Wirtschaft : Audi-Personalchef folgt auf Peter Hartz

IG Metall setzt sich mit ihrem Kandidaten gegen Christian Wulff durch/Konzern investiert elf Milliarden Euro in neue Autos

Alfons Frese

Berlin - Der bisherige Audi-Personalchef Horst Neumann wird als Nachfolger von Peter Hartz neuer Personalchef bei Volkswagen. Hartz war im Sommer im Zuge der VW-Affäre um Scheinfirmen und Lustreisen zurückgetreten. Neumann bekommt einen Fünfjahresvertrag. Mit der Bestellung des neuen Personalvorstands, der viele Jahre bei der IG Metall arbeitete, setzte sich die Gewerkschaft gemeinsam mit Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch gegen den niedersächsischen Ministerpräsidenten und VW-Aufsichtsrat Christian Wulff (CDU) durch. Albrecht Denninghoff, Autoanalyst bei der Hypo-Vereinsbank, begrüßte die Entscheidung als „interne Lösung“.

Neumann kommt von der VW-Tochter Audi und kennt deshalb den Konzern. Denninghoff wies darauf hin, dass die Audi-Beschäftigten in Deutschland rund 20 Prozent weniger verdienen als die VWler, die nach Haustarif bezahlt werden. Der Druck auf den VW-Tarif steigt allerdings ständig. So wird der neue Geländewagen Marrakesch nur in Wolfsburg produziert, weil die dafür eingesetzten Beschäftigten unterhalb des Tarifs bezahlt werden. Der VW-Aufsichtsrat erörterte am Freitag die Planung für die kommenden drei Jahre. Bis 2008 will VW 10,9 Milliarden Euro in neue Autos und Motoren investieren. Alles in allem werden die Investitionsausgaben aber eher auf niedrigem Niveau gefahren, um das angestrebte Gewinnziel von 5,1 Milliarden Euro im Jahr 2008 auch zu erreichen, teilte der Konzern mit. Das wären vier Milliarden mehr Gewinn als im vergangenen Jahr. Am Rande der Aufsichtsratssitzung kündigte VW ferner die „flächendeckende“ Einführung eines Dieselfilters an. Volkswagen war als größter Dieselhersteller in die Kritik geraten, weil beispielsweise der Bestseller Golf noch immer nicht mit einem Partikelfilter ausgerüstet ist.

Der Aufsichtsrat befasste sich ausführlich mit dem Bericht der Wirtschaftsprüfer von KPMG, die im VW-Auftrag die Affäre untersucht hatten. Im Mittelpunkt der Affäre stehen die Personalmanager Helmuth Schuster und Werner Gebauer, die mit einem Netz von Tarnfirmen versucht haben sollen, sich zu Lasten des Konzerns zu bereichern. Beide wurden entlassen, gegen beide stellte VW Strafanzeige. Betriebsratschef Klaus Volkert musste im Sommer wegen der Verwicklung in die Affäre zurücktreten. „Für 635000 Euro an eine Bekannte von Volkert lässt sich keine angemessene Gegenleistung erkennen“, heißt es in einer VW-Mitteilung.

Gebauer soll in den vergangenen fünf Jahren Eigenbelege in Höhe von 939000 Euro abgerechnet haben, darunter Reisen, Schmuck und Barbesuche. „Es gibt Belege dafür, dass er teilweise private Ausgaben auch für sich selbst und für betriebsfremde Personen aus seinem Umfeld über Volkswagen abgerechnet hat“, heißt es in der Mitteilung. Konzernchef Bernd Pischetsrieder wird mit den Worten zitiert, die Erkenntnisse durch den KPMG-Bericht seien „noch nicht zufriedenstellend, da an dem Gesamtbild noch wesentliche Puzzleteile fehlen, auf die wir intern keinen Zugriff haben“. Das betreffe vor allem das „Ausgabengebaren von Herrn Gebauer“, das aber womöglich durch Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt aufgeklärt werde.

Pischetsrieder kündigte die Einrichtung eines Ombudsystems an sowie die Verschärfung der Genehmigungs- und Kontrollmodalitäten für Reisekosten und Spesen. Volkswagen werde ferner gegenüber den Beschuldigten Schadenersatzansprüche geltend machen.

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