Wirtschaft : Audi AG: Volkswagen-Tochter wächst nur im Ausland

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Die Ingolstädter Audi AG will im kommenden Jahr trotz einer hier zu Lande wohl anhaltend schwächelnden Automobil-Konjunktur einen weiteren Umsatz- und Absatzrekord einfahren. Auch hinsichtlich des in 2000 voraussichtlich stagnierenden Ergebnisses "schauen wir sehr positiv ins nächste Jahr," sagte Audi-Finanzchef Peter Abele am Dienstag vor Journalisten in München. Genaue Prognosen wagten Abele und Audi-Chef Franz-Josef Paefgen aber nicht.

"Die Luft ist raus," schätzte Paefgen für kommendes Jahr die Lage in Deutschland ein. Nach den Marktrückgängen dieses Jahr werde der heimische Kfz-Markt 2001 wohl nur stagnieren und sich nicht erholen. Audi werde sich aber wegen positiver Impulse aus dem Ausland und durch das neue Modell A4, das dieses Jahr anläuft, gegen den Trend behaupten. Im Ausland hofft der Manager vor allem auf die USA, wo die Tochter des Wolfsburger Volkswagen-Konzerns im kommenden Jahr erstmals über 100 000 Autos verkaufen könnte. Schon im Jahr 2000 werde Audi mit mehr als 80 000 US-Verkäufen dort den 15 Jahre alten Rekord übertreffen.

Die Marke von 100 000 Verkäufen in den USA ist deshalb wichtig, weil Paefgen früher stets betont hatte, dass es sich ab diesem Volumen lohne, über ein US-Werk nachzudenken, und die Ingolstädter derzeit eine neue Produktionsstätte planen. Über einen möglichen Standort wollte Paefgen allerdings nichts sagen. Man befinde sich in einem frühen Stadium und werde spätestens Ende 2001 konkrete Pläne vorlegen. Gegen einen deutschen Standort spricht, dass sich die Ingolstädter schon heute über hier zu Lande fehlendes Personal beklagen. "Wir finden vor allem im Elektro- und Metallbereich inzwischen nicht mehr genügend qualifizierte Mitarbeiter," sagte Paefgen. Vor allem deshalb stoße Audi dieses und auch nächstes Jahr an Kapazitätsgrenzen. Offiziell gilt die Suche nach einem neuen Produktionsstandort als völlig offen. Angesichts bestehender Lieferzeiten von bis zu sechs Monaten mit steigender Tendenz steht Audi dabei unter einem gewissen Druck. Engpässe gibt es auch bei Dieselmotoren.

Der Bau einer neuen Fabrik dauere etwa eineinhalb Jahre, sagte Abele. Er deutete an, dass ein Entscheid dafür binnen sechs Monaten im Zusammenhang mit dem Anlauf neuer Modelle fallen könnte. Damit stünde das neue Werk, das tausende Stellen bringen dürfte, frühestens Ende des Jahres 2002 zur Verfügung. In den vergangenen fünf Jahren hat Audi weltweit 15 000 Arbeitsplätze geschaffen, davon gut zwei Drittel in Deutschland. In den vergangenen zwölf Monaten wurden deutschlandweit fast 2400 Stellen aufgebaut. Im kommenden Jahr wird sich der Personalzuwachs laut Paefgen allerdings deutlich verlangsamen.

Im laufenden Jahr Jahr steuern die Ingolstädter Autobauer auf über 30 (Vorjahr: 29,6) Milliarden Mark Umsatz und den Absatz von weltweit erstmals mehr als 650 000 (634 000) Automobilen zu. In Deutschland wurden dagegen bis Ende September mit knapp 177 000 Einheiten gut ein Zehntel weniger Autos ausgeliefert als im Vorjahreszeitraum. Der heimische Marktanteil ist leicht von 6,8 Prozent auf 6,7 Prozent gesunken. Paefgen begründete das mit dem allgemein rückläufigen Markt und dem Wechsel beim volumenstärksten Modell A4, der im kommenden Jahr das Audi-Wachstum tragen soll. Zum Jahreswechsel soll ferner ein A2 mit einem Verbrauch von drei Litern auf 100 Kilometern vom Band rollen.

Im Ausland liefert derzeit neben den USA vor allem China hohe Zuwachsraten von fast 58 Prozent, jedoch auf noch niedrigem Niveau von gut 13 000 Verkäufen in den ersten neun Monaten des laufenden Jahr. Im Vorsteuerergebnis glaubt Abele dieses Jahr die Vorjahresmarke von 1,64 Milliarden Mark erreichen zu können.

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