Wirtschaft : Aufsichtsräte locken Prominente

Ex-Politiker werden dabei selten reich

Stefan Kaiser

Berlin - Besonders reich wird man als Aufsichtsrat in der Regel nicht. „Wenn die Aufsichtsräte in Deutschland fünf Prozent der Vorstandsbezüge bekommen, dann ist das schon viel“, sagt Heinz Evers, Geschäftsführer der Kienbaum Vergütungsberatung, die regelmäßig Studien über die Bezahlung von Aufsichtsräten und Managern erstellt. „In Deutschland liegen die Durchschnittsbezüge für Aufsichtsräte bei rund 15 000 Euro pro Jahr“, erklärt Evers, „Aufsichtsratsvorsitzende verdienen etwa das Doppelte“. Auch in der Schweiz, wo das deutsch-russische Gaspipeline-Konsortium registriert ist, dessen Aufsichtsrat Ex-Bundeskanzler Schröder übernehmen soll, lägen die Vergütungen nur geringfügig höher.

Bei großen Unternehmen heben sich die Aufsichtsratsbezüge allerdings deutlich vom Durchschnitt ab. Sie beziehen zusätzlich zum Grundgehalt oft hohe Tantiemen und kommen so auf Gesamtvergütungen von bis zu 700 000 Euro. So viel erhielt jedenfalls im vergangenen Jahr Giuseppe Vita, Aufsichtsratsvorsitzender des Berliner Pharma-Konzerns Schering, laut Zahlen der Management-Beratung Towers Perrin. Der Aufsichtsratschef von Adidas-Salomon, der Franzose Henri Filho, musste sich dagegen mit 42 000 Euro zufrieden geben.

Auch dass ehemalige Politiker in Aufsichtsräte einziehen, ist keine Seltenheit: Ex-Kanzler Helmut Kohl sitzt zum Beispiel im Aufsichtsrat des Versicherungskonzerns AMB Generali. Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister und FDP-Vorsitzende Otto Graf Lambsdorff hat einen Platz im Aufsichtsgremium der Deutschen Lufthansa.

Prominente Aufsichtsräte wie Schröder übten oft Aufgaben aus, die über ihre eigentliche Tätigkeit hinaus gehen, erklärt Vergütungs-Experte Evers. „Dann werden oft zusätzliche Beraterverträge abgeschlossen, die mehr Geld versprechen.“

Erst am Donnerstag hatte Wolfgang Clement, bis vor wenigen Wochen noch Bundeswirtschaftsminister, die Seiten gewechselt. Er wird Aufsichtsrat der Berliner Dussmann Verwaltungs AG.

Dem Wechsel Clements haftet nach Ansicht von Kritikern ein besonderer Geschmack an: Zum Kerngeschäft der Dussmann-Gruppe gehören das Gebäudemanagement, auch die Gebäudereinigung und Leistungen im Sozialbereich. Daneben gibt es das gleichnamige Kulturkaufhaus. Häufig werden diese Bereiche mit gering bezahlten Mini-Jobs betrieben, die Clement in seiner Amtszeit als Minister entscheidend gestärkt hatte. Eine Dussman-Sprecherin wies diese Vorwürfe am Freitag zurück: man habe die Zahl der Mini-Jobs in den vergangenen Jahren zurückgefahren.

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