Audi Berlin : VW-Konzernmutter installiert neue Chefs

Der Berlinale-Sponsor Audi will in Berlin die Verfolgung von Mercedes und BMW aufnehmen. Der Konzernmutter Volkswagen ging es nicht schnell genug. Geschäftsführer Ferdinand Schneider musste gehen.

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Digitales Autohaus. Am Kurfürstendamm eröffnete der Hersteller diese Woche seine "Audi-City".
Digitales Autohaus. Am Kurfürstendamm eröffnete der Hersteller diese Woche seine "Audi-City".Foto: promo

Überraschender Führungswechsel bei Audi in Berlin: Der bisherige Geschäftsführer des Audi-Zentrums, Ferdinand Schneider, wurde – wie erst jetzt bekannt wurde – bereits im Dezember abgelöst. Seitdem führen Henri Strübing und Frieder Lau die Geschäfte des Audi-Zentrums Berlin GmbH mit rund 650 Beschäftigten und acht Händlerbetrieben. Ein Sprecher der Porsche-Holding in Salzburg bestätigte am Mittwoch die Neubesetzung. Man habe sich „einvernehmlich getrennt“. Die Holding, eine 100-Prozent-Tochter von Volkswagen, vertritt die Marken des VW-Konzerns im Groß- und Einzelhandel – und damit auch das Audi- Zentrum in Berlin.

Die Personalie platzt in eine Vertriebs- und Marketingoffensive des Ingolstädter Herstellers in Berlin. Audi ist Hauptsponsor der Berlinale und chauffiert Stars und Regisseure durch die Bundeshauptstadt. Am Dienstag hatte das Unternehmen am Kurfürstendamm feierlich seine weltweit dritte „Audi-City“ eröffnet, ein digitales Autohaus der Zukunft.

Audi und die neue Berliner Geschäftsführung wollten sich am Mittwoch zum Führungswechsel nicht äußern. In der Branche ist zu hören, die ohnehin schwierigen Geschäfte in Berlin seien zuletzt bei Audi enttäuschend verlaufen. Von einem Millionenverlust ist die Rede. Schneider und sein Team hätten dies zuletzt „nicht mehr im Griff gehabt“. Dies habe die Audi-Konzernmutter Volkswagen und die Porsche Holding alarmiert. „Der Druck auf dem Kessel ist unheimlich hoch“, hieß es am Mittwoch. Die Premiummarken Audi, BMW und Mercedes liefern sich auch auf dem Berliner Automarkt einen Wettkampf um Neukunden. Marktführer ist Mercedes vor BMW und Audi. Berlin hat für die Hersteller spürbar an Bedeutung gewonnen. Auch Audi will hier mehr Aufmerksamkeit. Dabei haben die Firmen weniger die Neuzulassungszahlen im Blick – auf 1000 Berliner kommen weniger als 300 Pkw –, sondern die internationale Ausstrahlung der Hauptstadt, die Touristen und die Nähe zur Politik. Mercedes produziert zudem in Marienfelde Motoren, BMW baut all seine Motorräder in Spandau. Gerade errichtet das Unternehmen am Kaiserdamm eine großzügige Niederlassung.

Im Audi-Zentrum wird nun eine straffe Neuorganisation erwartet. „Das mittlere VW-Management setzt sich bei Audi durch“, kommentierte ein Beobachter. Die neuen Chefs Strübing und Lau sind zugleich Geschäftsführer der Volkswagen Retail Dienstleistungsgesellschaft (VGRD). Die Einzelhandelsgruppe des VW-Konzerns ist ein Verbund von 70 Autohäusern in Deutschland, die in zehn Regionen die Marken VW, Audi, Seat, Skoda, VW-Nutzfahrzeuge, Lamborghini und Porsche vertreiben. Zu möglichen Schieflagen in Berlin wollte sich der Sprecher der Porsche-Holding nicht äußern. „Ziel der VGRD ist es, den Verbund betriebswirtschaftlich gesund zu führen“, sagte er lediglich.



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