Wirtschaft : Aufbau Ost in der Autoindustrie

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Von Alfons Frese

Im sächsischen Stollberg denken die Leute in diesen Tagen mit Argwohn an die EU-Kommissare. Denn wie die Dinge liegen, hängt es an Brüssel, ob in dem Ort in der Nähe von Chemnitz 500 Millionen Euro investiert und 600 Arbeitsplätze geschaffen werden. VW und Siemens wollen dort Einspritzsysteme für Dieselmotoren bauen – wenn die Kommission damit einverstanden ist, dass der Steuerzahler einen Teil der Investitionskosten trägt. Erst wenn die Beihilfe sicher ist, wollen sich die Konzerne für Stollberg entscheiden. Für den Südosten Deutschlands stünde die Investition in einer Reihe von industriellen Entscheidungen, mit denen die Tradition von Horch und Wartburg fortgeschrieben wird.

Nach der Vereinigung war keine Branche so aktiv in den neuen Ländern wie die Autoindustrie. Anfang der 90er Jahre investierte VW Milliarden in ein Werk in Mosel bei Zwickau und in eine Motorenfabrik in Chemnitz. Im thüringischen Eisenach stellte sich Opel eine Fabrik auf die grüne Wiese. Mercedes baut Transporter im brandenburgischen Ludwigsfelde und derzeit ein Motorenwerk in Thüringen. Seit dem letzten Jahr lässt Porsche in Leipzig den „Cayenne“ und VW in Dresden den „Phaeton“ zusammenschrauben. Höhepunkt des „Go East“ der Autohersteller ist BMW: Die Münchner werden inklusive Zulieferer in Leipzig 10000 Leute beschäftigen.

Dass der Aufbau Ost in der Autoindustrie läuft, hängt mit der industriellen Tradition in der Region inklusive qualifizierter Arbeitskräfte zusammen. Die Infrastruktur ist gut, die geografische Lage in der Mitte Europas hervorragend. Und im Vergleich zum Westen sind die Herstellungsbedingungen günstiger, weil die Arbeitszeiten länger und die Löhne niedriger sind. Schließlich gibt es Fördermittel, die bis zu einem Drittel der Investitionskosten ausmachen können. VW hat aus den Erfahrungen in Mosel gelernt, wo nach einer EU-Intervention 240 Millionen Mark Beihilfen zurückgezahlt werden mussten. Jetzt geht es in Brüssel um 150 Millionen Euro.

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