Wirtschaft : Aufsichtsrat der Bankgesellschaft sucht nach Lösungen

BERLIN (dr).Der Aufsichtsrat der Bankgesellschaft ist am Freitag erstmals seit Bekanntwerden der spektakulären Umstrukturierungspläne des Konzerns zusammengetreten.Erwartet wurden unter anderem umfangreiche Personalentscheidungen.Ein Ergebnis lag allerdings bis zum Redaktionsschluß noch nicht vor.

Anfang November hatte der Vorstandsvorsitzende des Konzerns, Wolfgang Rupf, anläßlich der Vorstellung der Neun-Monats-Zahlen der Bankgesellschaft erklärt, die Berliner Bank werde zwar dem Namen nach erhalten bleiben, aber auf die Bankgesellschaft fusioniert.Das Institut werde in Zukunft nur noch das Privatkundengeschäft und die mittleren Firmenkunden im Raum Berlin/Brandenburg betreuen.Das Geschäft mit den Großkunden sowie die Internationalen Beziehungen sollten direkt von der Bankgesellschaft wahrgenommen werden.Unter anderem sollten auch Stäbe aufgelöst werden.Rupf wollte damals auch personelle Konsequenzen auf Vorstandsebene nicht ausschließen.Über die berufliche Zukunft von einigen Vorstandsmitgliedern der Berliner Bank war daraufhin öffentlich spekuliert worden, auch wenn offiziell noch keine Entscheidungen gefallen waren.Rupf erklärte darüber hinaus, bis zu 2000 Arbeitsplätze sollten in einem Zeitraum von zwei bis drei Jahren abgebaut werden.Gleichzeitig sicherte der Vorstandssprecher jedoch zu, daß es nicht zu betriebsbedingten Kündigungen kommen werde.

Rupf sah sich zu den einschneidenden Maßnahmen gezwungen, nachdem die angestrebte Fusion der Bankgesellschaft Berlin mit der Norddeutschen Landesbank zunächst gescheitert ist.An der Spree entschloß man sich daraufhin, einen eigenen Weg zu gehen und mit den notwendigen Strukturmaßnahmen zu beginnen.Insbesondere soll so erreicht werden, daß die Schwachpunkte beseitigt werden und die Bankgesellschaft wieder ein florierendes Institut wird.In den kommenden zwei bis drei Jahren sollen Einsparungen von insgesamt rund einer Mrd.DM erreicht werden.Schwächen bestehen nach wie vor im Bereich der EDV, wo verschiedene Systeme nicht in Einklang gebracht worden sind.Darüber hinaus leidet insbesondere die Berliner Bank unter der schlechten wirtschaftlichen Entwicklung in Berlin/Brandenburg und einer schon leichtsinnig zu nennenden Kreditvergabe in der Vergangenheit.Dies zwang das Institut zu einer enormen Risikovorsorge und Wertberichtigungen in der Vergangenheit.Zudem bekam auch die Sparkasse die Flaute zu spüren.Hier waren es vor allem Privatkunden, die für Kreditausfälle sorgen.

Allein in den ersten neun Monaten 1998 kletterte die Risikovorsorge in der Bankgesellschaft auf netto 838 (Vorjahreszeit 777) Mill.DM, was brutto über 900 Mill.DM entspricht.Für das gesamte Jahr 1998 wollen Beobachter einen Bruttowert von fast zwei Mrd.DM nicht ausschließen.Auch von einem Ausfall der Dividende für das laufende Geschäftsjahr wurde schon gesprochen.Diese Zahlen dürfte vor allem Berlins Finanzsenatorin Annette Fugmann-Heesing nur ungern hören, ist das Land doch größter Aktionär der Bankgesellschaft.

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