Wirtschaft : Aufgrund "technischer Schwierigkeiten" musste die Öffnung des Handels verschoben werden

Das hat es in der Geschichte der altehrwürdigen Londoner Börse noch nie gegeben: Der größte Finanzplatz Europas konnte den Aktienhandel am Mittwoch wegen "technischer Probleme" für Stunden nicht aufnehmen. Die Börsengesellschaft London Stock Exchange (LSE) teilte gegen Mittag mit, noch sei die Fehlerquelle nicht gefunden. Die Händler standen derweil nach atemberaubenden Kursausschlägen an den US-Börsen und angesichts klarer Verluste an den anderen europäischen Finanzplätzen unter Druck; sie konnten dringende Kauf- oder Verkauforders nicht loswerden. Die Panne ist bereits der zweite Vorfall in dieser Woche: Am Montag war bereits der Londoner Leitindex FTSE aus den hundert wichtigsten Werten für vier Stunden ausgefallen und hatte die Anleger damit einer wichtigen Richtschnur für Order-Entscheidungen beraubt.

Für gewöhnlich beginnt der Börsenhandel in London morgens um acht Uhr Ortszeit (neun Uhr Mitteleuropäische Sommerzeit). Die Börsengesellschaft LSE berichtete aber von technischen Problemen und verschob die Öffnung am Mittwoch auf unbestimmte Zeit. Sie versprach neue Informationen "sobald erhältlich" und stellte eine Ausdehnung der Handelszeiten in den Abend hinein in Aussicht. Außerdem warnte sie die Anleger vor dem Rückgriff auf vorbörsliche Kurse, die auf den Schirmen zu lesen waren; diese enthielten "Fehler". Alle im Verlauf des Vormittags aufgelaufenen Orders wurden gelöscht.

Händler äußerten sich empört. "Jeder verliert Geld - die Kunden und wir", monierte David Butler vom Brokerhaus Teather and Greenwood. Justin Urquhart-Stewart von der Maklerfirma Barclays Stockbrokers betonte, die Londoner Börse, die in hartem Wettbewerb zu anderen Finanzplätzen stehe und ehrgeizige Allianzpläne hege, "bekleckert sich damit nicht gerade mit Ruhm".

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