Wirtschaft : Aufsichtsamt prüft Insiderhandel bei Kamps

msh/HB

Mit der geplanten Übernahme von Kamps durch den italienischen Nudelkonzern Barilla wird sich das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel beschäftigen. "Wir werden uns das im Hinblick auf möglichen Insider-Handel näher anschauen", sagte eine Sprecherin des Amtes (siehe Lexikon: Insider-Handel ). Es handele sich allerdings noch nicht um eine förmliche Untersuchung, sondern um eine erste Analyse, wie sie häufig in Zusammenhang mit Übernahmen eingeleitet werde. Der Kurs der Kamps-Aktie war in der vergangenen Woche leicht angestiegen.

Barilla hatte am Montag ein Übernahmeangebot für die Großbäckerei Kamps angekündigt. Zuvor waren Verhandlungen zwischen den Unternehmen über eine Zusammenarbeit gescheitert. Der Kamps-Vorstand lehnte die Offerte von zwölf Euro pro Aktie als zu niedrig ab. Das offizielle Angebot an die Aktionäre wird Barilla im Mai vorlegen. Dann beginnt auch die Frist für die Aktionäre. Sie müssen sich dann entscheiden, ob sie das Barangebot von zwölf Euro pro Aktie annehmen wollen. Bis dahin hat Kamps Zeit, eine Abwehrstrategie auszuarbeiten. Allerdings bewerten Branchenexperten die Chance als gering, einen strategischen Investor zu finden, der die Eigenständigkeit von Kamps gewährleistet. In Branchenkreisen wird der US-Mischkonzern Sara Lee als möglicher Kaufinteressent genannt. Die Amerikaner haben vor einem halben Jahr den spanischen Backwarenhersteller Bimbo übernommen, dürften aber ebenfalls an einer Mehrheit bei Kamps interessiert sein.

Analysten glauben, dass sich das Kamps-Management noch ziert, um einen höheren Preis pro Aktie auszuhandeln. Christian Bruns vom Bankhaus Sal. Oppenheim erwartet einen Übernahmepreis von bis zu 15 Euro und empfiehlt die Aktie deshalb kurzfristig zum Kauf. Aus strategischer Sicht mache die Übernahme durch Barilla Sinn. "Deshalb ist es sehr wahrscheinlich, dass Kamps ein höheres Angebot akzeptieren wird", meint der Analyst. Aktuell hält Barilla bereits 2,1 Prozent des Kapitals von Kamps. Laut Finanzkreisen sollen aber befreundete Investoren weitere sieben Prozent halten, so dass die Italiener in der Summe auf rund neun Prozent des Kapitals zählen können.

Barilla schloss am Dienstag zwar offiziell aus, die Offerte von zwölf Euro je Aktie nochmals nachzubessern. Es handele sich um einen angemessenen Preis; Barilla sehe keinen Spielraum mehr nach oben, zumal im Zuge der Übernahmespekulationen seit dem vergangenen Sommer der Kamps-Kurs bereits stark zugelegt habe. Finanzkreise in Mailand halten es indes für möglich, dass Barilla sein Angebot aufstocken wird.

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