Wirtschaft : Aufschwung ohne Schwung

Stimmung der Wirtschaft trübt sich leicht ein – die Nachfrage bleibt schwach

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Berlin Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im August leicht verschlechtert. Der per Umfrage ermittelte Ifo-Geschäftsklima-Index sank von 95,6 Punkten im Juli auf 95,3 Punkte, wie das Münchener Ifo-Institut am Donnerstag mitteilte. Wegen des teuren Öls hatten Ökonomen aber mit einer stärkeren Eintrübung gerechnet. Ein abruptes Ende des Aufschwungs sei nun unwahrscheinlich, versicherten sie. Die Börse ignorierte die Daten weitgehend.

Der Ifo-Index ist der wichtigste Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Um ihn zu ermitteln, befragt das Ifo-Institut allmonatlich rund 7000 Unternehmen nach ihrer aktuellen Geschäftslage und ihren Erwartungen für die kommenden sechs Monate. Im Vormonat war der Geschäftsklimaindex noch deutlich angestiegen – das teure Öl hatte zuletzt aber für Zweifel am Aufschwung gesorgt. Von einer Wende zum Guten oder zum Schlechten sprechen die Experten aber erst, wenn der Geschäftsklima-Index dreimal in Folge steigt oder fällt.

Die Firmen schätzten vor allem ihre Erwartungen für die kommenden sechs Monate pessimistischer ein – der Index sank von 97,1 auf 96,0 Punkte. Bei der aktuellen Lage stieg dagegen der Optimismus, der Wert verbesserte sich von 94,1 auf 94,7 Punkte. „Die Ergebnisse sprechen für einen noch nicht durchgreifend gefestigten Aufschwung“, sagte Hans-Werner Sinn, der Chef des Ifo-Instituts. Die gute Exportkonjunktur habe sich noch nicht auf die Binnennachfrage übertragen. Im Groß- und Einzelhandel habe sich das Klima ebenso wie in der Industrie leicht verschlechtert, nur in der Bauwirtschaft habe es eine leichte Verbesserung gegeben. Im Osten habe sich die Stimmung ebenso eingetrübt wie im Westen, berichtete Sinn.

Konjunkturforscher sahen die Ifo-Zahlen als Beleg dafür an, dass die wirtschaftliche Dynamik in Deutschland in den kommenden Monaten leicht an Schwung verlieren wird. „Die Weltwirtschaft wird nicht mehr so stark wachsen wie zuletzt, zugleich ist ein Anziehen der Inlandsnachfrage noch immer nicht in Sicht“, sagte Andreas Scheuerle, Volkswirt bei der Deka-Bank in Frankfurt am Main. Gleichwohl zeigten die Zahlen, dass der Ölpreis dem Wachstum weniger geschadet habe als befürchtet. Zudem warnte Scheuerle davor, die Ifo-Zahlen überzubewerten. „Die Unternehmen sind noch immer verunsichert, deshalb schwanken ihre Erwartungen stärker als früher“, hat er beobachtet. Insgesamt werde die deutsche Wirtschaft 2004 um rund 1,9 Prozent wachsen, prognostizierte er, 2005 würden es mit 1,4 Prozent etwas weniger. In den drei Jahren zuvor hatte die Wirtschaftsleistung in etwa stagniert.

David Milleker von der Allianz begründete die etwas schlechtere Stimmung mit dem hohen Ölpreis. Der Preisanstieg des Rohstoffs verzögere die Kräftigung der Binnennachfrage, sagte er. Das Plus beim Bruttoinlandsprodukt von 0,5 Prozent wie zwischen April und Ende Juni werde die deutsche Wirtschaft vorerst nicht mehr erreichen.

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