Wirtschaft : Aufschwung in der Klemme

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Von Henrik Mortsiefer

Droht dem Aufschwung die Kreditklemme? Glaubt man der Bundesbank und dem Investmenthaus Goldman Sachs, dann könnte es für die Unternehmen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt eng werden. Die Banken werden früher oder später an der Zinsschraube drehen oder den Geldhahn für bestimmte Kunden ganz verschließen.

Die Gründe dafür sind vielfältig und vor allem in der Vergangenheit zu suchen. Zu viele Filialen, zu viel Verwaltung, zu wenige standardisierte Produkte und Dienstleistungen, gravierende Managementfehler: Das Bankensystem erweist sich mehr und mehr als zu starr, um mit dem Wettbewerb auf den Kapitalmärkten Schritt zu halten. Es muss also angepasst werden, und die Konsequenzen – Fusionen, Wegfall der Staatsgarantien, Verkäufe – werden die Unternehmen zu spüren bekommen. Wenn die Privatbanken zum Beispiel ihre Profitabilität steigern wollen und die Sparkassen und Landesbanken von 2005 an ohne Staatsgarantie wirtschaften müssen, dann werden sie mit Kostensenkungen allein nicht auskommen – sondern die Preise, sprich: die Zinsen, anheben müssen.

Für die Unternehmen heißt das: Wenn sie nicht die Zeche des Strukturwandels zahlen wollen, müssen sie sich mehr als bisher nach Alternativen zum klassischen Hausbankkredit umsehen. Der Anteil von Fremdkapital in deutschen Bilanzen ist ohnehin viel zu hoch. Gelänge es vor allem dem Mittelstand, der heute noch am Kredittropf der Banken hängt, privates Beteiligungskapital oder die Börse zu gewinnen, müsste beim nächsten Aufschwung vielleicht nicht mehr vor einer Kreditklemme gewarnt werden.

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