Wirtschaft : Auch Smart scheitert am Elchtest

Daimler verschiebt Markteinführung auf Oktober / Trennung von Geschäftsführern STUTTGART (fmd/HB/AFP/rtr).Nach den Pannen mit der A-Klasse muß die Daimler-Benz AG, Stuttgart, einen zweiten Rückschlag beim Einstieg in das Kleinwagensegment hinnehmen.Drei Monate vor der geplanten Einführung des Mini-Autos Smart sind die Partner Daimler-Benz und der Schweizer Uhren- und Elektronikkonzern SMH mit der Qualität ihres Produktes nicht zufrieden.Daher hat man sich zu einer Verschiebung des Starts um sechs Monate auf den 1.Oktober 1998 entschlossen.Nach einem Qualitäts- und Technik-Test werden neue Fahrversuche für notwendig gehalten, um die Fahrdynamik und Fahrstabilität zu testen.Dies mache eine Anpassung des Fahrwerks erforderlich, hieß es am Donnerstag.Die eingeleiteten Maßnahmen würden bei der Micro Compact Car AG (MCC), Biel/Schweiz, zu einer Ergebnisbelastung in den Jahren 1997 und 1998 von rund 300 Mill.DM führen.An der MCC sind Daimler-Benz zu 81 Prozent und die SMH zu 19 Prozent beteiligt.Die Smart-Fabrik im französischen Hambach wurde im Oktober 1997 eröffnet. Die erforderlichen Nachbesserungen haben zu personellen Konsequenzen geführt.Von den Geschäftsführern Johann Tomforde (zuständig für Entwicklung und Produktion) und Christian Baubin (Finanzen) hat sich MCC getrennt.MCC-Chef Lars Brorsen bleibt dagegen im Amt.Nicht nur der ungenügende "Produktreifegrad" war ein Stein des Anstoßes für die Gesellschafter.Auch die Kooperation mit den Automobilzulieferern wird noch für abstimmungsbedürftig gehalten.Die rund zwölf Systemlieferanten bauen ihre Module vor Ort in Hambach ein und übernehmen damit eine weitaus größere Verantwortung als bisher.In Daimler-Kreisen hieß es, die Abstände zwischen Tür und Holm beim Smart entsprächen nicht den Vorgaben.Teilweise seien Modelle auch ohne funktionierende Heizung vom Band gelaufen.Für den Beschluß, die Markteinführung zu verschieben, seien diese Probleme ebenso entscheidend gewesen wie die Fahrwerksprobleme des Smart. Ursprünglich sollten 1998 noch 100 000 Fahrzeuge abgesetzt werden.Die Kapazitätsgrenze, die bei 180 000 Automobilen liegt, sollte nach dem Jahr 2000 erreicht werden.Der Qualität müsse Vorrang vor dem zeitlichen Ablauf eingeräumt werden.Mit diesen Worten deutete der Daimler-Vorstandschef Jürgen Schrempp bereits am Mittwoch abend Verzögerungen beim Smart-Start an.Deutlicher wurde dann der MCC-Verwaltungsrats-Präsident und Daimler-Pkw-Vorstand Jürgen Hubbert am Donnerstag: "Wir haben uns zu einschneidenden Maßnahmen entschlossen, da wir angesichts des völlig neuartigen Produktes in einem bislang nicht vorhandenen Marktsegment jegliches Risiko ausschließen wollen." Zudem sei eine Verschiebung des Starts einfacher durchzuführen als Rückrufaktionen.Der Aktienkurs des Konzerns fiel nach der Ankündigung gestern um 2,60 DM auf 124 DM am Ende des Parketthandels.Trotz der zusätzlichen Kosten durch den verspäteten Verkaufsstart erklärte Daimler-Benz, das Unternehmen halte an seiner Gewinnprognose fest.Belastungen durch den Smart würden durch erfreuliche Entwicklungen in anderen Bereichen aufgefangen.Daimler hatte erklärt, der operative Gewinn 1997 werde im zweiten Halbjahr über den 1,85 Mrd.DM aus den ersten sechs Monaten liegen. Während Hubbert in seiner Funktion als Präsident des MCC-Verwaltungsrates zunächst nur erklärte, die Qualität des Fahrzeuges habe noch nicht die gesetzten Standards erreicht, wurde SMH-Chef und Swatch-Erfinder Nicolas Hayek deutlicher.Auch der Smart habe den Elch-Test nicht bestanden, erklärte Hayek.Die Tests hätten in Spanien und den USA stattgefunden und einige Veränderungen am Smart nötig gemacht.Laut Nachrichtigenmagazin "Der Spiegel" hat Daimler-Chef Jürgen Schrempp selbst an dem Stadtauto Fahrwerksschwächen ausgemacht.Nachdem die A-Klasse schwedischen Autotestern bei dem Elch-Test genannten Ausweichmanöver umgekippt war und ihre Auslieferung daraufhin bis Februar gestoppt wurde, hatte Schrempp angekündigt, er selbst werde mit dem Smart einen Elch-Test absolvieren.Der ursprünglichen Planung zufolge sollte der bunte Stadtflitzer im März europaweit auf den Markt kommen und in eigenen Verkaufszentren vermarktet werden.In den vergangenen Tagen waren bereits Verschiebungen bei der Eröffnung von Verkaufszentren bekannt geworden.

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