Wirtschaft : Auch Sarkozy will auf die hohe See Paris schreibt Bau von Riesen-Windparks aus

Holger Alich (HB)
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Paris - Frankreich will seinen Rückstand in der Windenergie aufholen. Im zweiten Quartal startet die Regierung eine Ausschreibung zum Bau und Betrieb von Windparks im Meer. Die erste Tranche soll eine Kapazität von 3000 Megawatt haben, kündigte Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy am Dienstag an. Die Investitionskosten werden mit zehn Milliarden Euro veranschlagt. Wer den Zuschlag bekommt, will der nationale Energieregulierer CRE 2012 entscheiden.

Eine zweite Tranche soll folgen. Bis zum Jahr 2020 will Frankreich über Meereswindparks mit einer Kapazität von 6000 Megawatt verfügen. Zum Vergleich: Marktführer Großbritannien verfügt bereits über eine Kapazität von 1,3 Gigawatt, was etwa der Leistung eines mittelgroßen AKWs entspricht.

Frankreichs Projekt dürfte deutsche Energieanbieter wie RWE oder Siemens als Turbinenlieferant interessieren. Doch Sarkozy machte gleich klar, dass er mit der Ausschreibung auch Industriepolitik betreiben möchte. „Unser Ziel ist, einen nationalen Sektor aufzubauen, der in der Lage sei, solche Windparks zu bauen“, sagte er. Frankreichs eigene Windenergiebranche soll dann auch Auslandsmärkte erobern, hofft er.

Das Problem: Da der Staat und sein Energieanbieter EDF jahrzehntelang so stark auf Atomenergie gesetzt haben, fristet Frankreichs Windenergiebranche ein Schattendasein. Kein französischer Anbieter zählt zu den zehn größtenTurbinenanbietern. Alstom kaufte erst 2007 die spanische Ecotècnia, und Areva übernahm den deutschen Anbieter Multibrid, um in dem Sektor präsent zu sein. Selbst in französischen Regierungskreisen werden daher skeptische Stimmen laut, ob französische Anbieter überhaupt so ein großes Projekt stemmen können.

Die ersten Anbieter schließen sich bereits zu Konsortien zusammen, um bei der Ausschreibung mitzubieten: Alstom hat angekündigt, sich mit EDF Energies Nouvelles zusammenzutun; dabei will Alstom EDF die Windmühlen inklusive der Turbinen liefern. Es wird erwartet, dass Alstoms Großaktionär, der Bauriese Bouygues, sich dem Verbund noch anschließt. Holger Alich (HB)

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