Wirtschaft : Auf der heutigen Aktionärsversammlung soll Shell zum Bau einer Solarfabrik gedrängt werden

Lars von Törne

Wenn sich an diesem Dienstag die Aktionäre der holländischen Shell-Muttergesellschaft Royal Dutch in Den Haag zu ihrer Jahresversammlung treffen, werden unter ihnen auch Vertreter eines Großaktionärs sitzen, der bislang vor allem durch spektakuläre Protestaktionen gegen Shell aufgefallen ist. Im April diesen Jahres ist die Umweltschutzorganisation Greenpeace bei dem Öl-Multi als Teilhaber eingestiegen und hat Shell-Aktien für umgerechnet 450 000 Mark gekauft. Statt der Parole "Stoppt Shell!", mit der Greenpeace bisher gegen Raubbau bei der Ölförderung oder die Versenkung der "Brent Spar" protestierte, könnte die Losung jetzt lauten: "Verändert Shell".

Greenpeace will das Unternehmen dazu drängen, mehr Geld in die Entwicklung umweltfreundlicher Energieerzeugung zu stecken. Unter anderem soll Shell für rund 900 Millionen Mark eine Fabrik für Solarstromanlagen bauen, wie der Greenpeace-Mitarbeiter Jan Rispens erklärt. Die Fabrik soll nach den Vorstellungen von Greenpeace eine jährliche Produktionskapazität von 500 Megawatt haben. Das wäre das Zwanzigfache der vor vier Monaten eingeweihten Shell-Solarfabrik in Gelsenkirchen. Um die Aktionäre des Unternehmens dafür zu gewinnen, machte sich der einstige Erzfeind zum Shell-Teilhaber. Durch die Größe des Aktienanteils war das Unternehmen gezwungen, die anderen Teilhaber vor der Versammlung über das Vorhaben der Umweltschützer zu informieren, freut sich Rispens. Einige von ihnen hätten sich wohlgesonnen gezeigt und sogar ihren Sitz in der Versammlung an Greenpeace abgetreten.

Bei der niederländischen Shell gibt man sich gelassen. "Wenn Greenpeace sich an die Regeln hält, können sie ihr Anliegen vortragen", sagt Konzernsprecher Henk Bonder. Grundsätzlich sei die Forderung der Umweltschützer durchaus zu unterstützen. "In der Sache stimmen wir überein - nur nicht beim Tempo und bei der konkreten Umsetzung", sagt Bonder. So wolle Shell mit der Massenproduktion von Solaranlagen warten, bis es eine entsprechende Nachfrage gebe. Greenpeace wiederum ist der Meinung, dass Solarstrom erst durch eine Massenproduktion wirtschaftlich attraktiv wird. Rispens zufolge hat eine Studie der Unternehmensberatung KPMG gezeigt, dass der Verkauf der Kollektoren pro Jahr eine Rendite von 15 Prozent auf die Investitionssumme erbringen könnte. Nach der Aktionärsversammlung will Greenpeace seine Aktien wieder abstoßen, kündigt Rispens an. Die Kampagne soll mit anderen Mitteln weitergehen. Rispens: "Um ein Unternehmen wie Shell zu verändern, muss man sich immer neue Methoden einfallen lassen."Greenpeace-Stellungnahme im Internet

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