Wirtschaft : Aufregende Aktien 2000: Cargolifter: Kann die Zigarre fliegen?

V. Csizi

Fliegt es oder fliegt es nicht? Im März waren viele Anleger noch skeptisch: Schafft es die Cargolifter AG aus dem brandenburgischen Brand, bis 2004 ein gigantisches Luftschiff zu entwickeln und zu bauen, das Schwerlasten bis zu 160 Tonnen ohne Probleme und ohne umzuladen über Entfernungen von bis zu 10 000 Kilometern transportiert? Ist ein solches, weltweit einzigartiges Logistikkonzept technisch machbar und wirtschaftlich sinnvoll?

Potenzielle Kunden hatten offenbar Vertrauen: Bereits im Mai hatten die Betreiber Vereinbarungen mit 22 Unternehmen geschlossen, darunter ABB, Hochtief, Linde, MAN oder Siemens. Auch aus der Airbus-Zentrale hieß es zuletzt, man erwäge den Einsatz des 260 Meter langen Luftgiganten für den Transport von Bauteilen für den neuen Riesen-Airbus. Nächstes Jahr, fast genau 100 Jahre nach dem Aufstieg des ersten Zeppelin am Bodensee, soll der erste Prototyp abheben. Vorerst steht nur die Werft, die größte freitragende Halle der Welt.

Bis August kletterte der Cargolifter-Kurs, völlig unbeeindruckt von den Börsenverlusten ringsherum, von rund 15 auf knapp 28 Euro. Dann kamen AEST und Lifter AG. Unter diesen Pseudonymen verbreitete Heiko Teegen, Herausgeber der Fachzeitschrift "Pilot & Flugzeug", im Internet, das größte Luftschiff aller Zeiten könne gar nicht fliegen, zumindest nicht mit 160 Tonnen Last über weite Strecken. Es sei viel zu schwer, könne weder die deutschen Mittelgebirge überfahren noch weite Wasserstrecken. Er wette 100 000 Mark, so AEST im Internet, dass "Cargolifter entgegen der Prospektaussagen und Versprechungen kein Luftschiff C160 bis Mitte 2004 in einem Zustand hat, dass gewerbliche Beförderungsaufträge erledigt oder bedient werden können". Im Oktober riet Teegen, der sich inzwischen als AEST geoutet hat, Cargolifter-Aktien zu verkaufen. Hinzu kam ein kritischer Pressebericht über eine unerwartete Kostenexplosion. Die Aktie sackte ab. Cargolifter hat die Berechnungen Teegens inzwischen "korrigiert" und Strafanzeige wegen Verleumdung gestellt. "Ein Mensch wie der Journalist Teegen kann nicht besser rechnen als 200 Ingenieure", kontert Vorstandschef Carl von Gablenz. Teegen seinerseits klagt wegen Subventionsbetrug. 54 000 Aktionäre und das Land Brandenburg, so der Journalist, seien mit falschen Versprechungen in ein Luftschiff gelockt worden, das nicht mehr als eine Luftnummer sei.

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