Wirtschaft : Auf dem Weg zum Euro-Panzern

Krauss-Maffei will mit Briten und Franzosen kooperieren / Akquisitionen im Zivilbereich geplant

München (tmh).Die in den Mannesmann-Konzern eingegliederte Krauss-Maffei AG, München, steht vor einer Umbau- und Wachstumsphase.Deren Eckpfeiler sind eine "aktive Beteiligungspolitik" im Zivilgeschäft sowie Zusammenschlüsse in der Wehrsparte zunächst auf nationaler Ebene, erklärten der neue Firmenchef Cletus von Pichler und sein Vorstandskollege Gerhard Haas anläßlich der Bilanzvorlage am Dienstag in München."Zu gegebener Zeit" werde Mannesmann über eine neuerliche Kapitalerhöhung bei Krauss-Maffei das zivile Wachstum finanzieren.In der Wehrsparte sind bereits konkrete Vorhaben auf den Weg gebracht.So hat Krauss-Maffei mit Rheinmetall und Wegmann sowie der britischen GKN-Gruppe eine Allianz zum Bau eines mittelschweren gepanzerten Fahrzeugs geschlossen, der ersten dieser Art in Europa.Zu diesem Quartett könne noch Frankreichs Giat-Gruppe stoßen.Kontrahent um den allein für die Bundeswehr bis zu 3000 Fahrzeuge im Wert von sechs Mrd.DM umfassenden Auftrag sei ein weiteres trinationales Konsortium mit Henschel, der britischen Vickers und der französischen Panhard.Das eigene Konsortium führt Krauss-Maffei mit 44 Prozent Anteil an. Daneben wollen die Münchner demnächst wiederum mit Rheinmetall, Wegmann und British Aerospace ein paritätisches Unternehmen für Feuerleitsysteme, Informations- und Kommunikationssysteme in Panzerfahrzeugen gründen, das über ein gemeinsames Geschäftsvolumen von 120 Mill.DM verfügen soll.Ferner seien Zusammenschlüsse über Programme hinaus "nicht ausgeschlossen," sagte Haas zur diskutierten Verschmelzung der deutschen Rüstungsindustrie.Für Krauss-Maffei schloß er dabei die Rolle eines Juniorpartners aus.Niemand dürfe auf Führungsansprüche beharren, sagte Haas offenbar an die Adresse von Rheinmetall gerichtet. Im zivilen Bereich werde es trotz aller Umbaupläne bei den bislang sechs Sparten bleiben, sagte von Pichler.Allerdings zeichnet sich ein Verschmelzen der Krauss-Maffei-Hauptsparte Kunststofftechnik mit dem entsprechenden Feld der Mannesmann Demag ab, was der neue Vorstandschef aber nicht bestätigen wollte.Auch zu möglichen Akquisitionen hielt er sich bedeckt.Im Zentrum dürfte dabei die global noch zu kleine Sparte Verfahrenstechnik stehen.Regional denkt von Pichler an Engagements vor allem in Asien.1997 erwartet der Vorstand wiederum ein "wesentlich besseres" Ergebnis als im Vorjahr.Nach einem Umsatzanstieg im Konzern 1996 um 19 Prozent auf 2,18 Mrd.DM, wovon 78 Prozent auf das Zivilgeschäft mit dem Schwerpunkt Kunststofftechnik entfällt, wird für 1997 ein Umsatz von 2,5 Mrd.DM erwartet.Der Auftragseingang, der 1996 mit 2,52 Mrd.DM um 13 Prozent unter dem Rekordvorjahr lag, werde sich voraussichtlich auf 2,2 Mrd.DM weiter abschwächen. Nach einem Anstieg beim Vorsteuergewinn im Konzern 1996 von 7,2 auf 18,14 Mill.DM und beim Jahresüberschuß von 4,03 auf 13,54 Mill.DM stellte von Pichler für 1997 weiter steigende Gewinne in Aussicht.Nur der Bereich Verfahrenstechnik habe 1996 mit Verlust abgeschlossen.Zur Wachstumsfinanzierung wurde das Krauss-Maffei-Kapital in diesem Jahr um 50 Mill.DM erhöht, wobei zuerst 43,7 Mill.DM aus den Rücklagen entnommen wurden.

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