Wirtschaft : Aufschwung gewinnt im Inland Boden

DRESDEN (rah).Die konjunkturelle Erholung in Deutschland wird sich fortsetzen.Das geht aus der Prognose des Münchner Ifo-Institutes für Wirtschaftsforschung hervor, die am Mittwoch in Dresden vorgestellt wurde.Danach wächst das reale Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 2,7 Prozent und im kommenden Jahr um 2,5 Prozent.

Die Arbeitslosenzahlen werden weiter zurückgehen, aber wohl erst im kommenden Jahr unter vier Millionen fallen, meint Ifo.In Westdeutschland sei es zu der lang erwarteten Trendwende gekommen, während in Ostdeutschland mit einer nochmaligen Steigerung der Arbeitslosenzahl um über 20 000 gerechnet werden müsse, heißt es.Saisonbereinigt wird für 1998 von durchschnittlich knapp 4,3 Mill.Arbeitslosen ausgegangen, was einer Quote von 11,2 Prozent entspricht.Der Prognose zufolge werde die gesamtdeutsche Quote 1999 auf 10,6 Prozent fallen.In Ostdeutschland seien kurzfristige Erfolge vor allem mit aktiver Arbeitsmarktpolitik zu erreichen.

Wenn es gelinge, die Rahmenbedingungen zu verbessern, könne es, so Ifo-Präsident Karl-Heinrich Oppenländer, ein langanhaltender Aufschwung werden.Dazu gehöre die rasche Umsetzung einer Steuerreform und eine Reform des Sozialsystems.

Der Grund für die überwiegend positive Grundstimmung wird in einer Belebung der Binnenkonjunktur gesehen.Die Ausfuhrdynamik werde infolge der Asienkrise und der Entwicklung in den mittel- und osteuropäischen Staaten zurückgehen, die Auftragseingänge aus dem Ausland stagnieren.Das Ausfuhrwachstum werde sich Jahresende 1998 auf 5,5 Prozent verlangsamen.Die Asienkrise schlage mit etwa einem Minus von einem halben Prozentpunkt auf das Wachstum in Deutschland zu Buche.Auch das Exportwachstum in die USA werde sich weiter verlangsamen, weil sich die positiven Effekte aus der DM-Abwertung gegenüber dem Dollar abschwächen.Mittel- und Osteuropa, die mit einem Ausfuhranteil von 11 Prozent im laufenden Jahr zu einem wichtigen Absatzmarkt für deutsche Produkte geworden sind, haben zunehmend mit Liquiditäts- und Transformationsproblemen zu kämpfen.

Der Motor des Aufschwungs ist nach Darstellung von Ifo vor allem die verstärkte Investitionstätigkeit im Inland.Die realen Ausrüstungsinvestitionen sollen 1998 im Durchschnitt 7,5 bis 8 Prozent über dem Vorjahr liegen, 1999 wird von knapp 7 Prozent Wachstum ausgegangen.Hinzu kommt zumindest in Westdeutschland eine leichte Belebung der Bauinvestitionen.Die Kapazitätsauslastung sei mittlerweise ähnlich hoch wie in anderen Aufschwungsjahren.Impulse erwartet Ifo außerdem vom privaten Verbrauch: wegen der zurückgehenden Arbeitslosigkeit, der steigenden Lohnsumme und anhaltender Preisstabilität.

Der Aufschwung gestaltet sich in Ost- und Westdeutschland unterschiedlich.Wie schon 1997 wird die Zunahme der gesamtwirtschaftlichen Produktion im Osten auch 1998 mit 2,1 Prozent unter der westdeutschen mit 2,8 Prozent liegen.Zwar steige die Industrieproduktion mit 10 Prozent deutlich schneller als im Westen, das Baugewerbe schrumpfe aber erneut.Erst im kommenden Jahr werden sich die Wachstumsraten angleichen, meint Ifo.

Positiv vermerken die Wirtschaftsforscher die fortschreitende Konsolidierung der öffentlichen Haushalte.Wegen wieder stärker sprudelnder Steuerquellen werde das staatliche Budgetdefizit 1998 um rund 17 Mrd.DM auf 85 DM sinken, 1999 dürfte das Defizit sogar nur noch 56 Mrd.DM betragen.

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