Wirtschaft : Auch ohne den A3XX haben die Europäer in diesem Jahr die Nase vorn

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Noch keine Entscheidung zum Standort - Tolouse werden die größten Chancen zugesprochentmh

Der neue europäische Luft- und Raumfahrtkonzern European Aerospace Defense and Space Company (EADS) muss gleich zu seinem Start einige Turbulenzen durchfliegen. Zum einen poche die British Aerospace (BAe) gegenüber den drei EADS-Partnern DaimlerChrysler Aerospace (Dasa), Frankreichs Aerospatiale Matra und Spaniens Casa nun auf eine Ausweitung der britischen Airbus-Anteile, sagte Dasa-Chef Manfred Bischoff vor Journalisten in München. Außerdem befürchtet der künftige EADS-Spitzenmanager wegen der Brüsseler EU eine Verzögerung des für Mai 2000 geplanten EADS-Börsengangs.

Im Zuge der bevorstehenden Umwandlung des Airbus-Konsortiums in eine Kapitalgesellschaft wollen die Briten ihren Anteil von derzeit 20 Prozent auf 30 Prozent ausweiten und beanspruchen darüber hinaus "bedeutende" Minderheitenrechte, sagte Bischoff. Das wollen die drei EADS-Partner, die zusammen 80 Prozent am Airbus-Programm halten, der BAe aber nicht zugestehen. Angesichts dieser Differenzen sei es offen, ob die Airbus-Umwandlung im nächsten Jahr über die Bühne gehe. An einen Verkauf der britischen Airbus-Anteile als Alternative glaubt die Dasa nicht. Auch über den Airbus hinaus sei die europäische Luft- und Raumfahrt ohne Großbritannien nicht denkbar, sagte Bischoff mit Blick auf die EADS. Bislang habe die BAe aber keine Beitrittswünsche geäußert. Vor dem EADS-Börsengang sei auch nicht mehr mit der Aufnahme eines vierten Partners zu rechnen.

Wunschtermin für den Schritt aufs Parkett sei der Mai 2000, was allerdings von der EU abhängt. Derzeit nehmen die dortigen Behörden die ebenfalls neue europäische Raumfahrtholding Astrium genauer unter die Lupe als von der Industrie zunächst erwartet. Falls Brüssel das auch bei der EADS beabsichtige, deren Bildung dort Anfang 2000 offiziell angemeldet werde, drohe eine Verzögerung des Börsengang um mehrere Monate. Notieren soll die EADS in Frankfurt, Paris, Madrid und Amsterdam. Nach dem Börsengang werde es etwa zwei Jahre dauern, um die EADS "operativ zum Leben zu bringen," schätzte der jetzige Vorstandschef der Dasa-Triebwerkstochter MTU, Rainer Hertrich, der künftig neben Bischoff auf deutscher Seite die EADS führen soll.

Was das für die derzeit rund 89 000 EADS-Stellen bedeutet, bleibt weiter offen. Allerdings baut die Dasa wegen Kürzungen im Verteidigungsetat im Inland binnen zwei Jahren mindestens 850 Stellen ab, bekräftigten die Manager. Auch strenge deutsche Exportbestimmungen würden heimische Stellen gefährden. So sei jüngst der Verkauf eines Dasa-Satelliten an Taiwan von Berlin nicht genehmigt worden, kritisierte Bischoff. Das Geschäft mache nun der Dasa-Partner Matra Marconi Space, was britische und französische Arbeitsplätze sichere.

Im Falle der EADS will die Dasa dagegen die Furcht vor Stellenabbau dämpfen. "Wir stehen nicht vor einer Rationalisierung sondern vor Wachstum," sagte Hertrich mit Blick auf vor der Tür stehende Großprojekte wie den Militärtransporter A 400 M, den Eurofighter oder das Großraumflugzeug A3XX. Am Mittwoch tagte der Airbus-Aufsichtsrat in Toulouse, um sich mit den möglichen Standorten und der Marktnachfrage nach dem neuen Flugzeug zu beschäftigen. Unter den fünf Städten, die sich um die Produktion des A3xx beworben haben, wird Toulouse die größten Chancen zugesprochen. Die Stadt hat sich in 30 Jahren mit Hamburg und dem Boeing-Sitz in Seattle als wichtigster Montagestandort der weltweiten Flugzeugindustrie bewährt. Neben dem Verkaufsschlager A320 werden dort hauptsächlich die Langstreckenjets A330 und A340 gebaut. Auch die als Frachtflieger gefragten A300 werden hier gefertigt.

Den kommerziellen Startschuss für den künftigen Konkurrenten des Boeing-Jumbos 747 erwartet die Dasa im übrigen nicht mehr in diesem Jahr, weil noch Gespräche mit den Fluggesellschaften nötig seien. Die Nachfrage nach der A3XX schwanke derzeit recht stark. Auch eine Festlegung auf den Endmontage-Standort erwarten die Münchner für 1999 nicht mehr. Auch ohne die A3XX dürfte der Airbus aber dieses Jahr einen Marktanteil von über 50 Prozent erobern und damit den US-Konkurrenten Boeing vom Spitzenplatz verdrängen.

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