Wirtschaft : Aufsichtsrat bei Siemens ist gespalten

Nicole Huss

München - Der Siemens-Aufsichtsrat ist bei der Suche nach einem neuen Vorstandschef gespalten. Aus Unternehmenskreisen erfuhr der Tagesspiegel, in dem Kontrollgremium tobe „ein verdeckter Machtkampf“. Während sich die Arbeitgeberseite unter der Führung von Aufsichtsratschef Gerhard Cromme für einen externen Kandidaten einsetze, favorisierten die Arbeitnehmer einen Kandidaten aus den eigenen Reihen.

Wie es weiter hieß, gilt unter den internen Kandidaten Erich Reinhardt, Leiter der Medizintechnik-Sparte, als Favorit. Der Verein der Belegschaftsaktionäre habe aber drei weitere Namen ins Spiel gebracht: Helmut Gierse, der die Automatisierungs- und Antriebstechnik leitet, Gebäudetechnik-Vorstand Heinrich Hiesinger und Technik-Vorstand Hermann Requardt. Reinhardt und Requardt sind auch Mitglieder des Zentralvorstands.

Derzeit versucht der Präsidialausschuss des Aufsichtsrats, eine gemeinsame Lösung zu finden. Das Gremium, dem neben Cromme auch Deutsche- Bank-Chef Josef Ackermann und Siemens-Gesamtbetriebsratschef Ralf Heckmann angehören, will seine Vorschläge noch im Mai dem Aufsichtsrat präsentieren. Als externer Favorit für die Nachfolge von Klaus Kleinfeld gilt weiterhin Linde-Chef Wolfgang Reitzle. Daneben sind mehrere weitere Spitzenmanager aus dem In- und Ausland im Gespräch.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass Cromme es riskiert, einen Internen zum Nachfolger zu machen“, hieß es in den Kreisen. Die Gefahr sei zu groß, dass ein interner Kandidat in die Schmiergeldaffäre verstrickt sei. Außerdem müsse die von Siemens mit der Aufklärung beauftragte US-Kanzlei Debevoise & Plimpton eine Unbedenklichkeitserklärung für einen Internen vorlegen. Das sei beim derzeitigen Stand der Ermittlungen vermutlich unmöglich. Nicole Huss

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