Audi : Vorsprung durch Fußball

Vorsprung durch Technik reklamiert der Ingolstädter Autobauer Audi bereits länger für sich. Mit einem Einstieg bei der FC Bayern München AG will sich die VW-Tochter nun auch im Fußball vorne positionieren.

Thomas Magenheim
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Millionentransfer. VW-Chef Martin Winterkorn (r.), zu dessen Konzern auch Audi gehört, versteht sich mit dem designierten...Foto: dpa

München - Vorsprung durch Technik reklamiert der Ingolstädter Autobauer Audi bereits länger für sich. Mit einem Einstieg bei der FC Bayern München AG will sich die VW-Tochter nun auch im Fußball vorne positionieren. Die ungewöhnliche Verbindung soll zur Hauptversammlung der Bayern am Freitag vorgestellt werden. Doch inoffiziell sind die Details bekannt. Audi kauft für 90 Millionen Euro gut neun Prozent der Bayern-Anteile und weitet den seit 2002 bestehenden Sponsoringvertrag für weitere rund 40 Millionen Euro auf die nächsten zehn Jahre aus. Die Münchner wollen mit dem Geldsegen Kredite für den Bau der Allianz-Arena zügig tilgen und in neue Kicker investieren. Auch für Audi dürfte sich das Geschäft aber lohnen.

Gut 1000 Autos verkauft Audi jährlich über die Vertriebsschiene FC Bayern. Dazu kommt das lukrative Flottengeschäft mit den Mitsponsoren Deutsche Telekom und Adidas. „Es ist eine tolle Zusammenarbeit“, schwärmt Audi-Sprecherin Iris Altig. Das Wichtigste für den Autobauer ist aber nach Ansicht von Hartmut Zastrow der Kontakt zu Entscheidungsträgern in den Logen der Allianz-Arena. „Eine bessere Gelegenheit als beim Fußball, mit den Top 200 der Geschäftswelt zusammenzukommen, gibt es nicht“, sagte der Vorstand der Kölner Sponsoringberatung Sport + Markt. Weltweit gebe es, abgesehen von der Ehe zwischen VW und dem VfL Wolfsburg, keine vergleichbare Kombination. „Audi setzt Akzente“, betonte Zastrow.

So sieht das auch Christian Riedle, Vertriebschef beim Karlsruher Sportmarketing-Spezialisten IFM, der gerade eine Studie zur Wirksamkeit von Sportsponsoring aufgelegt hat. Audi stehe dort weit oben in der Tabelle, lobt Riedle. Audi habe einen Draht sowohl zu den Fans in der Südkurve als auch zu denen vor dem TV-Gerät gefunden. Als Paradebeispiel dafür nennt der Experte den Audi-Cup in der Allianz-Arena diesen Sommer. Bayern, Manchester United, den AC Mailand und Boca Juniors habe die Luxusmarke gegeneinander antreten lassen und hohe Aufmerksamkeitswerte erzielt.

Beim Kauf der Bayern-Anteile hat aber auch noch etwas anderes mitgespielt. Denn an einer Beziehung zum reichsten Fußballclub der Republik war auch BMW interessiert. „BMW wollte sich reinzwängen“, sagt ein Insider. Schon um das zu verhindern, habe Audi jetzt zuschlagen müssen. Das Entscheidende sei der Glanz der weltweit bekannten Marke FC Bayern. „Wenn Bayern spielt, wird das im Fernsehen nach Asien und Lateinamerika übertragen“, betonte er. Bereits 2002 hatte Mitsponsor Adidas für 77 Millionen Euro zehn Prozent der Fußball AG gekauft. Thomas Magenheim

Frankfurt am Main - Nach einem bisher schwachen Jahr streicht die Postbank rund 2000 Arbeitsplätze und richtet das Geschäft neu aus. Das kündigte Vorstandschef Stefan Jütte am Mittwoch an. Der Stellenabbau soll binnen drei Jahren erfolgen und ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen. Betroffen ist jeder zehnte Mitarbeiter. Nur so sieht sich die Postbank in der Lage, das von ihr anvisierte Ziel einer Eigenkapitalrendite von 13 Prozent nach Steuern noch zu erreichen. Was auf die Beschäftigten in Berlin zukomme, sei noch unklar, sagte ein Sprecher des Instituts. In der Hauptstadt kommt die Postbank bei den Privatkunden auf Platz zwei, hinter der Deutschen Bank (samt Berliner Bank) und vor Sparkasse und Volksbank.

Die Bonner Bank, an der die Deutsche Bank mittlerweile knapp 30 Prozent hält, will ihr Angebot wieder auf einfache Produkte beschränken. Auch die Aktionäre sollen einen Beitrag leisten, um das Institut voranzubringen: Die Eigentümer müssen in den kommenden Jahren auf eine Dividende verzichten. „Wir machen die Postbank fit für die Zukunft“, erklärte Vorstandschef Jütte. „Das Programm wird nachhaltig dazu beitragen, die Ergebnissituation der Postbank wieder zu verbessern.“ Diese habe unter der Finanzkrise gelitten. Vor Steuern hatte die Bank in den ersten neun Monaten 2009 ein Minus von 219 Millionen Euro eingefahren. Nur dank steuerlicher Effekte stand unter dem Strich noch ein mageres Plus von 112 Millionen Euro. Bis Ende 2012 will das Institut seine jährlichen Kosten um 145 Millionen Euro senken. Dies soll teilweise durch den Abbau von jährlich „rund 500 bis 700 Stellen“ vollzogen werden. Das entspricht weitgehend der normalen Fluktuation. Ein Sprecher verwies auch auf Altersteilzeitmodelle sowie Abfindungsregelungen. Der Abbau solle sozialverträglich vollzogen werden. Betroffen sind vor allem Mitarbeiter in Verwaltungs- und Zentralbereichen sowie in Abwicklungseinheiten. Zuletzt beschäftigte Deutschlands größte Filialbank 21 000 Mitarbeiter. Seit 2005 hat sich die Mitarbeiterzahl kontinuierlich verringert.

Jütte sagte, dass auch die Aktionäre ihren Beitrag zum Umbau leisten müssen. Die Postbank will weniger Geld ausschütten, um das Eigenkapital zu stärken. Damit greift das Unternehmen einer erwarteten Erhöhung der gesetzlich geforderten Eigenkapitalquote vor. Die Dividende fällt nach Worten eines Sprechers für die Jahre 2009 bis 2012 komplett aus. Schon im vorigen Jahr hatten die Eigentümer keine Ausschüttung erhalten; davor kamen sie auf 1,25 Euro je Aktie.

Bei der Geschäftsausrichtung kündigte Jütte eine Rückbesinnung auf die Wurzeln an. Die Postbank habe in der Vergangenheit Erfolg mit einfachen, rentablen Sparprodukten gehabt. „Daran werden wir wieder anknüpfen.“ Künftig sollen die Kunden in den Filialen auch Produkte von Telekommunikations- oder Stromanbietern erhalten. Die Aufgaben des mobilen Vertriebs, der in den letzten Wochen ins Visier der Datenschützer geraten war, werden beschnitten. Künftig soll er sich auf Baufinanzierung, Bausparen und Altersvorsorge beschränken. HB

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