Wirtschaft : Auf der Startbahn

Airbus will die Krise hinter sich lassen und hofft auf neue A 380-Bestellungen in 2007 / Konzernchef warnt vor Streit wegen Sanierung

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Toulouse/Berlin - Fast entgeht den Passagieren, wie Kapitän Peter Chandler und sein Kollege Wolfgang Absmeier die Schubhebel des Airbus A 380 auf Vollgas schieben. Keine 20 Sekunden später löst sich der Superjumbo vom Boden, sanft und leise entgleitet er gen Himmel – mit kraftvollen 240 Stundenkilometern. Die Triebwerke sind kaum zu hören, kein Vergleich zu dem Dröhnen älterer Jets.

Ein bisschen fühlten sich die 200 Teilnehmer wie Pioniere, als der neue Megajumbo am Mittwoch in Toulouse zum ersten Mal mit Journalisten an Bord startete. Der Testflug bot einen Vorgeschmack auf den neuen Flugkomfort, den zahlende Reisende ab Oktober genießen können – wenn Singapore Airlines als erste Luftverkehrsgesellschaft der Welt den Superjet in den Liniendienst nimmt.

Die Präsentation sollte aber vor allem zeigen: Beim A 380 ist wieder alles auf bestem Weg. So verkündete Airbus-Verkaufschef John Leahy stolz, der Flugzeugbauer rechne noch in diesem Jahr mit 20 Aufträgen für den Megajumbo durch zwei Airlines. Bisher haben 15 Kunden 166 Maschinen des kriselnden Großraumjets bei der EADS- Tochter bestellt. Verdienen wird Airbus an dem weltgrößten Passagierflugzeug allerdings erst, wenn mindestens 420 Stück verkauft sind.

Von einer Krise war beim Probefliegen jedoch keine Rede. Nachdem im Oktober wegen Fertigungsproblemen die Notbremse gezogen und die bereits verzögerte Auslieferung noch einmal verschoben werden musste, wurde jetzt Optimismus demonstriert. Der erste A 380 gehe im Oktober an Singapore Airlines, 2008 würden dann 13, im Folgejahr 25 Maschinen ausgeliefert.„Wir sind zurück im Fahrplan, jetzt müssen wir diese Flugzeuge aus dem Werk bekommen“, sagte Leahy.

Die Korrekturmaßnahmen greifen, ergänzte Programmchef Mario Heinen. Bis 2025 sieht man bei Airbus einen weltweiten Bedarf für 1665 Jets der größten Klasse. Ein Markt, den man sich allerdings mit der 747-8 des amerikanischen Konkurrenten Boeing teilen muss.

Für den deutschen Airbus-Standort erfreulich war indes die Nachricht, dass der A 380 auch weiterhin in Hamburg bleiben soll – und nicht wie befürchtet komplett nach Toulouse verlagert wird. Der Flugzeughersteller wolle keine größeren Produktionsteile für den Superairbus aus seinem Werk in der Hansestadt abziehen, sagte Heinen. Dort wird die Innenausstattung des doppelbödigen Flugzeugs angebracht. Ferner solle in Hamburg die Frachtversion entstehen. Damit begegnete der Manager Ängsten der deutschen Airbus-Belegschaft. Diese hatte befürchtet, dass im Zuge des Restrukturierungsplans „Power 8“ langfristig die Produktion neu organisiert wird – und das zu Lasten der deutschen Standorte.

Vom Tisch sind damit aber keinesfalls Pläne des Konzerns, seine Werksstruktur grundsätzlich zu überdenken. Airbus- Chef Louis Gallois sagte gegenüber der Zeitung „Die Welt“: „Wir können es uns auf Dauer nicht mehr leisten, überall aus eigener Kraft so viel zu investieren, wie notwendig ist, um jeden Standort zu sichern.“ Daher müsse darüber diskutiert werden, ob es für manche Standorte nicht sinnvoller sei, sie mit Partnern zu betreiben. „Wir müssen uns mehr auf unser Kerngeschäft konzentrieren.“ Auch in der Verwaltung und den Zentralen müsse Airbus schlanker und effizienter werden.

Gallois kritisierte gleichzeitig die Diskussion über die unterschiedliche Produktivität der Standorte in Deutschland und Frankreich. Diese Propaganda sei Gift für Airbus. Deutsche und französische Standorte unterschieden sich in ihrer Wettbewerbsfähigkeit in keiner Weise. Die Airbus-Führung will am 20. Februar Details ihres milliardenschweren Sparplans „Power 8“ bekannt geben. Du-/jul/HB

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