Wirtschaft : Aufklärung auf Italienisch

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Von Maurice Shahd

Die Ermittlungen der italienischen Behörden im Fall Parmalat lassen schon jetzt Zweifel daran aufkommen, ob sie den Bilanzskandal jemals vollständig aufklären können. Der Firmengründer, ExChef und Hauptverdächtige Calisto Tanzi ließ aus seinem spanischen Domizil über die Medien ausrichten, er wolle weiter mit den Behörden zusammenarbeiten. Kurz zuvor sickerte die Aussage des langjährigen Parmalat-Finanzchefs durch, die Bilanzmanipulationen seien von der obersten Firmenleitung angeordnet worden. Tanzi könnte also von Tricksereien gewusst haben. Mindestens. Seinen „Abstecher“ nach Spanien kann man ihm dennoch nicht vorwerfen, schließlich gibt es noch keinen Haftbefehl gegen Tanzi.

Bedenklich stimmt, dass die Regierung einen Untersuchungsausschuss eingerichtet hat, um die Vorgänge bei Parmalat zu untersuchen. In der Vergangenheit hatten ähnliche Kommissionen dafür gesorgt, die Ermittlungen der Justiz in die Länge zu ziehen und zu einem politischen Schauspiel zu machen. Die Aufklärung von Betrug sollte die Regierung besser der Justiz überlassen, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Mit harten Strafen müssen die Verantwortlichen bei Parmalat auf jeden Fall nicht rechnen – was sie ihrer Regierung zu verdanken haben. Vor zwei Jahren hatte die das Strafmaß für Bilanzmanipulationen gesenkt. Dieser Tatbestand war Ministerpräsident Silvio Berlusconi vorgeworfen worden.

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