Wirtschaft : Auf Schatzsuche

Bundesbank und Regierung wollen Gold- und Devisenreserven in der Schuldenkrise nicht anbrechen

H. Mortsiefer,R. Obertreis
Die Reserve. 3400 Tonnen Gold stehen in der Bilanz der Bundesbank. Foto: dpa Foto: dpa
Die Reserve. 3400 Tonnen Gold stehen in der Bilanz der Bundesbank. Foto: dpaFoto: dpa

Frankfurt am Main/Berlin - Ein märchenhafter Schatz lagert in den Tresoren der Deutschen Bundesbank: 3400 Tonnen Gold mit einem Wert von knapp 132 Milliarden Euro. Wenige Barren des Edelmetalls, nur etwa zwei Prozent, werden tatsächlich in den Kellern der Notenbank in Frankfurt am Main gehortet. Der größte Teil des deutschen Goldes, das Teil der Währungsreserven der Bundesbank ist, liegt sicher verschlossen in einem unterirdischen Depot bei der Federal Reserve Bank of New York an der Südspitze Manhattans.

Im fernen Europa weckt dieses gelbe Metall gleichwohl Begehrlichkeiten. Die Suche nach möglichen Finanzquellen zur Bewältigung der Schuldenkrise im Euroland richtet sich jetzt ganz offensichtlich auch auf die Reserven der nationalen Notenbanken – auch die der Bundesbank. Vergangene Woche wurde beim G-20-Gipfel in Cannes eine Idee diskutiert: Mit einem Teil der deutschen Gold- und Devisenreserven könnte der 440 Milliarden Euro schwere Rettungsschirm EFSF den erwünschten Hebel bekommen, um auch mögliche größere Turbulenzen in der Euro-Zone zu überstehen. Nachdem Bundesbank-Präsident Jens Weidmann Protest eingelegt hatte, blockte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Vorschläge ab und verwies darauf, dass es sich bei den deutschen Gold- und Devisenreserven um Vermögen handele, das nicht zur Disposition stehe.

Trotz dieser Erklärung musste die Bundesregierung am Montag noch einmal nachlegen, um Klarheit zu schaffen. Die Verfügungsgewalt über die deutschen Gold- und Währungsreserven solle bei der Bundesbank belassen werden; die Reserven würden nicht einseitig zur Bekämpfung der Schuldenkrise im Euro- Raum eingesetzt. Es gebe keinen Grund, über irgendwelche Nutzungen der deutschen Goldreserven dieser Art zu spekulieren, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Ähnliches gelte für die Währungsreserven, zu denen auch die Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds zählen.

Dabei handelt es sich um eine Kunstwährung, die der Internationale Währungsfonds (IWF) 1969 geschaffen hat. Im Fall von Zahlungsbilanz-Problemen können sie vom betroffenen Land gegen die jeweils benötigte Währung umgetauscht werden, um bestehende Forderungen zu begleichen. Jedem Land hat der IWF eine bestimmte Anzahl von Sonderziehungsrechten zugeteilt. Sie gelten als Währungsreserve. „Von dort ist es nur noch ein kleiner Schritt zum Gold“, sagte am Montag ein Bundesbank-Kenner. Regierungssprecher Seibert stellte deshalb klar: „Diese Sonderziehungsrechte sind genau wie die Gold- und Währungsreserven der Bundesrepublik im Einflussbereich der Bundesbank.“ Allein die könne darüber verfügen und zwar in all ihrer Unabhängigkeit. Das habe Kanzlerin Angela Merkel den G-20-Partnern erläutert, als die Überlegung aufkam, Sonderziehungsrechte in deutschem Besitz zugunsten von Euro-Krisenländern zu nutzen. Dem Vernehmen nach sollten die Sonderziehungsrechte und damit rund 14 Milliarden Euro aus den Beständen der Bundesbank an eine Zweckgesellschaft des Euro-Rettungsfonds EFSF verpfändet werden, um damit dessen Finanzkraft zu erhöhen. Insgesamt standen Sonderziehungsrechte der Notenbanken im Volumen von 50 bis 60 Milliarden Euro zur Debatte.

„Die ablehnende Haltung der Bundesbank ist bekannt. Sie ist nachvollziehbar“, sagte der Regierungssprecher. Daher habe Merkel in Cannes einem solchen Vorschlag nicht zustimmen können. Auch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) lehnt den Einsatz von deutschen Goldreserven zur Euro-Rettung ab. „Die deutschen Goldreserven müssen unantastbar bleiben“, sagte er der ARD.

Experten warnten davor, die Goldreserven anzubrechen. „Man muss sich schon überlegen, welches Signal man senden würde, wenn man auf die Goldreserven zurückgreifen würde“, urteilt Gabor Vogel, Rohstoffanalyst bei der DZ Bank. Der Trend bei den Notenbanken weltweit gehe derzeit eher dahin, Goldbestände aufzustocken – etwa um unabhängiger vom US-Dollar zu werden. Der Goldpreis stieg am Montag kräftig: Die Feinunze kostete zuletzt 1778 Dollar, etwa 1,4 Prozent mehr als am Freitag. mit rtr, dpa

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