Wirtschaft : Audi mit Lamborghini auf der Luxusspur

INGOLSTADT (dpa).Eine Woche nach dem Zuschlag für Rolls-Royce greift Volkswagen nach dem italienischen Sportwagen Lamborghini.Mit der geplanten Übernahme des traditionsreichen Herstellers durch seine Tochter Audi will VW in den Bereich der Luxus-Sportwagen aufsteigen.Lamborghini wird in einem Atemzug mit Ferrari und Aston Martin genannt.Einzelheiten der Übernahme wird die Audi AG, Ingolstadt, in Kürze aushandeln.Ferdinand Piëch, der Vorstandsvorsitzende von VW, setzt kamit konsequent seine Strategie fort, den Massenhersteller auf dem schnellsten Weg in der höchsten Luxusklasse zu etablieren.Bislang repräsentierte allein die VW-Tochter Audi die oberste Klasse des VW-Konzerns.Künftig soll es reichlich Luxus-Marken im VW-Verbund geben.Denn neben Rolls-Royce und Bentley sowie künftig Lamborghini ist auch die Wiederbelebung der Traditionsnamen Horch (die Namensrechte liegen bei Audi) und Bugatti im Gespräch.Obwohl der weltweite Markt für Luxusautos ab 200 000 DM nur ein kleines Segment mit geschätzt zwischen 15 000 und 20 000 verkauften Autos darstellt, versuchen immer mehr Hersteller in diese Sparte vorzustoßen.So hat Daimler-Benz kürzlich den "Maybach" vorgestellt und BMW nach dem Scheitern bei Rolls-Royce angekündigt, nun selbst einen Luxussportwagen zu entwickeln.

VW greift für sein Luxus-Streben tief in die Tasche.Denn auch Lamborghini mangelt es an Kapital und Hilfe für die Entwicklung neuer Modelle.Kenner veranschlagen, daß der italienische Hersteller mehrere 100 Mill.DM benötigt.Für Rolls-Royce und den Motorenherstellers Cosworth, der von Audi übernommen werden soll, will VW mehr als 1,6 Mrd.DM ausgeben.Für anstehende neue Modelle der Rolls-Royce-Gruppe, die jährlich 2000 Autos herstellt, werden von Branchenkennern weitere Milliarden veranschlagt.Lamborghini ist nach einem harten Sanierungsprogramm nach eigenen Angaben wieder auf die Gewinnspur zurückgekehrt.Der Hersteller fertigte von seinem 500 PS-starken Luxussportwagen "Diablo", der über 350 000 DM kostet, 1997 mit 300 Mitarbeitern 213 Stück.Audi und Lamborghini kamen sich nach Angaben der VW-Tochter näher, weil der italienische Hersteller auf der Suche nach einem Acht-Zylinder-Motor für einen geplanten kleineren Sportwagen ist.Nach Brancheninformationen soll der "Baby Diablo" unter 200 000 DM kosten.Audi verhandelt zugleich im Zuge der VW-Übernahme von Rolls-Royce über den Erwerb der zum britischen Vickers-Konzern gehörenden Cosworth-Gruppe, die 350 Mill.DM kosten soll.Cosworth stellt Rennmotoren für die Formel 1 und die Indy Car-Rennen und weitere Hochleistungsmotoren her.Spekulationen, daß Audi in Verbindung mit der Motorenfabrik Cosworth in die Formel 1 einsteigen und damit auf den Spuren von Mercedes und künftig auch BMW wandeln könnte, werden dementiert.

Die Lamborghini-Übernahme sieht die VW-Tochter als Image-Gewinn.Audi hat einen schweren Weg hinter sich.Zwei Jahrzehnte hat es gedauert, bis VW-Chef Piëch, zuvor Vorstandschef von Audi, das Image seiner "Lieblingstochter" von der Allerwelts- zur High-Tech-Marke gewandelt hatte.Nach einem Einbruch während der Branchenkrise 1993 dreht Audi eine Rekordrunde nach der anderen.1997 wurden mehr als 546 000 Autos ausgeliefert.Bei einem Umsatz von mehr als 22 Mrd.DM kletterte der Gewinn vor Steuern auf den Rekordwert von über 1,1 Mrd.DM.Audi steigt ab Herbst mit einem eigenen Modell in den Sportwagenmarkt ein.Das neue Audi TT Coupe wird in der 180 PS-Version knapp über 50 000 DM angeboten, in der 225 PS-Version kostet das 243 Stundenkilometer schnelle Coupe über 60 000 DM.Die Endmontage erfolgt im ungarischen Audi-Werk.

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