Wirtschaft : Aufregende Aktien 2000: Die Gottschalk-Brüder und die "Aktie Gelb"

S. Schmitt

Dank der Deutschen Post ist Christoph Gottschalk mittlerweile fast bekannter als Thomas. "Zeichnen Sie die Aktie-Gelb", riet der als seriöse Geschäftsmann auftretende Bruder des Showmasters in unzähligen Werbespots, und viele folgten dieser Aufforderung. Die neue "Volksaktie" war beim Börsenstart am 20. November achtfach überzeichnet.

Postchef Klaus Zumwinkel hatte eine beeindruckende Road-Show veranstaltet und viele institutionelle Investoren zur Zeichnung bewegt, doch bei der Ausgabe der Aktien sollten die Kleinanleger bevorzugt werden. Mit einem Ausgabepreis von 21 Euro lag die Aktie über der Mitte der Bookbuildingsspanne von 18 bis 23 Euro und über dem Limit von 20 Euro, das Presseberichten zufolge viele institutionelle Anleger gegeben haben. Der Bund wolle Kasse machen, so die Vorwürfe der Börsianer. Die Platzierung der Aktien aus dem Bestand der Kreditanstalt für Wiederaufbau brachten Bundesfinanzminister Eichel 13 Milliarden Mark ein.

Dem Kurs wurde schon im Vorfeld des Börsengangs kein großes Potenzial nach oben eingeräumt. Diese Vorhersagen haben sich in den ersten sechs Wochen, die der Titel des nun als Deutsche Post World Net auftretenden früheren Staatsunternehmens an der Börse gehandelt wird, bewahrheitet. Nachrichten bleiben rar, Analysten halten sich mit Empfehlungen zurück, der Kurs bewegt sich wenig.

Einzig die Neuigkeit, das Briefmonopol, das der Post immer noch den Löwenanteil der Erträge beschert, werde nun doch nicht wie ursprünglich angekündigt Ende 2002 fallen, gab dem Kurs etwas Auftrieb. In der zweiten Dezemberwoche markierte die Aktie ihr bisheriges Jahreshoch bei 23,90 Euro. Davon abgesehen gilt: Das Handelsvolumen ist gering, die Anleger warten ab.

Immerhin: Die Aktie der Post gilt aufgrund der hohen Marktkapitalisierung als sicherer Kandidat für den Dax, der turnusgemäß im kommenden März überprüft wird. Dann müssten viele am Dax orientierte Anleger die Post-Aktie ins Portefeuille legen; Logistik-Fonds würden die Aktie ebenfalls aufnehmen.

"Die Aktie ist etwas für langfristig orientierte Anleger", hatte es vor dem Börsengang geheißen. Bei den Analysten überwiegt nach wie vor die Skepsis, ob und wie die Post den Übergang vom Monopol-Unternehmen zum internationalen Logistik-Konzern tatsächlich schafft. Bemängelt wird beispielsweise die überwiegende Ausrichtung auf den Warentransport und das fehlende Angebot von Beratungsleistungen.

Der immense Werberummel beeindruckt die Anleger bisher wenig, auch wenn die Gottschalk-Brüder weiter munter Reklame für den gelben Riesen machen.

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