Wirtschaft : Auf dem Weg zum IT-Standort - Die Region braucht 5000 Spezialisten

Tobias Symanski

Stuttgart und die umliegenden Städte gelten schon lange als eine der wichtigsten Wirtschaftsregionen in Deutschland. Die Automobilproduzenten DaimlerChrysler oder Porsche, deren Zulieferindustrien und der Maschinen- und Anlagenbau haben der Landeshauptstadt und den angrenzenden Tälern die Plakette "Technikmetropole" angeheftet. Selbst ein Unternehmen wie Hewlett Packard im benachbarten Böblingen versteht sich bis heute als Ingenieursunternehmen. Doch die Region ist im Umbruch.

Viele junge Unternehmen expandieren in den "neuen Dienstleistungen". 1200 Unternehmen im Bereich Software und Dienstleistungen in den Informations- und Kommunikationstechnologien (IT) und 600 Unternehmen im Feld Multimedia und Internet gibt es nach Angaben der Industrie- und Handelskammer (IHK) Stuttgart bereits heute in der Region. Die Hälfte davon wurden erst in den letzten fünf Jahren gegründet und haben im Durchschnitt mindestens fünf Arbeitsplätze geschaffen. Weitere Arbeitsverträge könnten geschlossen werden, doch angesichts fehlender IT-Nachwuchskräfte zeigt sich die IHK Stuttgart besorgt. Nach Schätzungen der Kammer fehlen in Stuttgart und Umland rund 5000 Spezialisten. Da sich die Region im wirtschaftlichen Umbau befinde, sei der IT-Kräfte-Mangel besonders problematisch. "Im Bereich Multimedia sind Berlin, Hamburg oder München als Agenturstandorte wesentlich etablierter", heißt es bei der IHK. Deshalb befürchtet die Kammer eine Abwanderung. Hinzu komme, dass in den etablierten Industrieunternehmen des Maschinenbaus immer mehr Informations- und Kommunikationstechniken zum Einsatz kämen, was die Nachwuchssuche für junge Unternehmen nicht gerade erleichtere.

Auch die deutsche Niederlassung von IBM in Stuttgart bekommt den Konkurrenzkampf bei der Anwerbung neuer Spezialisten zu spüren. Im letzten Jahr konnte IBM deutschlandweit 3000 Spezialisten für sich gewinnen, in diesem Jahr sollen es ebenso viele sein. Zwar lag die Zahl der Bewerber im Jahr 1999 bei weit über 30 000 - darunter auch ausgebildete Pfarrer und Gynäkologen -, doch das Angebot an hochqualifizierten IT-Fachkräften liegt deutlich niedriger. Um die Besten zu gewinnen, reiche es nicht, auf die Bewerbungsunterlagen zu warten, heißt es bei IBM. Deswegen seien Jobbörsen, Hochschulforen, Karrieretreffs, das Einschalten von Personalberatern und der eigene Internetauftritt entscheidend dafür, weiterhin genügend Nachwuchs zu bekommen.

Auch die Umsetzung der Initiative D21 - ein Zusammenschluss führender Unternehmen, mit dem Ziel, Deutschlands Entwicklung in eine Informations- und Wissensgesellschaft zu beschleunigen - wurde maßgeblich von IBM vorangebracht. Obwohl die Gefahr besteht, daß große Unternehmen mit attraktiven Gehältern die Ausgebildeten abwerben, ist sich die IHK sicher, dass vor allem das Innovationspotenzial und die Kreativität der entscheidende Wettbewerbsvorteil des Mittelstandes in der Region sind.Mehr dazu unter: www.ihk-stuttgart.de www.de.ibm.com/employment/index.html www.initiatived21.de

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