Wirtschaft : Auch Toyota ist in Not

Erstmals in der Unternehmensgeschichte ein Verlust / Japans Handelsbilanz im Minus

Nagoya - Der weltgrößte Autohersteller Toyota erwartet wegen der globalen Absatzkrise erstmals in der Geschichte des Unternehmens einen operativen Verlust. Wie Toyota-Chef Katsuaki Watanabe am Montag in Nagoya bekannt gab, dürfte im Konzern für das bis Ende März laufende Geschäftsjahr operativ ein Fehlbetrag von 150 Milliarden Yen (1,2 Milliarden Euro) anfallen. Noch vor kurzem hatte der erfolgsverwöhnte Branchenprimus einen Betriebsgewinn von 600 Milliarden Yen erwartet, nachdem im Vorjahr ein Rekordgewinn von 2,27 Billionen Yen eingefahren worden war. „Wir stehen vor einer beispiellosen Notsituation“, sagte Watanabe. Die Lage sei „extrem schwierig und harsch“. Die schlechten Nachrichten von Toyota ließen am Montag deutsche Auto aktien abrutschen. VW büßte knapp sechs Prozent ein, Daimler fast fünf Prozent und BMW gut vier Prozent. Die Toyota-Aktie selbst notierte nur leicht im Minus, hat aber binnen eines Jahres rund die Hälfte ihres Werts verloren.

Nach neun Jahren Verkaufssteigerung hatten der globale Absatzeinbruch und der starke Yen Toyotas Rekordfahrt in den vergangenen Monaten dramatisch gebremst. Zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit revidierte der Konzern seine Prognose nach unten und erwartet nun einen Reingewinn von nur noch 50 Milliarden Yen (rund 400 Millionen Euro), 90,9 Prozent weniger als noch im November veranschlagt. Da sich die Lage dermaßen schnell ändere, gab Toyota auch keinen Ausblick auf das kommende Geschäftsjahr ab.

Dies sei eine Krise, wie sie nur einmal in 100 Jahren vorkomme, sagte Watanabe. So gut wie sämtliche Projekte zur Kapazitätsausweitung wurden auf Eis gelegt. „Ich kann nicht sehen, wo die Talsohle ist“, sagte Watanabe. In den vergangenen Jahren hatte Toyota den globalen Absatz jährlich um sechs bis acht Prozent gesteigert. Zugleich aber zeigte sich Watanabe zuversichtlich, dass Toyota die Krise meistern werde. Für 2008 geht sein Unternehmen jetzt von einem globalen Absatz von 8,96 Millionen Autos aus, 540 000 weniger als zuvor erwartet. Das sind zudem 4,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Nachfrage sei nicht nur in den USA, Europa und Japan gesunken, sondern auch in aufstrebenden Märkten, die bislang robust waren, erklärte Watanabe. Dazu gehören neben China und Osteuropa auch Russland und Brasilien. Hinzu kommt der rapide gestiegene Außenwert des Yen. Jede Festigung der japanischen Währung zum Dollar um nur einen Yen lässt Toyotas Betriebsgewinn gleich um rund 40 Milliarden Yen (rund 300 Millionen Euro) sinken.

Die Vorstandsmitglieder des Konzerns müssen für das laufende Geschäftsjahr auf ihre Bonuszahlungen verzichten, wie Toyota weiter mitteilte. Für das Kalenderjahr reduzierte der Autobauer sein globales Produktionsziel auf nun 9,2 Millionen statt zuvor angestrebter 9,5 Millionen Einheiten.

Auch andere japanische Autobauer leiden unter der Absatzkrise. Toyotas größter heimischer Rivale Honda Motor hatte erst vor wenigen Tagen zum dritten Mal seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr gesenkt und seinen Ausstieg aus der kostspieligen Formel 1 bekannt gegeben. Suzuki, Japans zweitgrößter Hersteller von Kleinwagen, kündigte am Montag die Streichung aller Vertragsarbeiterstellen an seinen heimischen Werken bis Mai sowie weitere Produktionskürzungen an. Japans drittgrößter Autobauer, der Renault-Partner Nissan, hatte bereits kürzlich weitere Produktionskürzungen und den Abbau der Zeitarbeitsstellen bekannt gegeben.

Angesichts der im Ausland drastisch gesunkenen Nachfrage nach japanischen Autos und elektronischen Geräten brachen die Exporte der zweitgrößten Wirtschaftsnation der Welt im November so stark ein wie noch nie. Wie das Finanz ministerium am Montag bekannt gab, schrumpften die Ausfuhren zum Vorjahresmonat um insgesamt 26,7 Prozent und damit am stärksten seit Beginn der Erfassung vergleichbarer Daten im Januar 1980. Japans Exporte auf den wichtigen US-Markt sanken dabei um den Rekordwert von 33,8 Prozent. Damit verzeichnete Japans Handelsbilanz erstmals überhaupt in zwei aufeinanderfolgenden Monaten ein Defizit, und zwar in Höhe von 223,4 Milliarden Yen (1,8 Milliarden Euro). dpa

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