Wirtschaft : Auf dem Weg in die Stagnation

Experten erwarten 2012 Wachstum von 0,7 Prozent

Kisten für die Welt. Noch sind deutsche Waren weltweit gefragt. Eine Pleite Athens würde dem Export aber schwer schaden – vor allem wegen des steigenden Euro-Kurses. Foto: dapd Foto: dapd
Kisten für die Welt. Noch sind deutsche Waren weltweit gefragt. Eine Pleite Athens würde dem Export aber schwer schaden – vor...Foto: dapd

Frankfurt am Main/Berlin - Deutschland bleibt nach Ansicht des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) eine Rezession erspart. Die Volkswirte des gewerkschaftsnahen Instituts sind dennoch der Ansicht, dass die deutsche Wirtschaft in einen Abwärtssog geraten ist. Für 2012 rechnen die Wissenschaftler nur noch mit einem Wachstum von 0,7 Prozent. Im Juni hatte das IMK noch ein Plus von 2,3 Prozent prognostiziert. „Im kommenden Jahr werden wir eine wirtschaftliche Stagnation erleben. Die Konjunktur fällt abrupt vom Galopp in den Krebsgang“, sagte IMK-Direktor Gustav A. Horn.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte am Mittwoch sogar vor einem möglichen weltweiten Abschwung im kommenden Jahr. Eine Rezession sei „nicht auszuschließen“, sagte der Leiter der IWF-Europaabteilung, Antonio Borges. Zwar rechne der IWF für 2012 weiter mit einem leichten Wachstum, die wirtschaftliche Aktivität könne sich aber auch zurückentwickeln.

Sollte sich die Schuldenkrise weiter verschärfen und zu einer Auflösung des Währungsverbundes führen, hätte das nach Ansicht der Allianz für Deutschland gravierende Folgen. Wegen eines Exporteinbruchs sei mit Wachstumseinbußen von mehr als drei Prozent pro Jahr zu rechnen, außerdem würde mindestens eine Million Arbeitsplätze wegfallen, warnen die Volkswirte des Versicherungskonzerns. „Die ökonomischen Kosten eines Auseinanderbrechens der Eurozone wären für Deutschland immens“, sagte Chefvolkswirt Michael Heise. Allerdings ist die Allianz in Sachen Griechenland keine neutrale Instanz – bei einer Pleite des Landes geriete sie, wie die ganze Finanzbranche, stark unter Druck, mehrere europäische Institute müssten mit frischem Geld ausgestattet und verstaatlicht werden.

Die Allianz zeichnet daher für eine Pleite mit Schuldenschnitt ein düsteres Szenario. Bei einem Ende des Euro würden Firmen Fabriken ins Ausland verlagern. Für etliche dann ehemalige Euro-Staaten würde das die Pleite bedeuten – mit massiven Folgen auch für deutsche Banken. Auch die internationalen Handelsströme würden unterbrochen. Dies führe zu einem Vertrauensschock. Insgesamt könnten die Folgen gravierender sein als nach der Lehman-Pleite 2008. Der Euro für den Währungsraum, in dem dann nur noch die nördlichen Mitglieder vertreten wären, würde gegenüber dem Dollar um zehn bis 15 Prozent und gegenüber den Währungen der Ex-Euro-Länder um 30 bis 40 Prozent aufwerten. Damit würde sich die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Firmen massiv verschlechtern. „Die beste Option bleibt, Griechenland weiter zu unterstützen, aber dabei auch sicherzustellen, dass die verordneten Reformen durchgeführt werden“, sagt Heise. ro/dpa/AFP

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