Auch nach Übernahme : Postbank bleibt Postbank

Die Deutsche Bank will sich früher als geplant schon in diesem Jahr die Mehrheit an der Postbank sichern. Die Marke Postbank soll dabei erhalten bleiben.

R. Obertreis,M.Schröder

Berlin/Frankfurt am Main – Der Name Postbank soll auch mit der Übernahme durch die Deutsche Bank nicht verloren gehen. „Wir stehen zu unserer Mehrmarkenstrategie, das werden wir auch in zehn Jahren noch sagen“, sagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann am Montag. Die Postbank-Kunden könnten künftig zusätzliche Produkte aus dem Angebot der Deutschen Bank auswählen, etwa bei den Investmentfonds. Ansonsten könnten sie ihre Geschäfte wie bisher abwickeln. „Das Filialnetz der Postbank bleibt erhalten, Kontonummern und Bankleitzahl der Postbank-Kunden bleiben wie bisher“, sagte Ackermann.

Die Deutsche Bank will sich früher als geplant schon in diesem Jahr die Mehrheit an der Postbank sichern. Bisher gehören ihr erst 30 Prozent des Instituts. Mit der vorgezogenen Übernahme soll der Kauf etwa 1,7 Milliarden Euro günstiger ausfallen als geplant. Anstatt wie vereinbart 45 Euro bietet die Deutsche Bank den Aktionären jetzt nur noch 25 Euro pro Aktie an. Der Kurs der Postbank sank daraufhin am Montag um fast acht Prozent.

Für Konrad Becker, Analyst beim Bankhaus Merck Finck, ist die Übernahme eine gute Nachricht. Der Aktienkurs der Deutschen Bank habe in der Vergangenheit darunter gelitten, dass ihr Gewinn so stark davon abhängt, wie sich das Investmentbanking entwickelt. Mit der Postbank kämen zuverlässige Erträge aus dem Privatkundengeschäft dazu. Hinzu kommt: Die Deutsche Bank gewinnt Kundeneinlagen, die sie nutzen kann, um ihre Geschäfte zu refinanzieren, vor allem dann, wenn am Kapitalmarkt gerade wenig Geld zur Verfügung steht. „Das ist Gold wert“, sagte Becker.

Die Postbank hat 14 Millionen Kunden in Deutschland. Zusammen mit der Berliner Bank, der Norisbank und der Privatbank Sal. Oppenheim, die ebenfalls zur Deutschen Bank gehören, werde sein Haus dann 24 Millionen Kunden betreuen, sagte Deutsche-Bank-Chef Ackermann. „In Deutschland sind wir damit das mit Abstand größte Bankhaus auch im Retail-Banking, in Europa rücken wir in die europäische Champions League auf.“ Den Sparkassen, die in Deutschland rund 50 Millionen und damit mit Abstand die meisten Kunden betreuen, sagte Ackermann einen harten Konkurrenzkampf an: „Durch diese Transaktion wird das Leben für viele in Deutschland schwerer.“

In Berlin könnte die Deutsche Bank bald nahe an die Kundenzahlen der Sparkasse herankommen. Der Marktführer hat fast zwei Millionen Kunden in der Hauptstadt. Bei der Deutschen Bank sind es rund 550 000. Hinzu kommen noch einmal 350 000 Kunden der Berliner Bank, die seit diesem Jahr eine Niederlassung der Deutschen Bank ist. Die Postbank veröffentlicht keine regionalen Daten. Vor zwei Jahren hatte das Institut aber einmal von einer Million „Kundenkontakten“ in Berlin gesprochen.

Experten bezweifeln aber, dass die Postbank zu all ihren Kunden eine intensive Geschäftsbeziehung unterhält. „Da sind sicher auch viele Karteileichen dabei“, sagte Analyst Becker. Dennoch habe die Postbank einen unschlagbaren Vorteil: Dadurch, dass man in den Filialen auch Briefe und Pakete aufgeben könne, habe sie viel mehr Kontakte als andere Banken. „Das werden keine Millionäre sein, das ist Massengeschäft“, sagte Becker.

Die Kunden, die zur Postbank gingen, wollten dort einfache Standardprodukte zu günstigen Preisen, mehr nicht. „Die Postbank gilt auch als Aldi unter den Banken“, sagte Becker. Der Analyst glaubt, dass die Deutsche Bank auch weiterhin auf diese Strategie setzen wird: „Ich denke, dass die Postbank weiterhin günstige Produkte anbieten wird, denn das ist ihr Geschäftsmodell.“ Sicher kämen Angebote aus der Deutschen Bank hinzu. „Aber wenn die Postbank auf einmal anfängt, komplizierte Derivate-Konstruktionen zu verkaufen, vergrault sie die Kunden.“

Folgen könnte die Übernahme allerdings für die Mitarbeiter der beiden Banken haben, vor allem im IT-Bereich. Die Systeme sollen vereinheitlicht werden. Hier erhofft sich Ackermann das größte Einsparpotential. Insgesamt sollen die Synergieeffekte rund eine Milliarde Euro im Jahr bringen. „Die Restrukturierung wird gewisse Folgen nach sich ziehen. Wie viele Personen das betreffen wird, werden wir mit der Postbank bereden“, sagte Ackermann. Die Postbank hat rund 90 000 Beschäftigte.

Mittelfristig will die Deutsche Bank im Privatkundengeschäft Erträge von mehr als zehn Milliarden Euro erzielen und ein jährliches Vorsteuerergebnis von mehr als drei Milliarden Euro. Für 2011 war bislang nur einen Gewinn von 1,5 Milliarden Euro eingeplant – die Postbank soll den Gewinn also verdoppeln.

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