Wirtschaft : Audi poliert seine vier Ringe

VW-Tochter will mit neuen sportlichen Modellen den Gewinn stabilisieren. Der Wachstumsmarkt ist China

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Ingolstadt (nad). Ungeachtet der Wirtschaftsflaute will die VolkswagenTochter Audi in diesem Jahr ihren Gewinn stabilisieren und zum achten Mal in Folge einen Absatzrekord einfahren. „Wir müssten uns beim Ergebnis in der Größenordnung dieses und des letzten Jahres wieder finden. Dabei kommt es nicht auf 50 oder 100 Millionen Euro hin oder her an“, sagte Finanzvorstand Peter Abele am Dienstag bei der Bilanzpressekonferenz in Ingolstadt.

Im vergangenen Jahr hat Audi den weltweiten Umsatz um 2,6 Prozent auf 22,6 Milliarden Euro gesteigert. Der Konzernüberschuss legte um 4,7 Prozent auf 587 Millionen Euro zu. Der Fahrzeugabsatz erhöhte sich um 2,2 Prozent auf 742128 Einheiten. Von der schwachen Konjunktur blieb Audi jedoch nicht verschont: Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) sank erstmals seit Jahren – um 5,1 Prozent auf 1,25 Milliarden Euro. Der Konzern begründete den Einbruch mit der ungünstigen Wechselkursentwicklung und höheren Entwicklungsleistungen. Die Aktie von Volkswagen büßte am Dienstag 1,9 Prozent auf 36,40 Euro ein. VW hält knapp 99 Prozent der Audi-Papiere.

Konzernchef Martin Winterkorn räumte ein, dass „die Situation der Automobilwirtschaft derzeit denkbar ungünstig ist“. Für eine Erholung der Branche gebe es zurzeit so gut wie keine positiven Signale. Dennoch kündigte Winterkorn an, dass Audi den Absatz in diesem Jahr auf 750000 Fahrzeuge steigern will. Dazu sollen insbesondere die geplante Langversion des A8 und der neue A3 beitragen, der in der kommenden Woche auf dem Genfer Auto-Salon präsentiert wird. Mit seiner Studie „Pikes Peak Quattro“, einem Crossover-Modell, will Audi zudem die Resonanz beim Publikum in den USA testen. Um der Konjunkturflaute zu trotzen, setzt die Volkswagen-Tochter noch stärker auf sportliche Modelle. Der Konzern hat die Marken Audi, Seat und Lamborghini in der Audi Brand Group gebündelt, die laut Winterkorn zu einer sportlichen Markengruppe werden soll.

Eine konkrete Prognose für das Jahr 2003 wollte Winterkorn angesichts der konjunkturellen und politischen Unsicherheiten nicht abgeben. Vertriebsvorstand Georg Flandorfer gab zu, dass das neue Jahr „nicht gerade berauschend“ für Audi begonnen habe. In Deutschland habe der Konzern im Januar und Februar ein Absatzminus von neun Prozent verzeichnet, auf dem wichtigsten Auslandsmarkt Nordamerika ein Minus von sechs Prozent. „Bis Mitte des Jahres wollen wir aber wieder aufholen und das Niveau des Vorjahres erreichen“, sagte Flandorfer. Vor allem in Deutschland, wo Audi rund ein Drittel seiner Fahrzeuge verkauft, gibt es für den Konzern einiges aufzuholen: 2002 brach der Absatz um 4,4 Prozent auf 243650 Fahrzeuge ein. „Deutschland ist nach wie vor ein Problemfall“, sagte Winterkorn. Dennoch soll der Absatz 2003 weiter zulegen. Um fünf Prozent gestiegen ist im vergangenen Jahr dagegen der Absatz in den übrigen europäischen Ländern. Am meisten Fahrzeuge setzte Audi in Großbritannien, Italien und Spanien ab. In den USA erreichte Audi mit einem Plus von 2,9 Prozent den dritten Verkaufsrekord in Folge. Dazu trug unter anderem die Markteinführung des A4 Cabriolet in den USA bei.

Größter Wachstumsmarkt für Audi ist China. Dank der lokalen Fertigung des A6 und einem Joint-Venture mit der FAW-Volkswagen Automotive Company sprang die Zahl der Auslieferungen im vergangenen Jahr um mehr als 26 Prozent auf insgesamt 37034 Fahrzeuge. Mit der A4-Limousine soll bald eine weitere Produktreihe in China vom Band rollen. Mindestens 30000 Stück will Winterkorn jedes Jahr davon bauen lassen – das wären insgesamt fast drei Viertel des augenblicklichen US-Absatzes der Ingolstädter.

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