• Auch Merck unter Verdacht der Bilanzfälschung US-Pharmakonzern soll Milliarden falsch gebucht haben/Kurs fällt

Wirtschaft : Auch Merck unter Verdacht der Bilanzfälschung US-Pharmakonzern soll Milliarden falsch gebucht haben/Kurs fällt

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Berlin (pet). Der amerikanische Pharmakonzern Merck&Co hat nach Angaben des „Wall Street Journal“ in den letzten drei Jahren Milliarden-Umsätze in der Bilanz verbucht, die das Unternehmen tatsächlich nie eingenommen hat. Dabei handele es sich um Buchungen in Höhe von insgesamt 12,4 Milliarden Dollar (12,75 Milliarden Euro), berichtet die Zeitung mit Berufung auf ein Schreiben von Merck an die US-Börsenaufsicht SEC vom Freitag. Das entspricht rund zwölf Prozent des Merck-Gesamtumsatzes in den Jahren 1999, 2000 und 2001.

Der Pharmakonzern habe demnach Medikamentenzuzahlungen von Patienten an Apotheken als Einnahmen bei der Konzerntochter Medco verbucht. Tatsächlich seien die Zuzahlungen aber nicht an Medco geflossen, sondern von Apotheken einbehalten worden. Medco rechnet ärztliche Verschreibungen im Auftrag von Großkunden ab. Die Gesellschaft, die 1993 von Merck gekauft worden war, hat 65 Millionen Mitglieder. Medco hat im vergangenen Jahr mit 29,1 Milliarden Dollar die Hälfte des Umsatzes von Merck erwirtschaftet, erzielt aber nur eine Gewinnmarge von einem Prozent. Darum hat Merck ein großes Interesse daran, das Unternehmen wieder abzustoßen. Im April hatte Merck angekündigt, ein Fünftel von Medco an die Börse zu bringen. Aus diesem Grund ist auch die Börsenaufsicht SEC informiert worden. Der genaue Umfang der Buchungen wurd aber erst am Freitag bekannt.

Der Merck-Konzern wies die Vorwürfe zurück. Die Buchungen stünden im Einklang mit den allgemein akzeptierten Buchführungsregeln. Sie hätten keinen Einfluss auf das Netto-Ergebnis, da genau die gleichen Beträge als Kosten verbucht worden seien.

Der Kurs der Merck&Co-Aktie sank am Montag zur Eröffnung des US-Handels um knapp fünf Prozent. Überraschend sei die Größenordnung der Fehlbuchungen gewesen, sagten Frankfurter Marktteilnehmer am Montag. Negative Auswirkungen auf den europäischen Pharmasektor seien aber nicht zu befürchten. Allerdings könne der erneute Verdacht von Finanzmanipulation die Verunsicherung der Investoren noch vergrößern und dazu führen, dass Bilanzen noch genauer überprüft würden als bisher, hieß es.

In den letzten Monaten waren mehrere große Bilanzfälschungs-Skandale in den USA bekannt geworden. Nach dem amerikanischen Energiehändler Enron gerieten in der vergangenen Woche auch Walt Disney und der Telekommunikations-Konzern Worldcom ins Visier der Staatsanwaltschaft.

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