Wirtschaft : Aufregende Aktien 2000: Borussia Dortmund: Anstoß an der Börse

bfr

Auch an der für viele Männer angeblich schönsten Nebensache der Welt ging das Börsenfieber nicht vorüber. Mit der ersten deutschen Fußball-Aktie wurde sowohl am Aktienmarkt als auch in der Fußball-Bundesliga ein neues Kapitel aufgeschlagen. Wahre Fans ließen sich nicht von der Zeichnung der Aktie von Borussia Dortmund abhalten. Es gab auch so genannte effektive Stücke, die sich die Anleger zu Hause an die Wand hängen konnten. Am 31. Oktober wurde der Wert erstmals im amtlichen Handel notiert.

Der Traditionsverein nahm durch die Emission rund 270 Millionen Mark ein. BVB-Präsident Gerd Niebaum hatte angekündigt, einen Teil des Erlöses für die Stärkung fußballnaher Geschäftsfelder wie Markting und Internet-Aktivitäten ausgeben zu wollen. Manager Michael Meier versprach Investitionen in "Steine und Beine". Damit meinte er neben Spielerkäufen auch die Beteiligung des Vereins am Westfalenstadion, die von 46 auf 75 Prozent erhöht wurde. Die Fußballarena soll künftig verstärkt auch für andere Zwecke genutzt werden, beispielsweise für Konzerte oder größere Veranstaltungen von Unternehmen. Insgesamt will sich der Champions-League-Sieger von 1997, der an einem Reisebüro beteiligt ist und einen Sportartikel-Hersteller (Goool) sowie eine Internetfirma (Absolute Sports) besitzt, weniger abhängig vom rein sportlichen Erfolg machen.

Die Performance der Schwarz-Gelben auf dem Rasen und die Teilnahme an internationalen Wettbewerben wird aber Hauptkriterium für den Erfolg der Aktie an der Börse bleiben. Und der sportliche Erfolg ist natürlich schwierig vorherzusehen, da manches auch von Glück und Unwägbarkeiten abhängt - zum Beispiel, ob ein teuer eingekaufter Spieler gut einschlägt oder Verletzungspech die Mannschaft zurückwirft.

Für die Aktionäre war die Investition in "Steine und Beine" bisher nicht besonders lukrativ, wie sich am Kursverlauf ablesen lässt. Am ersten Handelstag rutschte die Aktie vom Ausgabepreis von elf Euro bereits leicht ab und bewegte sich fast kontinuierlich nach unten. Dies allerdings auch in einem insgesamt negativen Börsenumfeld. Zuletzt lag die Aktie nur knapp über dem bisherigen Tief von acht Euro. Überhaupt: Mit den meisten europäischen Fußballaktien war bisher wenig Geld zu verdienen. Aber nach zwei Monaten sollte man noch nicht den Stab über die BVB-Aktie brechen. Immerhin sieht es sportlich nach drei eher mageren Jahren wieder besser aus. Zum Jahresende steht die Borussia auf dem dritten Tabellenplatz. Das ist zwar noch nicht meisterlich, aber deutlich besser als der elfte Platz in der vergangenen Spielzeit und würde am Saisonende für die Qualifikation zur Champions League ausreichen.

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