Wirtschaft : Auf der Strecke geblieben

Hartmut Mehdorn, die Bahn und die Börse – ein neues Buch zeigt die beinharte Taktik des Konzernchefs

Berlin - Acht Jahre, zwei Monate und 27 Tage ist Hartmut Mehdorn nun der Chef der Deutschen Bahn. In dieser Zeit hat er in den Augen der meisten Bürger vor allem eines geschafft: zum mit Abstand unbeliebtesten Manager im Land zu werden, einem, der vor allem für alles Schlechte im System Bahn verantwortlich ist – für die Verspätungen eines Regionalzugs in Niederbayern genauso wie für steigende Ticketpreise oder defekte Fahrscheinautomaten. Und vor allem für den Plan, die von vielen so geliebte Bahn demnächst dem rauen Wind des Kapitalmarkts auszusetzen.

Doch was Hartmut Mehdorn im 25. Stock des Berliner Bahn-Towers wirklich anstellt, wie er seine Ziele erreichen will und welche oft umstrittenen Mittel er dafür einsetzt, das bleibt oft im Dunkeln. „Mehdorn, die Bahn und die Börse. Wie der Bürger auf der Strecke bleibt“, das neue Buch des Reuters-Journalisten Markus Wacket, sorgt hier für erhellende Momente. Mit seinem Werk, das er am Dienstag in Berlin vorstellte, leistet Wacket vor allem eines: Er zeichnet detailliert Mehdorns Strategie nach, sich mit dem Börsenplan von der Abhängigkeit der Politik zu lösen – mit allen Problemen, die dieser Schritt für die Fahrgäste, die Staatskasse und die Verkehrspolitik bedeuten kann.

Unterhaltsam ist das Buch vor allem dort, wo Wacket hinter die Kulissen blickt – und von Mehdorns Kampf gegen unliebsame Minister, renitente Verbände oder „sogenannte Verkehrsexperten“ im Bundestag erzählt. Die internationale Expansion des Konzerns ist ebenso ein Thema wie die missglückte Preisreform 2002, Streckenstilllegungen, Stellenabbau oder die immer neuen Anläufe zu einer Privatisierung – und natürlich Mehdorns Beharrungsvermögen, trotz aller Kritik auf seinem Posten zu bleiben.

Ob es dabei bleibt, entscheiden die kommenden Wochen – wenn SPD und Union über die Zukunft des Börsengangs sprechen. Hans-Peter Friedrich, Vizechef der Unionsfraktion, der Wackets Buch vorstellte, warnte den Koalitionspartner vor weiteren Verzögerungen. „Sollte die SPD an sich selbst scheitern, so hätten wir kein Problem, das im Wahlkampf zu thematisieren“, sagte er. brö

Markus Wacket: Mehdorn, die Bahn und die Börse. Wie der Bürger auf der Strecke bleibt. München: Redline-Wirtschaft- Verlag 2008, 240 Seiten, 19,90 Euro.

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