Wirtschaft : Auch Uruguay sperrt seine Konten

Die anhaltende Kapitalflucht zwingt die Regierung, die Banken zu schützen – mehr Ruhe an den Börsen verspricht das nicht

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New York/Düsseldorf (mo/tas/pf). Die Argentinien-Krise weitet sich aus. Nach den beispiellosen Ausschreitungen im Nachbarstaat Uruguay hat sich die Lage dort am Wochenende zwar etwas beruhigt. Doch will die Regierung von Präsident Jorge Batlle zur Rettung des Bankensystems die Spareinlagen der Bürger bis zu drei Jahre einfrieren. In der vergangenen Woche hatte die anhaltende Kapitalflucht in Uruguay bereits zur Schließung der Banken geführt, worauf es zu den gewaltsamen Ausschreitungen gekommen war. Am Wochenende sorgten rund 5000 Polizisten in der Hauptstadt Montevideo für Ordnung. Uruguay steckt seit vier Jahren in der Rezession. Ökonomen erwarten, dass die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um fünf Prozent zurückgehen wird. Die Arbeitslosenquote beträgt rund 16 Prozent.

Ob die Banken wie ursprünglich geplant bereits an diesem Montag wieder öffnen, ist ungewiss. Die Regierung will Gespräche mit dem US-Finanzminister Paul O’Neill abwarten, der diese Woche in die Krisenregion reist und Uruguay am Dienstag besucht. Von dem Treffen verspricht sich die Regierung einen positiven Einfluss auf Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF). Dabei geht es um einen Überbrückungskredit in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar. Nach Informationen der „Washington Post“ sollen die USA bereits ihre Zustimmung zu dem Kredit signalisiert haben.

Zu den gravierenden Finanzengpässen in Uruguay ist es gekommen, weil immer mehr Bürger aus dem Nachbarland Argentinien auf ihre Sparguthaben in Uruguay zurückgegriffen haben. Argentinien ist seit Ende vergangenen Jahres zahlungsunfähig und hat – wie nun Uruguay – die Sparguthaben seiner Bürger bis auf weiteres eingefroren.

Die Regierung in Uruguay gab am Wochenende bekannt, dass Dollar-Festgelder in den beiden Staatsbanken, der Banco de la República und der Banco Hipotecario, vorerst blockiert werden sollen. 25 Prozent der Gelder würden nach einem Jahr, 35 Prozent nach zwei Jahren und die restlichen 40 Prozent nach drei Jahren wieder verfügbar werden. Bis dahin sollen die Gelder mit einem über dem jeweiligen Marktniveau liegenden Zinssatz versehen werden. Zudem werde die Banco Hipotecario faktisch in die Banco de la República integriert. An den internationalen Finanzmärkten spielt die Krise in Uruguay allerdings noch eine relativ untergeordnete Rolle. Größere Sorgen machen sich die Investoren dagegen über die Zukunft von Brasilien. Brasilien ist nicht nur die größte Volkswirtschaft Südamerikas, sondern auch mit seinen zahlreichen Anleihen am Eurobond-Markt ein bedeutender Partner. Eine Zuspitzung der Situation in Brasilien würde auch direkte Folgen für Europa haben. Denn zahlreiche Konzerne wie Daimler-Chrysler, Volkswagen, BASF oder Siemens sind in Brasilien stark engagiert.

Vor diesem Hintergrund wird auch in den kommenden Tagen mit starken Kursbewegungen an den internationalen Börsen gerechnet. Neben der Finanzkrise in Südamerika wird die Börsianer aber vor allem die anhaltende Wirtschaftsflaute in den USA weiter beschäftigen. Nach den jüngsten Konjunkturdaten haben immer mehr Anleger Angst vor einem erneuten Abgleiten in die Rezession, und das würde auch den Unternehmensgewinnen schaden.

Es gibt aber auch zuversichtlichere Stimmen. „Die hohe Nervosität, mit der Anleger bislang auf unzulängliche Konjunktur- und Unternehmenszahlen sowie Bilanzskandale reagiert haben, scheint teilweise abgeklungen zu sein“, meinen beispielsweise die Analysten der Bankgesellschaft Berlin. Ob das so bleibt, wird die Reaktion auf wichtige Unternehmensergebnisse zeigen.

Spannend dürfte in dieser Woche besonders der Donnerstag werden, wenn die drei Dax-Unternehmen BASF, BMW und die Commerzbank ihre Quartalszahlen vorlegen werden. Bei der Commerzbank rechnen Analysten mit einem Verlust im zweiten Quartal. Für den Münchener Automobilhersteller BMW erwarten die Experten ein ähnlich starkes Quartal wie bei den meisten anderen europäischen Konkurrenten. BMW-Aktien haben seit Jahresbeginn erst ein Prozent verloren und sich damit wesentlich besser als die europäische Konkurrenz gehalten. Einen Tag vorher wird auch Adidas-Salomon seine Zahlen präsentieren. Das Unternehmen hatte bereits angekündigt, das abgelaufene Quartal werde wegen hoher Marketing-Kosten für die Fußball-Weltmeisterschaft nicht besonders gut ausfallen.

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