Wirtschaft : Aufs Korn gekommen

Der Weizenpreis steigt seit Wochen. Nun sorgt der russische Exportstopp für einen neuen Höchststand

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Berlin - Die Ankündigung russischer Exportbeschränkungen hat den Preis für Weizen am Donnerstag auf einen neuen Höchststand getrieben. Wegen der anhaltenden Dürre und der Brände will Russland von Mitte August bis Ende Dezember kein Getreide mehr exportieren, wie Regierungssprecher Dmitri Peskow nach Angaben der Agentur Interfax am Donnerstag in Moskau mitteilte. Zuvor schon hatte sich Regierungschef Wladimir Putin für ein zeitlich begrenztes Exportverbot ausgesprochen. Er kündigte außerdem Subventionen in Höhe von rund zehn Milliarden Rubel (335 Millionen Dollar) und Darlehen in Höhe von 25 Milliarden Rubel für den Agrarsektor an. Infolge der Ankündigung stieg der Preis für eine Tonne Weizen, der im November ausgeliefert wird, an der Euronext zum Abend um 8,2 Prozent auf 226 Euro.

Die Welternährungsorganisation FAO rechnet für die weltweite Weizenernte wegen der Ausfälle aus Russland, der Ukraine und Kasachstan mit einem Rückgang um 25 Millionen auf 651 Millionen Tonnen. Wegen der Trockenheit hatte die russische Regierung kürzlich die Prognose für die Getreideernte nach unten korrigiert – von 90 auf etwa 70 Millionen Tonnen. Russland ist nach den USA und der EU der drittgrößte Exporteur von Weizen weltweit. Auch die deutschen Bauern erwarten wegen der schwierigen Wetterbedingungen Einbußen von zehn Prozent bei der Getreideernte gegenüber dem Vorjahr.

Nun schürt das russische Exportverbot die Sorge vor Knappheiten und Preisanstiegen auf den Getreidemärkten. „Die 20 Millionen Tonnen Getreide, die Russland in diesem Jahr exportieren wollte, werden an den Märkten fehlen“, sagt Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg. Angst vor Engpässen müssen deutsche Verbraucher nach Ansicht von Experten aber nicht haben. Zwischen Juni 2009 und Mai 2010 führte die Bundesrepublik nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes nur 3600 Tonnen Weizen aus Russland ein. „In Deutschland wird das Brot nicht knapp werden. Die Lager sind weltweit gut gefüllt, die Ernten in den USA und in China sind gut gewesen“, sagt auch Analyst Weinberg.

Die Preise für Weizen und andere Getreide dürften trotzdem steigen. „Bäcker und andere Produzenten, die jetzt zu den hohen Preisen einkaufen, können versuchen, einen Teil des Anstiegs an die Verbraucher weiterzugeben“, sagt Weinberg. Allerdings macht der Weizen nach Angaben des Bauernverbandes nur rund fünf Prozent des Brötchenpreises aus.

Schon vor dem Exportverbot der Russen war der Weizenpreis gestiegen – seit Anfang Juli hatte sich die Tonne um 50 Prozent verteuert. Analysten führen das auch auf Spekulationen zurück. „An den Märkten hatten Investoren in den ersten Monaten des Jahres aufgrund hoher Lagerbestände noch auf fallende Weizenpreise gewettet. Das hat die Preise zuletzt zusätzlich getrieben“, sagte Heinrich Peters, Analyst bei der Helaba.

Das bestätigt auch der Agrar- und Baustoffhändler Baywa. Zwar gingen durch die Dürre in Russland und durch Überschwemmungen in Kanada Qualität wie Menge der Getreideernte zurück, sagte Konzernchef Klaus Josef Lutz in München. Die Preisaufschläge seien aber „zu 70 Prozent der Spekulation großer Fonds geschuldet“. Der Händler hatte am Donnerstag einen Gewinnsprung verkündet. Weil Baywa Getreide teurer verkaufen konnte und das Geschäftsfeld erneuerbare Energien zulegte, kletterte im ersten Halbjahr der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um vier Millionen auf 56,3 Millionen Euro. mit dpa/rtr

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