Wirtschaft : Aufatmen in Hongkong und Tokio

Festere Aktienkurse beflügeln auch Wall Street

TOKIO (ga/HB/dpa/rtr).Die Aktienmärkte in Südostasien konnten zum Wochenbeginn aufatmen.In Hongkong zog der Hang-Seng-Index der 33 führenden Werte um 462 Punkte oder 4,6 Prozent auf 10 419 Punkte an.Grund für die Entspannung war nach Aussagen von Finanzexperten die Senkung der Zinssätze um fast sechs Prozent."Es scheint so, daß die erste Attacke der Währungsspekulanten vorbei ist", sagte Oliver Molitor von der Bayerischen Landesbank in Hongkong.Sie hätten festgestellt, daß die Regierung tatsächlich hart bleibt und die feste Anbindung an die US-Währung unter allen Umständen aufrecht erhalten will. Nachdem Spekulanten in den vergangenen sechs Wochen den Hongkong- Dollar und sein festes Wechselkursverhältnis zum US-Dollar massiv bedroht und auf eine Abwertung des Hongkong-Dollar gehofft hatten, hatte die Hongkonger Regierung die Zinssätze in diesem Zeitraum schrittweise bis auf 16 Prozent erhöht.Damit sollte es den Spekulanten schwerer gemacht werden, Kredite in der Hongkonger Währung aufzunehmen. Am Tokioter Aktienmarkt kam es am Wochenbeginn zu dem bislang stärksten Kursniveauanstieg dieses Jahres gekommen.Der Nikkei-Index legte gut 6 Prozent zu und übersprang so wieder deutlich die 16 000-Marke.Japanische Analysten warnten allerdings nach dem gestrigen, extrem stark von unfundierten Spekulationen bestimmten Kurssprung davor, bereits von einer grundlegenden Trendwende zu sprechen. Ursache der überaus euphorischen Marktentwicklung sind anläßlich des Zusammenbruchs der Hokkaido Takushoku Bank Spekulationen über ein staatliches Hilfsprogramm zur Konsolidierung des Bankensystems.Eine der Ideen, die nun auch in Tokio gehandelt werden, ist ein Konzept, wonach ein von öffentlichen Pensionsfonds und Lebensversicherungsgesellschaften gespeister Sonderfonds mit einem Volumen von 8 Bill.Yen Vorzugsaktien von eigenkapitalschwachen Banken erwirbt.Kritiker verweisen darauf, daß hierbei die Gefahr bestehe, daß schlechtem Geld gutes nachgeworfen werde.Eine Chance habe diese Konzept aber, da es dem Finanzministerium ermöglichen würde, direkt und sehr detailiert auf Inhalt und Tempo der Restrukturierungsmaßnahmen der Banken Einfluß zu nehmen.Ein weiteres Konzept, über das jetzt in Tokio spekuliert wird, sieht die Bildung einer "Resolution Trust Corp.nach amerikanischem Vorbild vor.Auch hier werden aber von Skeptikern erhebliche Schwierigkeiten bei der erforderlichen Vermarktung von Forderungen und Sicherheiten/Immobilien gesehen. Einzige Anhaltspunkte für diese Spekulationen sind die außerordentlich vagen Erklärungen einiger führender durch den Kurssturz verunsicherter Politiker, wonach in das für den 10.Dezember geplante dritte konjunkturpolitische Votum der Partei auch die von Maßnahmen zur Stabilisierung des Finanzsystems werden sollen.Sowohl dies als auch eine grundlegende Kurskorrektur in der Haushaltspolitik muß allerdings unter dem gegenwärtigen Ministerpräsidenten Hashimoto als extrem fraglich gelten. Jesper Koll, Chef-Ökonom von JP Morgan in Tokio, empfiehlt weitere Verkäufe von japanischen Aktien und Yen und Käufe japanischer Staatsanleihen. Daneben beflügten den Markt die Erklärungen des stellvertretenden US-Finanzministers Lawrence Summers, der in Tokio auf wirksame Maßnahmen zur Wiederherstellung eines binnenwirtschaftlich gestützten Wachstums drängte.Summers betonte, die Haushaltskonsolidierung sei wichtig, sie müsse aber den wirtschaftlichen Gegebenheiten Rechnung tragen.Dies wurde als Hinweis gedeutet, daß die USA Japan zu einer weicheren Fiskalpolitik bewegen wollten. Die Märkte in Südkorea gerieten hingegen am Montag unter starken Druck Händler sagten, die Anleger seien verunsichert über das Steckenbleiben eines Reformpakets zur Sanierung der Finanzmärkte im Finanz- und Wirtschaftsausschuß des Parlaments.Außerdem habe die Zentralbank angekündigt, den Won nicht mehr stützen zu wollen.Die Landeswährung sackte daraufhin zum Dollar auf einen historischen Tiefstand von 1008,6 Won ab.Der Sammelindex der Seouler Börse verlor ebenfalls deutlich und schloß mit einem Minus von 4,31 Prozent oder 22,39 Punkten bei 496,98 Zählern. In Wall Street wurde diese Entwicklung nicht beachtet.Vielmehr zeigte sich das Parkett hocherfreut über die Entwicklung in Hongkong und Tokio und eröffnete mit Gewinnen, die zunächst noch ausgebaut werden konnten.Nach der ersten Handelsstunde lag der Dow-Jones-Index mit 7685,94 Punkten um 113,46 Zähler oder 1,50 Prozent über dem Freitagsschluß.Am Gesamtmarkt wurden bis dahin rund 133,6 Mill.Aktien gehandelt.2079 Werte notierten höher, 455 tiefer und 476 unverändert.Der breiter gefaßte S & P-500-Index kletterte um 1,45 Prozent auf 941,84 Punkte.Der technologielastige Nasdaq-Composite-Index legte 1,62 Prozent auf 1609,14 Zähler zu.

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