Wirtschaft : Auf Dauer ist ein schwacher Euro teuer

ROLF OBERTREIS

Fast stündlich zeigt der Euro derzeit ein neues Rekordtief. Gegenüber dem Dollar wird er immer weniger wert. Bald wird das Umrechnen von Euro in Dollar angesichts der möglichen Parität zum Kinderspiel. Vor lauter Euro-Hysterie ging am Montag eine Meldung unter, die nicht minder wichtig ist. Die Inflationsrate in Deutschland lag im Juni bei lediglich 0,4 Prozent. Die Preise sind stabil und geben keinerlei Anlaß zur Sorge. Anders gesagt: Der Euro hat Deutschland bislang ebenso viel Stabilität verschafft wie die D-Mark. Das ist ein wichtiger Erfolg, über den freilich kaum jemand spricht. Es ist nicht abzusehen, daß sich in den nächsten Monaten an der Preisstabilität etwas ändert. Selbst die unlängst stark gestiegenen Ölpreise haben der Inflation keinen Schub verleihen können. Damit ist klar: Der Außenwert des Euro ist zwar eine Größe, die nicht vernachlässigt werden sollte. Aber er muß auch in Relation zu anderen volkswirtschaftlichen Daten gesehen werden.Gleichwohl: Gut ist der Fall des Euro nicht. Er dokumentiert mangelndes Vertrauen in die Wirtschaftskraft Europas, er steht für erhebliche Zweifel an der Reformfähigkeit des alten Kontinents. Für die Regierungen der elf EWU-Staaten kann das nur heißen: Endlich Strukturreformen anpacken, endlich Haushalte sanieren. Der Weg der Italiener, die mehr Schulden machen dürfen, kann kein Beispiel sein. Eher der konsequente Weg des deutschen Finanzministers - vorausgesetzt er setzt sich am Ende auch durch. Der schwache Euro mag auf kurze Sicht den Exporteuren zugute kommen. Auf Dauer aber kann er negative Folgen haben. Weil immer mehr Kapital abfließt, müssen die Zinsen in Europa steigen. Dann hätten die Europäer ein noch größeres Vertrauensproblem. Die absolut falsche Adresse für Kritik ist die Europäische Zentralbank. Sie muß Ruhe bewahren und die Regierungen in Euroland immer wieder ans Sparen erinnern.

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