Aufschwung : IWF zeigt sich optimistisch

Die Weltwirtschaft lässt die schlimmste Rezession seit Jahrzehnten überraschend schnell hinter sich. Der Internationale Währungsfonds IWF korrigierte am Dienstag seine Prognosen für alle wichtigen Volkswirtschaften der Welt kräftig nach oben, allen voran die Vorhersagen für die USA und Deutschland.

Dank der massiven Staatshilfen soll die Weltwirtschaft insgesamt um 3,9 Prozent zulegen, 0,8 Punkte mehr als zunächst erwartet. Nach jüngsten ifo-Erhebungen startet vor allem die deutsche Wirtschaft mit wachsender Zuversicht in das neue Jahr. Als letzte der führenden Industrienationen verließ Großbritannien zum Jahresende 2009 die Rezession, allerdings nur mit minimalsten Wachstum.

Nach seinem aktualisierten Ausblick rechnet der IWF nun für Deutschland 2010 mit einem Wirtschaftswachstum von 1,5 (bisher 0,3) Prozent, für die USA mit 2,7 (1,5) Prozent. Damit liegt der IWF auf Höhe der Bundesregierung, die in ihrem Jahreswirtschaftsbericht 1,4 Prozent Wachstum vorhersagt.

Für 2011 rechnet der IWF unterdessen mit einem Wachstum der deutschen Wirtschaft um 1,9 Prozent, weltweit mit 4,3 Prozent Wachstum. Die Erholung werde von einigen Schwellenländern in Asien angeführt, vor allem China und Indien. Für China prognostiziert der Fonds in diesem und im nächsten Jahr ein Plus von um die zehn Prozent, für Indien jeweils knapp acht Prozent.

„Die wirtschaftliche Erholung setzt sich zu Beginn des neuen Jahres fort“, sagte der Präsident des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn in München. Der monatlich erhobene ifo-Index stieg im Januar um mehr als einen ganzen Punkt auf 95,8 Punkte an und damit noch stärker als von Volkswirten erwartet. Der Index gilt als wichtigster Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Er legte bereits zum zehnten Mal in Folge zu.

Allerdings wird es noch Jahre dauern, bis die Trümmer der schweren Weltrezession vollends beseitigt sind. Zum einen wird das Niveau vor der Krise nicht so schnell wieder erreicht werden. Zum anderen gibt es laut IWF zumindest in den Industriestaaten kaum Hinweise für einen selbsttragenden Aufschwung. Die Erholung in den reichen Ländern werde nach historischen Maßstäben auch deshalb allenfalls schwach ausfallen. Größte Stolpersteine für den Aufschwung seien hohe Arbeitslosigkeit, ein nach wie vor angeschlagener Finanzsektor und in manchen Ländern die hohe Staatsverschuldung. Der ifo-Index hat dementsprechend nun erst wieder das Niveau vor der Lehman-Pleite im Herbst 2008 erreicht. In den Boomjahren 2006 und 2007 bewegte er sich durchgehend bei weit über 100 Punkten.

   Mit einer Belebung rechnen die Firmen vor allem im Auslandsgeschäft, das bei den meisten Firmen in der Krise besonders stark gelitten hatte. „Die Maschinen und Anlagen lasten die Industriefirmen zwar weiterhin unterdurchschnittlich, aber stärker als im vergangenen Herbst aus“, sagte Sinn.

   Das große Fragezeichen in der Industrie bleibt die Beschäftigungslage, da die weitere Entwicklung am Arbeitsmarkt als größte Gefahr für die Erholung der Wirtschaft gilt. Der ifo-Befragung zufolge wollen die Firmen trotz des wachsenden Optimismus etwas Personal abbauen.

   Die wachsende Angst vor Arbeitslosigkeit drückt den Verbrauchern in Deutschland auf die Stimmung, das Konsumklima verschlechtert sich bereits seit vier Monaten in Folge. Der Einzelhandel bekommt dies laut ifo aber noch nicht zu spüren und berichtet von einer nahezu unveränderten Geschäftslage. Die Erwartungen für das kommende halbe Jahr schätzten die Einzelhändler allerdings etwas zurückhaltender ein als noch im Dezember.

Weltweit waren Ende 2009 rund 212 Millionen Menschen als arbeitslos registriert, fast 34 Millionen mehr als im Jahr 2007 vor dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise und so viele wie nie zuvor. Das berichtete die den Vereinten Nationen nahestehende Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in Genf. Dies entspricht einer durchschnittlichen Arbeitslosenquote von 6,6 Prozent. Trotz des erwarteten Wachstums der Weltwirtschaft erwartet die ILO, dass die Arbeitslosenquote 2010 bei rund 6,5 Prozent verharrt.

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