Wirtschaft : Audi hängt die Konkurrenz ab

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Die Ingolstädter Audi AG will in der gegenwärtigen Flaute weiter Marktanteile erobern. "Audi bleibt auf der Straße des Erfolgs", sagte der scheidende Konzernchef Franz-Josef Paefgen in Ingolstadt bei der Bilanzpressekonferenz. Eine exakte Prognose wollte er wegen der aktuellen Marktunsicherheiten nicht geben. In den ersten beiden Monaten seien die Auslieferungen aber bereits um knapp 13 Prozent weltweit auf fast 110 000 Autos gestiegen. Damit setzt sich der zum VW-Konzern zählende Premiumhersteller teils deutlich von der Konkurrenz ab. So war der Kfz-Markt in Deutschland bis Ende Februar um zwei Prozent rückläufig, während Audi die Auslieferungen um sechs Prozent steigern konnte, sagte Paefgen, der bei der Wolfsburger Konzernmutter künftig ohne Vorstandsrang für Forschung, Motorsport und die Luxusmarke Bentley zuständig ist.

In Westeuropa setzte Audi bis Ende Februar 2002 dem vierprozentigen Marktrückgang ein eigenes Auslieferungsplus von gut einem Fünftel entgegen. In den USA, wo der Automarkt nach den Terroranschlägen des vorigen Jahres im gleichen Zeitraum um fast ein Zehntel eingebrochen ist, wächst Audi bislang gegen den Trend um zwei Prozent. Bereits 2001 konnte Audi der schwachen Branchenkonjunktur mit Firmenrekorden von Ergebnis über Absatz bis zum Umsatz trotzen. Bereinigt um Sondereffekte wuchs das Vorsteuerergebnis um fast ein Viertel auf 1,3 Milliarden Euro. Der Umsatz legte um gut ein Zehntel auf 22 Milliarden Euro zu. Dadurch wurde die Umsatzrendite um gut einen Prozentpunkt auf sechs Prozent gesteigert, was Audi mit seinen knapp 51 000 Mitarbeitern zur Ertragsperle im VW-Konzern macht. Auch beim Absatz wurde mit einem Plus von elf Prozent auf 726 000 Autos ein neuer Spitzenwert erzielt.

Marktanteil auf Höchststand

Im schrumpfenden Kfz-Markt Deutschlands konnte Audi den Marktanteil von 6,9 Prozent auf den neuen Höchststand von 7,5 Prozent bringen. Dieses sechste Rekordjahr in Folge bringt für das Unternehmen zugleich mehrere Zäsuren. Zum einen kommt VW-Manager Martin Winterkorn nun an die Spitze von Audi, während Paefgen nach Wolfsburg wechselt. Zum anderen bildet Audi nach dem Willen des neuen VW-Chefs Bernd Pischetsrieder zusammen mit der spanischen VW-Tochter Seat und dem italienischen Sportwagenhersteller Lamborghini künftig eine neue Markengruppe mit sportlichem Image. Was das im Detail an Änderungen mit sich bringt, blieb am Donnerstag offen. Das gilt vor allem für ein Abfindungsangebot von VW an die rund ein Prozent freien Audi-Aktionäre, über das spekuliert wird. Bei Audi und Seat könne es zu einer gemeinsamen Produktion oder Entwicklung kommen, meinte der künftige Seat-Chef und Audi-Vorstand Andreas Schleef. Erste Konsequenz daraus ist, dass die Kapazitätsengpässe bei Audi nun nicht mehr als drängend gelten. Erst in zwei bis drei Jahren müsse über neue Kapazitäten für Audi entschieden werden, sagte Produktionsvorstand Jochem Heizmann.

Ursprüglich war eine solche Entscheidung für Ende 2001 angekündigt worden. Die Ingolstädter gehen offenbar davon aus, kurzfristig im Seat-Werk von Martorell bei Barcelona brach liegende Kapazitäten nutzen zu können. Mit den Erfolgen der letzten Jahre sei Audi endgültig in die Spitzengruppe zusammen mit Mercedes, BMW und Porsche aufgestiegen, bilanzierte Paefgen sein fünfjähriges Wirken in Ingolstadt. Verantwortlich dafür sei die innovative und ästhetische Modellpalette von Audi. Damit widerspricht der scheidende Audi-Chef der jüngsten Kritik von VW-Chef Ferdinand Piëch, der die Ingolstädter als verschlafen bezeichnet hatte. Paefgens Abgang bei Audi wird allgemein auf ein persönliches Zerwürfnis zwischen ihm und Piech zurückgeführt.

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