Wirtschaft : Auf und ab

hop

DIE AUFSTEIGER:

Henning Schulte-Noelle
Aus dem Hintergrund den Weltkonzern geschmiedet

Fällt der Name der Allianz, des weltgrößten Versicherers, denkt kaum jemand automatisch an deren Vorstandsvorsitzenden Henning Schulte-Noelle. Von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, hat er in den 90er Jahren den verkrusteten, weitgehend auf Deutschland ausgerichteten Konzern zu einer Weltgröße gemacht. Ende der 80er Jahre erzielte die Allianz fünf Prozent ihrer Umsätze im Ausland, heute sind es mehr als 60 Prozent. Und in diesem Jahr setzte Schulte-Noelle seine Einkaufstour erfolgreich fort, diesmal im Inland. Die Allianz übernahm im Frühjahr die Dresdner Bank, nachdem diese sich unter anderem der Deutschen Bank verweigert hatte. Seine Erfolge vor großem Publikum hervorzukehren, ist nicht Schulte-Noelles Stil. Er wirkt lieber im Hintergrund. Ursprünglich wollte er Diplomat werden, entschied sich dann aber doch für das Jura-Studium und eine Wirtschaftskarriere. 1975 kam er zur Allianz, seit 1991 steht er an der Spitze des Konzerns und gehört damit zu den mächtigsten Managern hier zu Lande. hop

Michael Herbig
Ohne Ausbildung ganz nach oben

Einer musste es ja tun. Irgendwann. Die Karl-May-Filme aus den sechziger und siebziger Jahren mit Pierre Brice und Lex Barker boten für Hommages und Parodien einfach Unmengen an Stoff. Einer hat es 2001 getan: Michael Herbig. Sein Film "Der Schuh des Manitu", der nicht nur Winnetou-Streifen, sondern nebenbei auch Spaghetti-Western und plumpe Abenteuer-Filme aufs Korn nimmt, wurde zum erfolgreichsten deutschen Film in der Kino-Geschichte. 10,6 Millionen Menschen wollten bislang den Streifen sehen und gaben dafür 116 Millionen Mark an den Kino-Kassen aus. Und noch immer läuft der "Manitu", obwohl schon seit mehr als einem halben Jahr auf dem Markt. Für die Verleihfirma Constantin ist dies ein glänzendes Geschäft - die Produktionskosten lagen bei bescheidenen neun Millionen Mark. Ein Grund für das niedrige Budget war Herbig selbst: Der 33-Jährige führte Regie, schrieb am Drehbuch mit und spielte gleich zwei Hauptrollen - obwohl er weder eine Regie- noch eine Schauspielausbildung hat. brö

Britta Steilmann
Querdenkerin mit unternehmerischer Vision

Britta Steilmann ist eine Querdenkerin. Die Schule schwänzte sie, weil ihr der Unterricht nicht schnell genug voran ging. Vor Managern trat sie als junge Designerin nur in ihrer selbst entworfenen Ökomode auf. Ähnlich konsequent verließ sie vor über zwei Jahren den väterlichen Modekonzern. Sie hatte das Gefühl, ihre Vorstellungen in dem Familienbetrieb mit über einer Milliarde Mark Umsatz nicht mehr durchsetzen zu können. Im August kehrte sie in die Firma zurück. Diesmal auf den Chefsessel. Schon wenig später präsentierte die 35-Jährige Pläne, wie sie sich die Zukunft der Steilmann-Gruppe vorstellt. Die Handelsmarken, die Steilmann für Kaufhäuser wie Karstadt oder Marks & Spencer produziert, sollen mehr auf Lifestyle getrimmt und die Waren in den Geschäften künftig selbst präsentiert werden. Ehrgeiziges Ziel: Die Umsatzrendite soll von mageren 0,5 Prozent auf fünf Prozent 2003 steigen. msh

Bernd Pischetsrieder
Krönung einer wechselhaften Laufbahn

Wenn der Nachfolger erst nominiert sei, dann werde er wohl kaum noch vom Pförtner gegrüßt, mutmaßte VW-Chef Ferdinand Piëch noch im Frühjahr. Und dann kam doch alles viel früher als geplant. Schon ein halbes Jahr später nominierte der Aufsichtsrat Bernd Pischetsrieder zum neuen Konzernchef; mit Ablauf der Hauptversammlung im nächsten April löst der bisherige VW-Vorstand für Qualitätssicherung Piëch ab. Und Pischetsrieder hat bereits jetzt die Weichen für Europas größten Autobauer gestellt. Zum 1. Januar 2002 wird das Pkw-Geschäft in zwei Gruppen aufgeteilt: Eine "sportliche" Sparte mit Audi, Seat und Lamborghini sowie die "klassische" Gruppe mit VW, Skoda und Bentley. Pischetsrieder will damit die Konzernmarken stärker kooperieren lassen und vor allem die Modellpolitik abstimmen. Mit dem Aufstieg an die VW-Spitze vollendet der 53-jährige Maschinenbauingenieur eine wechselvolle Karriere. Nachdem er bei BMW den Vorstandsvorsitz wegen des Rover-Desasters 1999 verloren hatte, holte ihn Piëch ein Jahr später zu VW. Der Porsche-Enkel Piëch hinterlässt alles in allem einen gut aufgestellten Konzern, der mit dem Luxuswagen "Phaeton" nun auch in die Oberklasse fahren will. Pischetsrieder übernimmt das Unternehmen allerdings in einer Nachfrageflaute. Er wird vor allem daran gemessen werden, ob der neue VW-Geländewagen und der geplante Minivan gut ankommen. Und ob er mit seinem (voraussichtlichen) Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch harmoniert. alf

Ulrich Hartmann
Schritt für Schritt zum Weltkonzern

"Wir haben uns zum Ziel gesetzt, der globale Energieanbieter Nummer eins zu werden", sagt Ulrich Hartmann. Der Eon-Chef ist sich sicher, seine ehrgeizigen Ziele zu erreichen, steuert er doch schon heute den größten privaten Energieversorger in Europa. Hartmann ist ein Gewächs des Veba-Konzerns, dessen Chefsessel er ab 1993 besetzte. Das hinderte den Macher jedoch nicht daran, das verstaubte Image des einstigen Staatskonzernes abzulegen. Nach der Fusion mit dem Mischkonzern Viag im Jahr 2000 setzte er den unkonventionellen Namen "Eon" durch und steigerte damit den Bekanntheitsgrad des Unternehmens deutlich. Hartmann ist wie ein Kind, das mit Lego spielt: Zusammenbauen und wieder auseinandernehmen, und das so lange, bis das Gute noch besser wird. Zuerst der Einstieg beim Spezialchemieunternehmen Degussa, nun soll der Anteil wieder verkauft werden. Auch die Telekommunikation hatte es Hartmann Mitte der 90er Jahre angetan, wenig später wurden die Töchter E-Plus und Otelo wieder verkauft, natürlich mit einem ordentlichen Gewinn. In Zukunft will sich Hartmann nur noch auf Strom, Gas und Wasser konzentrieren. Im nächsten Jahr steht die Übernahme des Energieversorgers Powergen an, dann wird Eon auch zu einem der bedeutendsten Stromanbieter in den USA. Zum Glücklichsein fehlt Hartmann in seiner Amtszeit, die 2003 endet, nur noch ein Legostein: die Mehrheit bei Deutschlands größtem Gasimporteur, der Essener Ruhrgas. tas


DIE ABSTEIGER:

Manfred Schneider
Mit Lipobay in die Krise

Für Bayer-Chef Manfred Schneider war es das härteste Jahr, seitdem er 1992 an die Spitze des Leverkusener Chemie- und Pharmakonzerns rückte. Und das ausgerechnet ein Jahr vor dem Ende seiner Amtszeit. Zum ersten Mal in seiner Geschichte schreibt Bayer Verluste. Der Börsenkurs des Dax-Unternehmens stürzte in den Keller.

Es ging schon im Januar los: Bayer musste die Produktion des Bluter-Medikaments Kogenate einstellen. Zuvor hatte die US-Gesundheitsaufsicht FDA Unreinheiten bei der Produktion festgestellt. Es folgte die erste Gewinnwarnung des Konzerns. Als sei das nicht genug, musste Schneider im August das cholesterinsenkende Medikament Lipobay weltweit vom Markt nehmen. Es stand im Verdacht, für mehr als 50 Todesfälle verantwortlich zu sein. Der Rückzug schmälerte nicht nur die Gewinnprognose erneut um mehrere hundert Millionen Mark, sondern führte auch zu einem massiven Vertrauensverlust. Schneider musste sich den Vorwurf gefallen lassen, Informationen zurückgehalten zu haben - zu Lasten der Patienten. Der Lipobay-Skandal zwang den Bayer-Chef zu einem Strategiewechsel: Schneider erklärte sich bereit, nun auch als Junior-Partner in eine Pharma-Kooperation zu gehen, was er bislang abgelehnt hatte. Wenig später stimmte er der Umwandlung des Konzerns in eine Holding zu.

Im Herbst dann ein scheinbarer Aufschwung: Nach den Milzbrandattacken in den USA stieg die Nachfrage nach dem Bayer-Antibiotikum Ciprobay rapide an. Kurze Zeit sah es so aus, als könnten die Ciprobay-Gewinne die Lipobay-Verluste wettmachen. Doch dann geriet Bayer in den USA in Verdacht, die Notsituation der Amerikaner durch hohe Preise schamlos auszunutzen. Die Folge: ein erneuter Vertrauensverlust. Auch die schwache Chemiekonjunktur hellte die Stimmung nicht gerade auf. Über all den schlechten Nachrichten ging die positive fast unter: Schneider sicherte sich im Herbst für 7,25 Milliarden Euro den Zuschlag für die Aventis-Pflanzenschutz-Tochter Crop-Science - und kann damit zu einem der weltweit größten Unternehmen im Agro-Business aufsteigen. pet

Kurt Ochner
Absturz mit dem Neuen Markt

Der Fondsmanger Kurt Ochner galt als König der Nebenwerte. Er war der erste Fondsmanger, der das Potenzial des Neuen Marktes erkannte, und er galt als einer der einflussreichsten Männer in diesem Segment. Über sich selbst sagte der Hesse gerne, "ich habe mehr Ideen als Geld". Ochner setzte mit seinem Fonds, dem Julius Bär Special German Stock Fonds vor allem auf eine Handvoll oft kleiner Unternehmen. Dies ist gut, wenn der Markt klettert - zwischen 1997 und März 2000 erzielte der Fonds mehr als 500 Prozent Wertzuwachs. Doch die Vorgehensweise ist gefährlich, wenn der Markt fällt. Der Ochner-Fonds machte den Absturz am Neuen Markt fast ungebremst mit. Während der Nemax-Index binnen eines Jahres fast 80 Prozent verlor, rauschte der German Special Fonds um 70 Prozent in die Tiefe. Die Stimmen der Kritiker wurden schnell lauter. Ochner sei zu nah an den Unternehmen gewesen, er habe seine Marktmacht genutzt und bestimmte Titel in die Höhe getrieben. Nun wurde er der "Pate des Neuen Marktes" genannt. Im April setzte Julius Bär den Ex-Guru vor die Tür. Einen Fehler hat Ochner eingestanden: "Ich habe einigen Leuten an der Spitze der Unternehmen vertraut." Einer davon hieß Thomas Haffa, Chef von EM.TV. dr

Wolfgang Rupf
Als Banksanierer gescheitert

Man werde ihn wie einen Hund vom Hof jagen, hat Wolfgang Rupf Mitte des Jahres befürchtet. Ganz so schlimm ist es für den Ex-Vorstandschef der Bankgesellschaft Berlin nicht gekommen. Rupf war 1997 angetreten, den Konzern zu sanieren, und die Liste seiner Aufräumarbeiten ist lang. Doch bereits Ende 1999 kündigte sich der Sturm an. Der Immobilienbereich des Bankkonzerns geriet endgültig außer Kontrolle. Dabei hatte Rupf noch einen Schachzug geplant. Die Milliarden-Risiken der Immobilientochter IBG sollten an einen Investor auf den Cayman-Inseln verkauft, das Immobilien-Neugeschäft an die Börse gebracht werden. Diese Vorgehensweise spricht gegen seine Verteidigung, er habe das Desaster bei der Bankgesellschaft nicht absehen können: "Ich war nicht informiert", behauptete Rupf. Zuletzt ermittelte gar die Staatsanwaltschaft wegen des Karibik-Deals gegen ihn. Noch im Frühjahr zeigte Rupf Kampfeswillen, im Laufe des Sommers wurde er immer leiser. Am 30. November trat er zurück. Jetzt muss sich Rupf auf Regressforderungen einstellen. dr

Michael Kölmel
Am Ende bleibt ein Scherbenhaufen

Der stets mit gedämpfter Stimme sprechende Gründer der Kinowelt Medien AG musste vor zehn Tagen Insolvenz anmelden und eingestehen, dass sein Expansionskurs gescheitert ist. Nachdem ABN Amro als erste Gläubigerbank des hoch verschuldeten Unternehmens einen Kredit gekündigt hatte, brach die Kinowelt-Kulisse ein: Michael Kölmel musste ein 600 Millionen Mark schweres Film-Paket mit hohen Verlusten an das Hollywood-Studio Warner zurückgeben. Gegen die Medienimperien von Kirch und Bertelsmann hatte Kölmel keine Chance. Nun droht die Zerschlagung des Unternehmens, das einst als Börsenstar gefeiert wurde. Alles andere als zurückhaltend war Kölmel Anfang der 80er Jahre angetreten. Als Cineast im Göttinger Studentenmilieu kaufte sich Kölmel in die Oberliga des Verleih- und Lizenzgeschäftes ein. Zu schnell, auf Pump und gegen die Mächtigen der Branche. Am Ende bleibt ein Scherbenhaufen: Die Aktie verlor seit ihrem Höhepunkt 99,7 Prozent ihres Wertes. mot

Rolf Dittmeyer
Opfer der eigenen Sentimentalität

Wer kennt ihn nicht, den netten Onkel Dittmeyer aus der Fernsehwerbung? Er erklärte Kindern in seinen Werbespots gerne, dass der Geschmack von Valensina ziemlich nahe an den von frischen Orangen heranreicht. Mit seiner Botschaft schaffte Rolf Dittmeyer, Gründer des gleichnamigen Unternehmens, einen Bekanntheitsgrad in Deutschland von 90 Prozent, für die Konsumenten war Valensina der beste Orangensaft der Welt. Genützt hat es dem heute 80-Jährigen reichlich wenig, im Juli musste sein Unternehmen Insolvenz anmelden. Zum Verhängnis wurde Dittmeyer seine eigene Sentimentalität. 1998 übernahm der Qualitätsfanatiker das Unternehmen vom Konsumgüterriesen Procter & Gamble, nachdem er es 14 Jahre zuvor an die Amerikaner verkauft hatte. Wie sich herausstellte, war der Rückkauf zu teuer. Zum Stolperstein wurde Dittmeyer auch die geringe Zahlungsbereitschaft der Verbraucher. Die kaufen lieber den Billigsaft bei Aldi. tas

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben