdem klar geworden sei, dass die zahlreichen Ethik-, Wertemanagement- und Corporate-Governance-Initiativen, die der Konzern hat, nicht zusammen, sondern gegeneinander wirken, habe Schrempp eingelenkt.

Hauptproblem bei Daimler sei gewesen, dass die Mitarbeiter nicht mehr gewusst hätten, welche Grundsätze gelten und welche nicht. Das sei demotivierend, hieß es. Inzwischen liege der Krankenstand im Konzern, der jahrelang vorbildlich für die Branche war, etwa doppelt so hoch wie bei Audi. Der Konzern nahm weder zum Krankenstand noch zum Ethik-Programm Stellung. mit dpa

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