Wirtschaft : Auf die Kostenbremse

Wer seine Autoversicherung wechselt, kann bis zu 50 Prozent sparen. Aber die Zeit drängt: Am 30. November endet die Kündigungsfrist

Heike Jahberg

Lästig, aber sinnvoll: Autofahrer sollten sich in diesen Tagen ein wenig Zeit nehmen und rechnen. Der Grund: In der Autoversicherung steht der alljährliche Wechseltermin an. Noch bis zum 30. November können Sie Ihre Kfz-Haftpflicht, Vollkasko- oder Teilkaskoversicherung kündigen (per Einschreiben mit Rückschein) und zu einem günstigeren Anbieter wechseln. Sonst verlängert sich der Vertrag um ein weiteres Jahr. Nur falls der Versicherer während der Laufzeit die Prämien erhöht, die Versicherung durch eine Änderung in den Typ- und Regionalklassen (siehe nebenstehenden Kasten) teurer wird oder ein Schaden eingetreten ist, könnten Sie dann noch Ihren Vertrag außerordentlich kündigen – Kündigungsfrist: ein Monat.

Rechnen lohnt sich, sagen Verbraucherschützer. „Die Beitragsunterschiede sind riesig", haben die Tester in ihrem aktuellen Versicherungsvergleich herausgefunden (Finanztest 11/2003). Besonders krass sind die Prämienspannen bei Fahranfängern: Hier liegen mehr als 2300 Euro zwischen der billigsten und der teuersten Haftpflichtversicherung (siehe Grafik). Aber auch für Vielfahrer, Familien und Frauen gilt: Wer wechselt, kann zwischen 40 und 55 Prozent Prämien sparen. Die günstigsten Anbieter von Haftpflichtversicherungen, die allen Verbrauchern offen stehen und nicht auf bestimmte Berufsgruppen beschränkt sind, sind nach Informationen der Stiftung Warentest die Unternehmen Axa die Alternative, Huk 24, Huk-Coburg Allgemeine, Deutsche Internet und die WGV Schwäbische Allgemeine. Auch wer neben der Haftpflichtversicherung noch eine Vollkaskoversicherung abschließen will, ist bei diesen Versicherungsgesellschaften besonders gut bedient.

Welche Rabatte gibt es?

Von den Versicherungsgesellschaften umworben werden besonders die so genannten „guten Risiken". Das sind Autofahrer, bei denen die Wahrscheinlichkeit, dass sie einen Unfall verursachen, statistisch gesehen eher gering ist. Weil Frauen deutlich weniger Unfälle bauen als Männer, werden weibliche Autobesitzer daher von vielen Versicherungen bevorzugt. Frauenrabatte sind allerdings häufig an weitere Merkmale geknüpft. So werden sie oft nur bis zu einem bestimmten Alter gewährt oder gelten ausschließlich für Selbstnutzerinnen, die niemals einen anderen Fahrer ans Steuer lassen. Die Versicherungsgesellschaften haben freie Hand bei der Entscheidung, welche Rabatte sie ihren Versicherten einräumen wollen. Ermäßigungen gibt es häufig für

Besitzer von Neuwagen,

Wenigfahrer (nicht mehr als 6000 oder 9000 Kilometer im Jahr)

Eingeschränkten Fahrerkreis (nur der Autohalter und sein Partner fahren mit dem Auto),

Kinder in der Familie (Eltern fahren vorsichtiger),

Nutzer von Garagen,

Wohnungseigentümer,

Bestimmte Berufsgruppen (öffentlicher Dienst, Ingenieure, Steuerberater, aber auch Kesselflicker und Polsterer).

Auch treue Kunden, die bei der Versicherung bereits andere Verträge abgeschlossen haben, werden oft mit Preisnachlässen belohnt. Zudem kann sich auch der Besitz einer Bahncard auszahlen, genauso wie die Teilnahme am ADAC-Sicherheitstraining. Wer dagegen häufig ins Ausland reist, ein älteres Modell fährt oder jung ist, muss mit Zuschlägen rechnen. Der Direktversicherer DirectLine belohnt Schnellentschlossene: Wer bis zum 31. Oktober zu DirectLine wechselt und dort eine Haftpflicht- oder Kaskoversicherung abschließt, bekommt einen Frühwechsler-Rabatt von fünf Prozent.

Wichtig für die Prämienhöhe sind neben den speziellen Rabatten aber auch Merkmale, die der Kunde nicht beeinflussen kann: die Typ- und die Regionalklasse. Diese gibt es sowohl in der Haftpflicht- als auch in der Teilkaskoversicherung. Die Regionalklasse gibt Aufschluss darüber, wie hoch die Aufwendungen der Versicherer in den einzelnen Regionen sind. In der Teilkaskoversicherung liegt Würzburg mit den geringsten Schäden vorn, in der Vollkasko der Kreis Westermarsch, in der Haftpflichtsparte haben die Versicherer im Kreis Elbe-Elster am wenigsten für die Regulierung von Unfallschäden ausgeben müssen.

Welche Rolle spielt das Modell?

Neben der Frage, wo das Auto zugelassen ist, spielt auch der Fahrzeugtyp eine entscheidende Rolle bei der Prämienberechnung (siehe nebenstehenden Kasten). Die Typklassen werden jährlich aktualisiert. Während sich in der Haftpflichtversicherung nicht viel getan hat, gibt es in der Kaskosparte für Neuabschlüsse eine neue Typklassenstruktur. Auch Altkunden könnten von der Umstellung profitieren: Lassen Sie sich von Ihrem Versicherer ausrechnen, ob für Sie die neuen Typklassen vorteilhafter wären. Wenn ja, können Sie Ihren Vertrag umschreiben lassen. Allerdings sollten Sie darauf achten, dass die Versicherungsgesellschaft nicht gleichzeitig versucht, Ihnen neue Versicherungsbedingungen unterzujubeln.

Wie wirkt der Schadenfreiheitsrabatt?

Letzter Faktor, der die Höhe Ihrer Versicherungsprämie in der Haftpflicht- wie in der Kaskoversicherung beeinflusst, ist der persönliche Schadenfreiheitsrabatt. Er honoriert, wenn Fahrer unfallfrei gefahren sind. Dabei gilt: Je höher die Schadenfreiheitsklasse, desto weniger zahlen Sie für die Versicherung. Autofahrer, die jetzt eine Vollkaskoversicherung neu abschließen, müssen länger warten, bis sie die höchste Rabattstufe erreichen. Wie in der Haftpflicht werden jetzt auch in der Vollkasko 25 statt bisher 18 Schadenfreiheitsklassen eingeführt. Das ist nicht der einzige Wermutstropfen: Neu eingerichtet haben die Versicherer auch die teure Schadensklasse M für Versicherte, die einen Unfall mit ihrem Zweitauto bauen. Statt bisher 115 Prozent zahlen diese Kunden künftig einen Beitragssatz von 160 Prozent des Grundbetrags.

Was sollten Anfänger beachten?

Günstiger fahren dagegen Anfänger mit der Kasko-Reform: In der Vollkasko kommen Führerscheinneulinge mit 125 Prozent des Grundbetrags davon (bisher: 190 Prozent). Allerdings zahlen sie in der Haftpflichtversicherung weiterhin einen Beitragssatz von 230 Prozent. Wer Geld sparen will, sollte daher zu folgenden Tricks greifen:

Melden Sie Ihr Auto bei Ihren Eltern als Zweitwagen an,

Oder nutzen Sie die Möglichkeit, Ihr Auto zwar unter Ihrem Namen, aber bei derselben Gesellschaft wie Ihre Eltern zu versichern. Einige Versicherer bieten günstigere Einstiegstarife.

Wer hilft mir weiter?

Wollen Sie sich genauer informieren? Im aktuellen Heft von Finanztest finden Sie eine ausführliche Übersicht über die Angebote der Versicherungsgesellschaften. Zudem bieten die Tester auch eine individuelle Computeranalyse an und ermitteln die für Sie günstigste Versicherungsgesellschaft. Der Service kostet 16 Euro. Ein entsprechender Kupon ist in der Zeitschrift enthalten, Sie können das Angebot aber auch über das Internet www.finanztest.de abrufen. Im Internet bieten zudem zahlreiche andere Dienstleister Prämienvergleiche an (unter anderem www.financescout24.de ), die meisten kostenlos. Allerdings können Sie hier nicht sicher sein, dass die Preisvergleiche tatsächlich den gesamten Markt erfassen und nicht nur ausgewählte Versicherungsgesellschaften berücksichtigen.

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