Wirtschaft : „Auch Zahnärzte treiben die Ölpreise“

Wie Spekulanten auf den Rohstoffmärkten handeln

Bernd Hops

Berlin - Lange hat sich die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) dagegen gesträubt, ihre Förderung zu erhöhen. Schuld für die hohen Preise seien nur die Spekulanten. Schließlich sei genug Öl auf dem Markt. Was die Preise getrieben hat, ist die Angst davor, dass es irgendwann einmal in den nächsten Monaten so weit sein könnte, dass Öl tatsächlich knapp wird. Unsicherheit ist die Nahrung für Spekulationen – und die Hoffnung auf hohe Renditen.

Auf den Ölmärkten tummeln sich zurzeit so viele Finanzinvestoren wie noch nie, die zwar Kontrakte auf eine zukünftige Lieferung des Rohstoffs – so genannte Futures ( siehe Lexikon ) – abschließen, aber nie auch nur einen Tropfen Öl tatsächlich haben wollen. „Sie kaufen nur Papieröl“, sagt Leo Drollas, stellvertretender Direktor des Centers for Global Energy Studies in London (CGES). „Jeder kann Ölfutures kaufen. Es gibt auch den ein oder anderen Zahnarzt, der hier sein Glück versucht.“ Vor allem seien es aber Hedge-Fonds-Manager, die sich auf Futuregeschäfte spezialisiert haben. Und Claus Gruber, Sprecher von DWS, der Investmentfondstochter der Deutschen Bank, sagt: „Die Zahl der gehandelten Kontrakte geht weit über die üblichen Sicherungsgeschäfte hinaus. Das zeigt, dass sehr viel spekulatives Interesse vorhanden ist.“

Einer von den Hedge-Fonds-Managern ist Kaj Rönnlund, Partner bei Estlander und Rönnlund in Finnland. Nicht nur große amerikanische Finanzkonzerne sind bei Futures engagiert. Rönnlund und sein Partner Estlander führen ihren Hedge Fonds seit 1991 und verwalten 200 Millionen Euro. Sie kaufen und verkaufen auf 62 Märkten weltweit – und nicht nur Ölkontrakte. „In den letzten zwei Jahren sind die Rohstoffmärkte sehr interessant geworden“, erzählt Rönnlund. In den 90er Jahren seien es vor allem Aktien gewesen. Attraktiv ist für ihn ein Markt, auf dem Bewegung ist. Ob nach oben oder nach unten – sie könnten immer Geld verdienen. „Wenn nicht viel auf einem Markt passiert, sind wir auch nicht mehr drin“, sagt Rönnlund.

Ein schlechtes Gewissen hat der Fondsmanager angesichts der weltweiten Branche gegen seinen Stand, Preistreiber zu sein, nicht. Hedge Fonds würden einen Trend nur verstärken. „Verantwortlich sind wir dafür nicht“, sagt Rönnlund. Es gebe immer auch „fundamentale Fakten“, die dem zugrunde liegen. Beim Öl seien es nun mal Terror und die große Nachfrage aus China, die die Preise ohnehin getrieben hätten. „Man sucht immer einen Schuldigen“, sagt Rönnlund. Der legendäre US-Finanzinvestor George Soros habe zum Beispiel zwar durch seine Spekulationen viel zum Kurssturz des britischen Pfundes 1992 beigetragen. „Aber für den Sturz gab es wichtige Gründe.“

Da die Fonds letztlich nur einen Trend verstärken, können sie auch indirekt dafür sorgen, dass die Preise fallen. Denn verbilligt sich Öl, werden auch teuer gekaufte Orders unattraktiv und müssen verkauft werden. Zusätzlicher Druck entsteht, wenn sich Investoren, die kein Öl haben wollen, ebenfalls kurz vor Ablauf der Kontrakte von diesen trennen wollen. Wer den richtigen Zeitpunkt abpasst kann eine Menge Geld verdienen. Aber das Spekulieren lassen selbst Energiefachleute lieber den Spekulanten. „Wann das passiert, ist nicht absehbar“, sagt Drollas vom CGES. „Wüsste ich es, säße ich schon längst auf einer Jacht im Mittelmeer.“

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