Wirtschaft : Aufbauspritze für Ostdeutschland

Glaxo-Smithkline baut in Dresden ein neues Impfstoffwerk. Der Kanzler kommt zum Spatenstich

Maren Peters

Berlin - Für den Kanzler dürfte der Zeitpunkt ganz gelegen kommen: Während CSU-Chef Edmund Stoiber die ostdeutschen Wähler mit despektierlichen Worten gerade mächtig vergrätzt hat, trägt Gerhard Schröder (SPD) mit kräftigem Fußeinsatz zu neuen Arbeitsplätzen bei. An diesem Montagnachmittag wird der Kanzler den ersten Spatenstich für das neue Impfstoffwerk von Glaxo-Smithkline in Dresden machen. Der größte europäische Pharmakonzern will hier insgesamt 94,3 Millionen Euro in einen Neubau investieren, in dem ab 2008 einmal 170 Menschen arbeiten sollen.

Der Pharmakonzern mit Sitz in London ist ein alter Bekannter in Dresden. Nach der Wende hatten die Briten das Sächsische Serum-Werk (SSW) von der Treuhand gekauft und seit 1992 mehr als 65 Millionen Euro investiert. Im alten Werk arbeiten bereits bis zu 450 Menschen, die hier jährlich 30 Millionen Dosen an Grippe-Impfstoffen herstellen. Wenn die neue Anlage erst einmal fertig ist, soll sich die Kapazität auf 60 Millionen Dosen pro Jahr verdoppeln. Insgesamt ist Glaxo-Smithkline in Deutschland an sieben Standorten mit rund 3000 Mitarbeitern vertreten.

Grund für die neuen Investitionen ist der weltweit wachsende Bedarf an Grippeimpfstoffen. Bereits im Frühjahr hatte die Weltgesundheitsorganisation vor einer weltweiten Grippe-Epidemie gewarnt, der Millionen Menschen zum Opfer fallen könnten. Die Sorge ist gewachsen, seit die asiatische Vogelgrippe nicht nur Millionen von Hühnern dahingerafft, sondern in Asien auch die ersten Menschenopfer gefordert hat. Bis zu 90000 Menschen könnten allein in Deutschland sterben, wenn 30 Prozent der Bevölkerung an dem Virus erkranken würden, schätzt das Robert-Koch-Institut. Von dieser Angst profitieren Hersteller von Impfstoffen und Medikamenten wie Glaxo, Roche und Chiron, deren Umsatz in den ersten Monaten dieses Jahres kräftig gestiegen ist. Auch Berlin und Brandenburg haben dazu beigetragen. In diesem Jahr wollen die Länder insgesamt 4,1 Millionen Euro ausgeben, um einen Vorrat an Grippemitteln anzulegen.

Dass Glaxo-Smithkline seine Impfstoffe ausgerechnet – und ausschließlich – in Dresden produziert, war nach Angaben von Deutschland-Chef Thomas Werner im Konzern nicht einfach durchzusetzen. Denn gerade forschende Pharmahersteller wie Glaxo beklagen regelmäßig die schlechten Rahmenbedingungen des Standorts Deutschland. Ausschlaggebend für Dresden seien vor allem die Infrastruktur, schnelle Genehmigungsverfahren und die Flexibilität der Mitarbeiter gewesen, sagte Werner. Letzteres ist für den Hersteller wichtig, weil die Produktion von Impfstoffen ein Saisongeschäft ist. Hinzu kommt: Der Staat kann nach Glaxo-Angaben bis zu 28 Prozent der Investition als Ostförderung beisteuern. Die Summe hängt von der Zahl der neu geschaffenen Stellen ab.

Nicht nur Glaxo-Konzernchef JeanPierre Garnier wird den Spatenstich des Kanzlers heute aufmerksam verfolgen. Auch die Besitzer der örtlichen Hühnerfarmen dürften reges Interesse zeigen. Denn für die Herstellung verbraucht Glaxo schon jetzt jedes Jahr 35 Millionen Eier, in denen der Impfstoff ausgebrütet wird. Mit der Verdoppelung der Produktion dürfte sich bis 2008 auch die benötigte Eiermenge verdoppeln. Und so trägt der Kanzler per Fußtritt nicht nur dazu bei, 170 neue Jobs für Dresdner zu schaffen, sondern verhilft zudem Tausenden von Hühnern zu neuen Arbeitsplätzen. Auch das zählt im Wahlkampf.

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