Wirtschaft : „Auch Werkstätten werden billiger“

ADAC begrüßt EU-Liberalisierung

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PETER MEYER

ist Präsident des

Automobilclubs

ADAC

Foto: Promo

Wird es in Deutschland eine Rabattschlacht wie in den USA geben?

Viele Händler und auch so mancher Hersteller sind der Meinung, dass es schon heute eine mit den USA vergleichbare Rabattschlacht gibt. Aus Sicht der Hersteller ist dies natürlich eine äußerst unerfreuliche Entwicklung. Wenn sich beim Käufer erst einmal der Eindruck verfestigt hat, dass beim Neuwagenkauf erhebliche Rabatte möglich sind, dann wird sich dieser Trend kaum mehr umkehren lassen.

Heizen branchenfremde Anbieter wie Quelle oder Schlecker den Preiswettbewerb an?

Das verstärkte Engagement von Einzelhändlern oder Versandhäusern wird sicher dazu beitragen, mehr Wettbewerb im Neuwagenhandel zu schaffen. Dies ist aber nicht ganz neu, denn in der Vergangenheit haben immer wieder Handelsketten versucht, mit derartigen Aktionen Aufsehen zu erregen. Hierbei handelte es sich aber eher um Marketingaktionen, bei denen es um den Werbeeffekt ging. Außerdem wird meist übersehen, dass diese Branchenneulinge lediglich als Vermittler auftreten oder sogar nur als Werbeplattform für professionelle Autohändler. Der Käufer schließt seinen Vertrag weder mit dem Versandhaus noch dem Discounter, sondern mit ganz gewöhnlichen Händlern.

Der europäische Automarkt wird liberalisiert. Was heißt das für den deutschen Käufer?

Grundsätzlich erwarten wir, dass es sowohl im Handel als auch im Servicebereich zu mehr Wettbewerb kommen wird und der Verbraucher mit etwas sinkenden Preisen rechnen kann. Beim Handel deswegen, weil innerhalb der EU die Nettopreise auf Grund der unterschiedlichen Steuersätze stark voneinander abweichen. In Deutschland, wo die Nettopreise sehr hoch liegen, werden die Hersteller früher oder später ihre Preise anpassen müssen. Was den Servicebereich angeht, rechnen wir mit sinkenden Ersatzteilpreisen, weil nun auch freie Werkstätten die Möglichkeit haben, Originalersatzteile direkt vom Zulieferer des Herstellers zu beziehen. Die hohen Aufschläge des Herstellers um bis zu 400 Prozent können dadurch umgangen werden. Außerdem bekommen die Vertragswerkstätten Konkurrenz, denn die Hersteller müssen künftig auch so genannte autorisierte Werkstätten in ihr Netz aufnehmen, wenn diese den qualitativen Ansprüchen des Herstellers genüge n.

Die Fragen stellte Heike Jahberg.

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