Wirtschaft : "Aufschläge runter, Gebühren rauf"

INGO NARAT (HB)

Welche Umsätze erzielen eigentlich die deutschen Fondsgesellschaften? Die fünf großen heimischen Anbieter setzten 1997 im Heimatmarkt zwischen 360 und 884 Mill.DM um.Jacques Bopp präsentierte diese Zahlen vor kurzem erstmals.Der Gründer der jetzt zur Nachrichtenagentur Reuters gehörenden Fondsresearchgesellschaft Bopp ISBAG in Zug (Schweiz) erläutert in einem Handelsblatt-Gespräch ein weiteres Ergebnis seiner Analysen des deutschen Fondsmarktes: Investmentgesellschaften könnten ihre Umsätze am ehesten durch höhere Managementvergütungen für komplexe Produkte steigern.

Den Umsatz einer Fondsgesellschaft definiert Bopp als Summe aus Verkaufserlösen und Verwaltungskosten.Er addiert folglich die einmalig vereinnahmten Ausgabeaufschläge im Neugeschäft und die jährlich anfallenden Aufwendungen.Zu den Aufschlägen merkt er aber an: "Was davon die Vermittler erhalten und nicht die Fondsgesellschaft, ist eine andere Frage." Die regelmäßig anfallenden Aufwendungen leitet der Schweizer aus den Erfolgsrechnungen der Gesellschaften ab.Sie setzen sich vor allem aus Management- und Depotbankgebühren, aber auch Ausgaben für Werbung oder Wirtschaftsprüfer zusammen.

Umsatz-Spitzenreiter ist die Deutsche Bank-Tocher DWS mit 883,92 Mill.DM für 1997, danach folgen die Dresdner Bank Investmentgruppe und die Deka-Gruppe.Interessant ist, daß Platz zehn von Oppenheim belegt wird, obwohl die Fonds-Firma in der Bopp-Rechnung nur ein Fondsvermögen von 4,5 Mrd.DM vorweist.

Der berechnete Umsatzbeitrag bei Oppenheim läßt Rückschlüsse auf die Ursachen der Plazierung unter den Top Ten zu: Mit 1,73 Prozent liegt der Umsatzanteil am Fondsvermögen weit über den Vergleichswerten für die anderen Gesellschaften.Der überdurchschnittliche Wert könnte zum Beispiel aus starkem Neuabsatz im vergangenen Jahr resultieren, das heißt aus einem großen Anteil an Ausgabeaufschlägen an den Umsätzen.Auch eine aktienfondslastige Produktpalette - mit vergleichsweise hohen laufenden Aufwendungen - wird Umsätze und Umsatzbeiträge nach oben treiben.Die größten Werte errechnet Bopp allerdings für die kleineren Gesellschaften Camco (5,5 Prozent, Umsatz 1,45 Mill.DM) und PEH (3,8 Prozent, 13,5 Mill.DM).

Auf Basis seiner Ergebnisse und eines Vergleichs mit dem Investmentmarkt in der Schweiz rät Bopp deutschen Gesellschaften, die an einer Steigerung ihrer Umsätze interessiert seien: "Aufschläge zu Lasten der laufenden Aufwendungen senken.Das heißt: Aufschläge runter, Gebühren rauf." Höhere Managementgebühren seien nicht nur einfach durchzusetzen, sie könnten bei komplexeren Fondsprodukten auch leichter gerechtfertigt werden.

Hier verweist Bopp auf den schweizerischen Fondsmarkt mit einem Umsatzbeitrag von 1,2 Prozent, während die deutschen Gesellschaften im Durchschnitt nur auf 1,0 Prozent kommen.Bei den Aktienfonds etwa verlangten die eidgenössischen Anbieter im Mittel einen Ausgabeaufschlag von 1,8 Prozent, bei laufenden Aufwendungen von 1,6 Prozent pro Jahr.In Deutschland dagegen kommt Bopp in diesem Segment auf höhere Aufschläge von 4,2 Prozent, während die Gesellschaften lediglich 1,2 Prozent pro Jahr vereinnahmen würden.

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