Wirtschaft : Aufschwung im Maschinenbau

Ein Fünftel mehr Aufträge /Teures Öl heizt Inflation in Europa an

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Frankfurt (Main)/Berlin Im deutschen Maschinenbau ist der Aufschwung angekommen. Im April wuchs der Auftragseingang im Vergleich zum Vorjahr um 19 Prozent, teilte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am Freitag mit. Die Aufträge aus dem Inland wuchsen um 20 Prozent, die aus dem Ausland trotz ausgebliebener Großaufträge um 19 Prozent. „Das ist eine gute Basis für die Produktionstätigkeit der nächsten Monate“, sagte Ralph Wiechers, Chefvolkswirt des VDMA. Diese deutsche Schlüsselbranche ist damit sehr gut in das Jahr gestartet. Im März hatte das Auftragsplus 37 Prozent betragen. Von Februar bis April gingen 21 Prozent mehr Aufträge ein als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Dabei lag der Zuwachs im Inland bei 14 Prozent, aus dem Ausland kamen 25 Prozent mehr Aufträge.

„Die Inlandsbestellungen standen im April offenbar weiter unter dem Motto ,Nachholbedarf’“, sagte Wiechers. Im Auslandsgeschäft seien zwar die Großaufträge ausgeblieben. Doch auch ohne diese Sondereffekte, die in den vergangenen Monaten den Index antrieben, sei der Zuwachs beachtlich. Einen spürbaren Impuls hätten die Druckmaschinenhersteller im April im Vorfeld der großen Branchenmesse Drupa verzeichnet, sagte Wiechers. Insgesamt hätten aber bislang in 2004 die Anlagenbauer die höchsten Auftragseingänge verbucht. Gefragt seien hier vor allem Hütten- und Walzwerke sowie Zementwerke gewesen, aber auch Großturbinen, sagte Wiechers. Dahinter rangierten große Maschinenbau-Bereiche wie der Werkzeugmaschinenbau und die Antriebstechnik. Auftragsrückgänge verzeichneten nach Wiechers Angaben nur sieben der 36 Fachzweige im Verband. Schwierigkeiten hätten vor allem noch konsumnahe Maschinenbauer, die beispielsweise für die Textil- und Schuhindustrie fertigten. Die vom VDMA vertretenen Unternehmen beschäftigen in Deutschland rund 800000 Mitarbeiter.

Unterdessen teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat mit, dass die Inflation zuletzt deutlich gestiegen sei: Die jährliche Teuerungsrate sprang im Mai auf 2,5 Prozent nach 2,0 Prozent im April. Als Grund führte ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel den Höhenflug der Energiepreise an. „Vor einem Jahr waren die Ölpreise sehr niedrig. Es ist kein Wunder, dass deshalb die Rate nach oben geht.“ Es bestehe aber kein Anlass zur Beunruhigung.

Die Inflations-Warnschwelle der Europäischen Zentralbank (EZB) von zwei Prozent ist allerdings damit deutlich überschritten. Damit hat die Europäische Zentralbank (EZB) auch weniger Spielraum für mögliche Zinssenkungen. Der wichtigste Leitzins liegt in Europa derzeit bei 2,0 Prozent. Preisstabilität ist nach Definition der EZB bei Raten bis oder nahe bei zwei Prozent erreicht.

Die jährliche Inflationsrate war in der Euro-Zone mit den zwölf Staaten der Euro-Gemeinschaftswährung im April bereits auf 2,0 Prozent geklettert, nach 1,7 Prozent im März. Tsp

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