Wirtschaft : Auf Versicherungskunden könnten höhere Prämien zukommen

Die Steuer steigt um drei Prozent – das setzt die Versicherer unter Druck

Heike Jahberg

Berlin - Dass die Mehrwertsteuer im kommenden Jahr von 16 auf 19 Prozent steigen wird, weiß jeder. Dass der Gesetzgeber jedoch auch bei der Versicherungssteuer zugeschlagen hat, haben viele Bürger noch nicht wahrgenommen. Vielleicht sogar zu Recht. Denn angesichts des harten Wettbewerbs auf dem Markt ist derzeit noch völlig offen, ob die Versicherer die Steuererhöhung überhaupt an die Kunden weitergeben werden.

Eigentlich wäre die Sache klar: Die Versicherungssteuer, so hat es die Regierung beschlossen, soll am 1. Januar nächsten Jahres von 16 auf 19 Prozent erhöht werden. Der Bund hofft so auf Mehreinnahmen von 1,7 Milliarden Euro im Jahr. Betroffen sind Schaden- und Unfallversicherungen, also Auto-, Hausrat-, Haftpflicht-, Gebäude- und Rechtsschutzversicherungen. Lebens- und Krankenversicherungen bleiben von der Versicherungssteuer weiterhin verschont.

Für die Bürger würde die Steuererhöhung die Versicherungskosten deutlich erhöhen. Nach Berechnungen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) müsste eine Durchschnittsfamilie allein wegen der Steuererhöhung jährlich 57 Euro mehr zahlen, eine Familie mit Eigenheim und zwei Autos sogar rund 103 Euro.

Die Versicherer fühlen sich schlecht behandelt. Schon jetzt gebe es kaum eine Branche, die unter einer so hohen Steuerbelastung ihrer Wertschöpfung leide, sagte GDV-Sprecher Peter Schwark. Der Druck auf die Versicherer könnte jetzt aber sogar noch zunehmen. Ob die Unternehmen die Steuererhöhung an ihre Kunden weitergeben oder auf den Kosten sitzen bleiben werden, kann der Verband daher noch nicht sagen. „Das hängt vom Wettbewerb ab“, sagte Schwark. Möglich sei aber, dass Prämiensenkungen, die den Kunden sonst zugute gekommen wären, wegen der höheren Versicherungssteuer unterblieben.

Die Berliner Ideal-Versicherung hat die Gunst der Stunde bereits genutzt. Sie erklärte kürzlich als erste deutsche Versicherungsgesellschaft, dass sie die Steuererhöhung mit Rücksicht auf die wachsenden Belastungen der Bürger nicht weitergeben werde – zumindest nicht an Neukunden. Aber auch wer bereits eine Hausrat- oder Haftpflichtversicherung bei der Ideal abgeschlossen hat, kommt um den Steueraufschlag herum, wenn bei dem bestehenden Vertrag eine „technische Änderung“ vorgenommen wird – etwa eine Veränderung der Zahlungsweise oder der Versicherungssumme.

Die Konkurrenz prüft und wartet ab. Sowohl die Marktführerin Allianz als auch die Huk Coburg und die Hamburg-Mannheimer erklärten auf Anfrage, ob die höhere Versicherungssteuer auf die Kunden umgelegt werde, sei noch nicht entschieden.

Die Unternehmen beobachten sich gegenseitig. Denn der Markt für Sachversicherungen ist hart umkämpft, das gilt besonders für den Kfz-Bereich. Der Grund: Die Autoversicherung dient als Türöffner zum Kunden. Die Gesellschaften hoffen, den Versicherten anschließend weitere – für sie lukrativere – Policen anbieten zu können. Schon in wenigen Wochen werden die Firmen Farbe bekennen müssen. Denn bereits im September will die Allianz Versicherung ihre neuen Tarife für die Autoversicherungen vorstellen.

Kunden, die sparen wollen, indem sie ihre Versicherung-Prämien noch schnell in diesem Jahr zahlen, müssen sich allerdings auf eine Enttäuschung gefasst machen. Maßgeblich für die Höhe der Steuer ist nämlich immer der Termin, an dem die Versicherungsprämie fällig ist. Ist dieser Termin der 1. Januar 2007, haben die cleveren Rechner Pech gehabt.

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