Wirtschaft : Auflegen kann man immer noch

CORINNA VISSER

Wäre das nicht herrlich, wenn man endlich kostenlos telefonieren könnte? Vorbei mit dem Wirrwarr bei den Telefontarifen, die anstrengende Suche nach dem billigsten Anbieter hätte ein Ende. Doch wie bei allen Sonderangeboten hat auch diese Sache einen Haken. Wer über die Berliner Firma Teleflash kostenlos telefonieren wollte, mußte dafür alle 90 Sekunden einen Werbespot ertragen. Mitten im Gespräch wirbt eine fremde Stimme für den Abschluß einer Lebensversicherung oder ein Kaffeeröster preist mit lateinamerikanischen Klängen seine neuesten Produkte an. Gerade so, wie im Fernsehen, wo die schönsten Liebeszenen oder aufregende Verfolgungsjagden von Werbebotschaften unterbrochen werden.Die Werbepause im Fernsehen läßt sich kreativ gestalte, sie ist beliebt für den Gang zur Toilette oder zum Kühlschrank. So kann man natürlich auch die Werbeunterbrechung am Telefon nutzen. Vielleicht ist es nur eine Frage der Gewöhnung. Und wen könnten Sie nicht alles anrufen, jetzt, wo das Gespräch nichts mehr kostet?Die Berliner Richter haben jedoch entschieden, daß so etwas intimes wie ein Telefongespräch nicht durch schnöde Werbung unterbrochen werden darf. Schließlich profitiere ja nur der Anrufer von der Gebührenfreiheit, doch auch der Angerufene muß die Werbeberieselung erdulden. Allerdings hat jeder die Wahl, gebührenpflichtig ohne Werbung zu telefonieren oder während der Werbung einfach aufzulegen. Diese Entscheidung hat das Landgericht den Verbrauchern jetzt abgenommen - bis zur nächsten Instanz.

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