Wirtschaft : Auf Bayer folgt Schwabe

Der Bauernverband hat einen neuen Präsidenten: Joachim Rukwied / Gerd Sonnleitner geht nach 15 Jahren.

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Das muss wohl ein Traktorlenkrad sein, das Gerd Sonnleitner (links) am Mittwoch in Fürstenfeldbruck seinem Nachfolger Joachim Rukwied übergab. Foto: dapd
Das muss wohl ein Traktorlenkrad sein, das Gerd Sonnleitner (links) am Mittwoch in Fürstenfeldbruck seinem Nachfolger Joachim...Foto: dapd

Fürstenfeldbruck - Der alte Bauern- Chef zieht sich zurück, der neue übernimmt: Joachim Rukwied aus Heilbronn ist am Mittwoch auf dem Bauerntag des Deutschen Bauernverbands (DBV) mit 95,4 Prozent der 570 Delegiertenstimmen zum neuen Präsidenten der Organisation gewählt worden. Er löst den Niederbayern Gerd Sonnleitner ab, der sich nach 15 Jahren an der Spitze der Bauern-Lobby aus Altersgründen aus dem Amt verabschiedete. Sonnleitner ist 64 Jahre alt.

Im Gegensatz zu mancher Hofübergabe, bei denen oft unterschiedlichste Vorstellungen aufeinanderprallen und der alte Bauer ins Austragshäusl verfrachtet werden muss, scheint hier zwischen Jung und Alt, zwischen Rukwied und Sonnleitner, kein Blatt Papier zu passen. Sonnleitner sprach sich in seiner Abschiedsrede auf Bayerisch – ebenso wie Rukwied in seiner ersten Ansprache als deutscher Bauern-Chef im schwäbischen Tonfall – vor allem gegen die EU-Pläne zum sogenannten „Greening“ aus und für die Einheit aller Bauern unter dem Dach des DBV.

Vor allem der rumänische EU-Landwirtschaftskommissar Dacian Ciolos strebt an, dass Bauern einen Teil ihres Landes als Öko-Ausgleichsfläche ausweisen sollten – nur so würden sie die vollen Subventionen erhalten. Dies würde einer Flächenstilllegung gleichkommen. „Man darf nicht mit Stilllegungsideen aus dem letzten Jahrhundert kommen“, kritisierte Sonnleitner. Dies würde die „verbliebenen Flächen noch mehr unter Druck setzen“. Rukwied sagte: „Wir haben null Prozent zum Stilllegen.“ Stattdessen sollten Bauern Direktzahlungen erhalten und selbst entscheiden können, was sie mit der Fläche machen oder auch nicht.

In der Landwirtschaft spricht sich Rukwied für „Markt und Unternehmertum“ aus – was immer dies bedeuten mag, wird der Bereich doch von der EU jährlich mit 50 Milliarden Euro subventioniert. Dem angestrebten Ausbau der erneuerbaren Energien steht er skeptisch gegenüber. Biogasanlagen würden derzeit „überfördert“. Auch lehnt er es ab, freie Flächen mit Fotovoltaik-Anlagen vollzupflastern. Kritisch steht der Bauernverband auch dem Verbot der Käfighaltung von Hühnern gegenüber. „Das bringt nichts, wenn die Anlagen hier ab- und in Polen oder Frankreich in Grenznähe wieder aufgebaut und die Eier dann importiert werden.“

Der 50-jährige Joachim Rukwied stand bisher dem baden-württembergischen Landesbauernverband vor. Auf seinem 300-Hektar-Hof in Eberstadt bei Heilbronn betreibt er hauptsächlich Acker- und ein bisschen Weinbau. In seinem ersten Statement spricht er viel von modernen Produktionsverfahren, Technisierung und Effizienzverbesserung. Die vor dem Tagungszentrum aufgefahrenen riesig-monströsen neuen Traktorenmodelle zeigen, welche Art der Landwirtschaft hier propagiert wird.

Der Alt-Vorsitzende Gerd Sonnleitner hatte in seiner 15-jährigen Amtszeit vor allem mit den EU-Vorgaben und den ökologischen Ideen der einstigen grünen Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast zu kämpfen. Antibiotika in der Hühnerhaltung und der Schweinemast und die BSE- Krise erschütterten die konventionelle Landwirtschaft. Sonnleitner will sich nun zurückziehen auf seinen Hof nahe Passau, sich an Zuckerrüben erfreuen und dem Nachfolger nicht dreinreden. Von den Verbandsmitgliedern verabschiedete er sich. „Seid einig, seid stolz, seid weiterhin Bauern mit Herz und Verstand.“

Auch Rukwied beschwörte die Einigkeit unter dem Dach des Bauernverbands. Da allerdings bröckelt es mächtig. 300 000 Mitglieder hat der Verband noch. Viele Öko-Bauern allerdings fühlen sich nicht gut vertreten und wandern in eigene Organisationen ab. Ebenso ging es den Milchbauern, die infolge einbrechender Preise als Konkurrenz den Bundesverband Deutscher Milchviehhalter gegründet haben – mit mittlerweile 34 000 Mitgliedern. Dem DBV werfen sie Funktionärsgehabe und zu große Nähe zur Politik und vor allem zu CDU/CSU vor. Der neue Präsident ist schon sein langem als CDU-Mitglied in der Kommunalpolitik aktiv.

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