Wirtschaft : Auf dem Trockenen

Die hohen Spritpreise machen nicht nur den Autofahrern zu schaffen. Auch Tankstellenbetreiber und Fahrschulen leiden

Jens Tönnesmann,Franziska Diana Widmann

Berlin/Düsseldorf - Fast täglich muss sich Wolfgang Rohrbeck das Geschimpfe der Autofahrer anhören. „Dabei habe ich ja nichts von den hohen Benzinpreisen“, sagt er. Zu D-Mark-Zeiten habe er ungefähr zehn Pfennig pro Liter verdient, heute seien es nur noch 2 bis 3 Cent – also etwa die Hälfte. Der 59-Jährige betreibt den Tank-Treff Rohrbeck, eine der letzten freien Tankstellen Berlins im Stadtteil Steglitz. Seit 1927 ist die Tankstelle in Familienbesitz. Doch von ihr allein kann Wolfgang Rohrbeck nicht mehr leben. Deshalb betreibt er zusätzlich einen Reifen-Handel und vermietet Stellplätze. 200 Kunden kommen im Schnitt täglich zu ihm.

Durch den dramatischen Anstieg des Ölpreises sind die Spritkosten in Deutschland explodiert. In der vergangenen Woche mussten Autofahrer teilweise 1,56 Euro je Liter Benzin zahlen. Darunter leiden auch die Tankstellen. „Einige haben erhebliche Probleme“, sagt Sigrid Pook, Geschäftsführerin des Bundesverbands Tankstellen und Gewerbliche Autowäsche Deutschland (BTG). Eine Pleitewelle unter den Betreibern sei zwar nicht zu befürchten. „Aber die hohen Benzinpreise schmälern die Gewinne, das kann man nicht wegdiskutieren“, sagt Pook.

Auch der Bundesverband freier Tankstellen (BFT) berichtet von Absatzrückgängen bei seinen Mitgliedsunternehmen. Die höheren Preise bewirkten keinesfalls höhere Erträge, sagt BFT-Hauptgeschäftsführer Axel Graf Bülow, „im Gegenteil: Die Marge schrumpft“.

Die Stimmung unter den Betreibern ist entsprechend schlecht – zumal immer mehr Kunden ihrem Ärger Luft machen. „Die Pächter wissen nicht mehr, was sie den Kunden noch sagen sollen“, klagt BTG-Geschäftsführerin Pook, „weil die hohen Preise auch nicht mehr vermittelbar sind.“

Einige Kunden wollen gleich gar nichts mehr zahlen und klauen den Sprit. „Das nimmt dramatische Ausmaße an“, sagt Elmar Kühn, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands mittelständischer Mineralölunternehmen (Uniti). Die Verbände fürchten, dass die hohen Preise auch langfristig die Nachfrage nach Benzin und Diesel drücken. Wer einmal auf öffentliche Verkehrsmittel umgestiegen sei, könnte auch in Zukunft dabei bleiben.

Selbst auf das Geschäft in den Tankstellenshops können sich die Betreiber nicht mehr uneingeschränkt verlassen. Auch dort gehen die Umsätze zurück. „Wir sehen, dass die Kunden angesichts der hohen Spritpreise auch bei ihren Einkäufen in den Shops sparen“, sagt Uniti-Hauptgeschäftsführer Kühn.

Dabei sind die Betreiber auf die Shops angewiesen. Der Kraftstoffverkauf sorgt zwar nach wie vor für den größten Teil der Umsätze an den Tankstellen. Doch für die Gewinne sind vor allem die Shops verantwortlich, in denen es heute von Zeitungen bis zu Zigaretten fast alles zu kaufen gibt. So zeigen etwa Zahlen des BTG, dass 1997 noch 26 Prozent der Bruttorendite durch die Provisionen aus dem Spritverkauf erzielt wurden und 40 Prozent über die Verkäufe in den Tankstellenshops. 2007 lag der Anteil der Shops schon bei 57 Prozent.

Auch die Fahrschulen leiden unter den Spritpreisen. „Wir Fahrlehrer liegen am Boden“, sagt Peter Glowalla, Vorsitzender des Fahrlehrer-Verbands Berlin, „auch meine Fahrschule blutet an allen Ecken und Enden.“ Bisher haben die hohe Jugendarbeitslosigkeit, die unsicheren Wirtschaftsaussichten und der demografische Wandel den Fahrschulen das Leben schwer gemacht. Jetzt kommen auch noch die hohen Spritpreise hinzu – und zwar gleich doppelt: Zum einen seien sie ein „elementarer Teil“ der Kosten einer Fahrstunde, den man kaum an die Fahrschüler weitergeben könne, sagt Glowalla. Außerdem schreckten die hohen Preise potenzielle Fahrschüler davon ab, überhaupt einen Führerschein zu machen. Das Ergebnis: Die Kurse sind leer, die Fahrlehrer sitzen auf dem Trockenen. „Viele Fahrlehrer werden nach Stunden bezahlt. Und im Moment hocken viele wie beschäftigte Arbeitslose in den Fahrschulen rum, ohne Stunden zu geben.“

Immer mehr Fahrschulen geben deshalb auf. Allein von 2006 auf 2007 ist die Zahl der Fahrschulen in Berlin von 601 auf 581 gesunken, in diesem Jahr dürfte der Rückgang noch deutlicher ausfallen, prognostiziert Glowalla.

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